Bertelsmann Stiftung

Verl - zukunftsgerichtete (Finanz)Politik

Demographie-Profil:

Bundesland

Nordrhein-Werstfalen

Landkreis

Gütersloh

Bevölkerung (31.12.2009)

24.968

Entwicklung 2002-2009 (in %)

4,0

Entwicklung 2009-2030 (in %)

2,6

Räumliche Einordnung

Hochverdichtete Kreise_Agglomerationsräume

Demographietyp

prosperierende Stadt im ländlichen Raum

Ausgangslage

  • Die Stadt Verl, die im Jahr 2010 die Stadtrechte erhalten hat, liegt im Osten des Kreises Gütersloh. Seit den 1990er Jahren hat sich die Einwohnerzahl von 20.000 stetig auf nunmehr über 25.000 erhöht. Verl befindet sich verkehrsgünstig an der A2 zwischen den drei Regionalzentren Gütersloh (10km) Bielefeld (20km) und Paderborn (35km). Mit fünf Ortsteilen erstreckt sich die Stadt über eine Fläche von 71,36 qkm.
  • Die Stadt Verl ist seit Jahren schuldenfrei. Die vorläufige Eröffnungsbilanz weist bei einer Bilanzsumme von ca. 210 Mio. € ein Eigenkapital von ca. 147 Mio. € aus. Aufgrund der soliden wirtschaftlichen Situation war die Stadt auch während der Finanzkrise in den Jahren 2009 und 2010 in der Lage, mit eigenen Mitteln umfangreiche Investitionen von jeweils über 17 Mio. € zu tätigen. Darüber hinaus zählt der Gewerbesteuerhebesatz von 340 % und der Grundsteuer-B-Hebesatz von 265 % zu den niedrigsten Hebesätzen in Nordrhein-Westfalen.
  • Zu den Eigenbetrieben der Stadt gehören neben der Abwasserentsorgung ein Gemeinschaftsklärwerk, das zusammen mit drei Nachbarkommunen betrieben wird sowie die Ostwestfalenhalle im Ortsteil Kaunitz.
  • Die Stadt gilt seit langem als Zuzugsgebiet für junge Familien, für das auch in Zukunft ein stetiger Bevölkerungsanstieg prognostiziert wird. Als Unternehmensstandort ist Verl vor allem mittelständisch orientiert und profitiert aufgrund der niedrigen Hebesätze auch von der Nähe zu dem Industrie und Wirtschaftszentrum Gütersloh.

Ziele:

  • Aufgrund der guten finanziellen Situation wird in Verl als Oberziel eine nachhaltige Stadtentwicklung verfolgt, um die Stadt zukunftsfähig aufzustellen. Daraus ergeben sich drei Hauptfelder:
    • Erhalt und Förderung der guten wirtschaftlichen Situation der Stadt Verl und damit Sicherung von Handlungsspielräumen.
    • Aufstellung als zukunftsfähige Kommune durch gezielte Infrastrukturinvestitionen in den Bereichen Familie, Bildung, Kommunikation und Verkehr. 
    • Der Ausbau der Stadtverwaltung als modernes kommunales Dienstleistungsunternehmen mit dem Fokus auf Kundenfreundlichkeit und Effizienz

Umsetzung:

