Bertelsmann Stiftung

Wiesbaden - Trends erkennen mit Monitoring

Demographie-Profil:

Bundesland

Hessen

Bevölkerung (31.12.2009)

277.493

Entwicklung 2002-2009 (in %)

2,2

Entwicklung 2009-2030 (in %)

4,2

Ausländeranteil (in %)

20,1

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Bereits in den 70er Jahren existierte in Wiesbaden eine große Migrantenpopulation. Besonders diese Bevölkerungsgruppe war durch den später einsetzenden Strukturwandel von Arbeitslosigkeit betroffen.
  • Die Wiesbadener Integrationspolitik richtet sich an alle Menschen mit Migrationshintergrund, auch auf Migranten der zweiten und dritten Generation, sofern ihre Integration bisher nicht erfolgreich verlief. Daneben wendet sie sich natürlich auch an die Aufnahmegesellschaft.
  • In einer eigenen methodischen Expertise hat das Amt für Wahlen, Statistik und Stadtforschung die Struktur und Zusammensetzung der Bürger mit Migrationshintergrund durchgeführt. Daraufhin erweiterte sich der Kreis von 47.000 Ausländern um 30.000 deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund, somit liegt der Anteil der „Wiesbadener mit fremder Herkunft“ bei fast 30 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Ziel:

  • Ziel des Wiesbadener Monitoringsystem ist es, Stand und Fortschritte des Integrationsprozesses möglichst objektiv zu messen, Entwicklungstrends zu erkennen und daraus Schlussfolgerungen für den Steuerungsprozess der Arbeit abzuleiten.

Strategie:

  • Das Wiesbadener Monitoringsystem ist eines unter mehreren Elementen der hoch entwickelten Integrationsberichterstattung. Diese wiederum ist Teil eines umfassenden Integrationskonzepts der Stadt, die Integration als einen Schwerpunkt ihrer kommunalen Politik versteht.
  • Durch die Integrationspolitik soll eine Angleichung der Lebenslagen von Menschen mit Migrationshintergrund und Aufnahmegesellschaft erreicht werden.

Meilensteine:

  • 2001 erklärt die Stadt Integration zu einem kommunalpolitischen Schwerpunkt. Die Stadtverordnetenversammlung beschließt die Gründung eines Einwohner- und Integrationsamtes (angesiedelt beim Dezernenten für Bürgerangelegenheiten und Integration). Dessen Hauptaufgabe ist die Erstellung und federführende Umsetzung eines Integrationskonzepts für die Stadt Wiesbaden.
  • 2004 wird das in einem zweijährigen, beteiligungsorientierten Prozess erarbeitete Integrationskonzept von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Es gilt für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Akteure:

  • Amt für Wahlen, Statistik und Stadtforschung
  • Einwohner- und Integrationsamt

Umsetzung:

  • Das Monitoringsystem wurde durch das Amt für Wahlen, Statistik und Stadtforschung entwickelt, welches auch die jährliche Aktualisierung und die konzeptionelle Arbeit bezüglich der Kennzahlen leistet.
  • Die Indikatoren und ihre Kennzahlen werden einmal jährlich in komprimierter Form als Integrationsbericht Politik und Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
  • Stand und Fortschritt der Integrationspolitik werden in vier Dimensionen gemessen: strukturelle, soziale, kulturelle und identifikatorische Integration. Die entsprechenden Indikatoren werden in einem laufenden Prozess weiterentwickelt.
  • Die strukturelle Integration wird gemessen anhand folgender Indikatoren:
    • Rechtliche Integration (Aufenthaltssicherheit, Einbürgerungsanspruch)
    • Integration in das Bildungssystem (Kindergartenbesuch, Gymnasialbesuch, Schulerfolg, Berufseinmündung)
    • Integration in den Arbeitsmarkt (Qualifikation, geringfügige Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit)
    • Integration in den Wohnungsmarkt (Segregation)
  • Die kulturelle Integration wird gemessen anhand folgender Indikatoren:
    • Werteannäherung (Geburtenrate, Fünf- und mehr Personenhaushalte)
    • Spracherwerb (Sprachkenntnisse bei Migrantenkindern)
  • Die soziale Integration wird gemessen anhand folgender Indikatoren:
    • Aufenthaltsdauer und Zugehörigkeit zur zweiten Ausländergeneration
    • Anteil bikultureller Familien
    • Sozialkontakte zwischen Deutschen und Ausländern
  • Die identifikatorische Integration wird anhand der Einbürgerungsrate gemessen. Alle Datenerhebungen werden durch qualititative Verfahren ergänzt.
  • Ein Problem ist derzeit noch die Tatsache, dass eine Abbildung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei den meisten Indikatoren aus datentechnischen Gründen noch nicht gelingt.
  • Eine weitere Rolle spielt der Zeitfaktor: Zum einen ist es für Trendaussagen noch zu früh, da hierfür Zeitreihen mit Vergleichsdaten aus mehreren Jahren vorliegen müssen. Ebenso tritt die Wirkung von Integrationsmaßnahmen erst zeitversetzt ein.
  • Auch ist es derzeit noch schwierig, bei der Veränderung einer Kennzahl festzustellen, ob es sich um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung oder ein Ergebnis der kommunalen Integrationspolitik handelt.
  • Das Monitoringsystem erbrachte signifikante Ergebnisse im Hinblick auf verschiedene Handlungsfelder wie z. B. die Integration in das Bildungssystem. Hier zeigte sich eine klare Benachteiligung ausländischer Kinder und Jugendlichen z. B. im Ausbildungsbereich oder beim Besuch weiterführender Schulen.
  • Monitoring hat sich inzwischen als wesentliches Element der Wiesbadener Integrationspolitik bewährt und unterstützt deren Weiterentwicklung.

Bürgerbeteiligung:

  • Das Wiesbadener Integrationskonzept wurde in einem partizipativen Prozess erarbeitet, unter anderem fanden öffentliche Workshops und Stadtteilkonferenzen zum Thema statt.
  • Der Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Völkerverständigung und Integration führte ein öffentliches Hearing zum Konzept des Einwohner- und Integrationsamtes durch.

Finanzierung:

  • Das Monitoring hat in etwa ein halbes Jahr Entwicklungszeit beansprucht und pro Jahr werden 14 Tage für die Aktualisierung veranschlagt.

Erfolge:

  • Das Monitoringsystem als Teil des Wiesbadener Integrationskonzepts hat inzwischen bundesweit eine Beispiel- und Vorreiterrolle übernommen.
  • Erste Maßnahmen konnten auf Grund des Monitorings zielgerichtet durchgeführt werden. So ergab eine Schuleingangsuntersuchung, dass 56% der ausländischen Jungen eines Jahrgangs aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht schulfähig waren. Die meisten waren nicht im Kindergarten gewesen. Daraufhin konnte die Stadt eine gezielte Werbekampagne für den Kindergarten starten und dafür auch die Imame in den Moscheen gewinnen.

Kontakt:

Jeanine Rudolph

Telefon: 0611 - 31 44 22

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Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: September 2006

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Jeanine Rudolph
Einwohner – und Integrationsamt

Landeshauptstadt Wiesbaden

Alcide-de-Gasperi-Str. 2

65197 Wiesbaden

Telefon: 0611 - 31 44 22

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