  • Die strategische Spitze und damit zentraler Akteur ist der Bürgermeister, der dabei alle Maßnahmen sowohl nach innen als auch nach außen vertritt. In enger Zusammenarbeit sind die Dezernenten und Fachbereichsleiter für die konkrete Umsetzung geplanter Maßnahmen in den Fachbereichen zuständig.
  • Die Sicherung der finanziellen Situation der Stadt wird durch eine konsequente Aufgaben- und Stellenkritik wahrgenommen. Kommunale Aufgaben werden laufend auf ihre Notwendigkeit überprüft. Die Ausgabenkontrolle erfolgt im Prinzip ohne Bagatellgrenzen, so dass auch kleinere Beträge kritisch hinterfragt werden. Investitionsprojekte werden grundsätzlich nur realisiert, wenn die Finanzierung durch Eigenkapital gedeckt ist. Eine Fremdfinanzierung kommt nur ausnahmsweise in Betracht, wenn dies aufgrund besonders niedriger Zinsen wirtschaftlich sinnvoll ist.
  • Um die Verwaltung schlank und die Personalausgaben auf einem moderaten Niveau zu halten, wird auf Arbeitsverdichtung gesetzt. Beispielsweise werden neue Stellen, die zu Beginn noch von externer Seite Förderung erhalten, nur eingerichtet, wenn auch mittel- bis langfristig ein positives Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen prognostiziert werden kann. So wird vermieden, dass die Stadt nach Ablauf der Förderfrist zweifelhafte Stellen kostenintensiv bezuschussen muss.
  • Die Verbesserung der Lebensqualität und die Attraktivität für junge Familien werden über Investitionen in Bildungs- und Stadtentwicklungsprojekte realisiert. In der Vergangenheit setzte die Stadtverwaltung maßgeblich auf eine Vielzahl kleiner Maßnahmen. Kostenintensive Prestigeprojekte werden nur durchgeführt, wenn der kommunale Anteil durch die finanzielle Partizipation ortsansässiger Bürger und Unternehmen gering gehalten werden kann.
  • Ein einmaliges Projekt stellte die Realisierung der Nord-Ost-Umgehungsstraße (Landesstraße) dar. Aufgrund der enormen Verkehrsbelastung, die das Zentrum Verls zunehmend unattraktiv machte, trat die Stadt Verl finanziell in Vorleistung und ermöglichte so dem Land NRW einen zeitnahen Baubeginn. Die Investitionssumme wird ab dem Jahr 2013 sukzessiv vom Land zurückerstattet.
  • Im Zuge der Stadtwerdung im Jahr 2010 hat Verl die Möglichkeit genutzt, ein eigenes Jugendamt einzurichten. Dies brachte der Stadt Verl zum einen den Vorteil, die Jugendhilfe selbst vor Ort steuern zu können. Zum anderen führt dies durch die Einsparung der Jugendhilfeumlage an den Kreis nach Abzug der eigenen Kosten zu jährlichen Einsparungen in Millionenhöhe.
  • Auf Grundlage des Dienstleistungsgedankens wurde konsequent eine neue Verwaltungskultur durchgesetzt. Die Verwaltung versteht sich als kommunaler Dienstleister im Sinne des Bürgers, die dessen Mittel treuhänderisch verwaltet. Dieses neue Leitbild spiegelt sich auch baulich in der Neugestaltung des Rathauses mit gläsernen Büros und transparenten Abläufen wider.
  • Auch die leistungsorientierte Bezahlung (LOB) dient der neuen Verwaltungskultur. Neben der monetären Mitarbeitermotivation besteht der zentrale Vorteil in den institutionalisierten Mitarbeitergesprächen, die durch Zielvereinbarungen fortlaufend zur Optimierung der Verwaltungssteuerung beitragen. Weiterhin können so wichtige Impulse erfasst und zusätzlich Einsparpotentiale aufgedeckt werden.

Erfolge:

  • Durch die vorrausschauende Haushaltsführung ist der Kernhaushalt der Stadt Verl weiterhin schuldenfrei. Dadurch können eine Vielzahl an freiwilligen Leistungen angeboten werden, wie zum Beispiel die mehrfach ausgezeichnete Bibliothek oder das Freibad. Verl kann sich weiterhin sehr niedrige Steuerhebesätze leisten und so eine wirtschafts- und vor allem bürgerfreundliche Politik führen.
  • Die Nord-Ost-Umgehungsstraße konnte Ende 2010 fertiggestellt werden. Bei einem ursprünglich geplanten Baubeginn im Jahre 2013 konnte der Stadtkern so um Jahre früher entlastet werden, was einen deutlichen Mehrwert für den Großteil der Bürger in Verl darstellt.
  • In der Stadtverwaltung hat sich eine neue Dienstleistungskultur etabliert. Das  restaurierte Rathaus wurde konsequent auf die Bedürfnisse der Bürger zugeschnitten. Zentrale Anlaufstelle für die Bürger ist der modern gestaltete Bürgerservice im Foyer des Rathauses. Das Serviceangebot wurde breit gefächert, um möglichst viele Anliegen zentral erledigen zu können. Vor allem die Ausweitung des Wochenendangebots wird von der Bevölkerung positiv aufgenommen.
  • Als Erfolgsfaktoren gelten in Verl zum einen die günstige finanzielle Ausgangslage aber auch langfristig stabile politische Verhältnisse und eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen politischer Führung und Verwaltungsführung.
  • In Planung befindet sich ein Leerrohrnetz zur Breitbandversorgung der gesamten Bevölkerung, welches später an Telekommunikationsunternehmen vermietet wird. Ohne Unterstützung der Kommune wäre die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet nicht wirtschaftlich und würde somit bis auf weiteres nicht realisiert.

Kontakt:

Mirjam Drüke

Telefon: 05246 - 96 11 03

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Weitere Informationen:

» Stadt Verl

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: April 2011

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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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