Bertelsmann Stiftung

Trier - Zukunftsmanagement einer Stadt

Städte, auch solche mit verhältnismäßig positiven Bevölkerungsentwicklungen und -vorausschätzungen sind aufgefordert, den demographischen Wandel aktiv und nachhaltig zu gestalten. Die Stadt Trier bedient sich seit den 1990er Jahren moderner Management-Methoden, um Visionen für die Stadt zu entwickeln und in konkrete Ziele und Leitprojekte umzusetzen.

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Rheinland-Pfalz, Trier

Bevölkerung (31.12.2009)

104.587

Entwicklung 2002-2009 (in %)

4,3

Entwicklung 2009-2030 (in %)

3,8

Räumliche Einordnung

Kernstädte_Verstädterte Räume

Demographietyp

Stabile Großstädte mit geringem Familienanteil

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Die Stadt Trier stellt als Oberzentrum für einen Einzugsbereich von über 500.000 Menschen zentrale öffentliche Infrastruktur- und Dienstleistungsangebote bereit. Um dies auch gewährleisten zu können, müssen frühzeitig entsprechende Weichenstellungen im Hinblick auf den demographischen Wandel erfolgen.
  • Dabei besitzen die Stadt und die Region Trier eine gute Ausgangsbasis um die Herausforderungen des demographischen Wandels proaktiv zu gestalten: beide verzeichneten in den vergangenen Jahren ein Bevölkerungswachstum. Außerdem strahlt die Wirtschaftskraft des Großherzogtums Luxemburg in die Region hinein.
  • Der 1999 vollzogene Abzug der französischen Streitkräfte und das damit verbundenen Freiwerden von über 600 ha vormals öffentlicher Nutzung entzogener Flächen, verursachten zunächst beträchtliche Probleme. In Trier erkannte man aber frühzeitig die große Chance für die künftige Entwicklung und Zukunftsfähigkeit der Stadt. Eingebunden in das Handlungskonzept „Trier Zukunft 2020“ ist seit mehr als zehn Jahren die Konversion militärischer Flächen ein fester Bestandteil der Stadtentwicklung in Trier.
  • Laut aktuellen Erhebungen des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik hat die Zahl der Betriebe und Institutionen auf Konversionsflächen stark zugenommen. Maßgeblicher Impulsgeber ist dabei der Wissenschaftspark, der durch eine rege Gründer- und Ansiedlungstätigkeit genau die erwartete Entwicklung genommen hat und derzeit zu einem Wissenschaftspark Trilux (Trier-Luxemburg) ausgebaut werden soll.

Ziel:

  • Das (demographisch) wichtigste Ziel des Zukunftskonzeptes „Zukunft Trier 2025“ der Stadt Trier lautet:
    • In Trier leben 120.000 Einwohner mit einer ausgewogenen Alters- und Erwerbsstruktur

Strategie:

  • Das Konzept „Zukunft Trier 2025“ ist ein gesamtstrategischer Ansatz, der die kurz- bis langfristige Entwicklung der Stadt mit Visionen, Leitbildern, konkretisierenden Zielen und konkreten Maßnahmen (im Sinne von Leitbildern) formuliert.
  • Die Stadt Trier verfolgt eine ganzheitliche Strategie, die die Entwicklung der Wirtschaft, des Arbeitsmarktes, des Sozialbereiches bis hin zu Umwelt umfasst. Es sind eindeutige Ziele definiert und entsprechende Verantwortlichkeiten (Zielmanager und Projektmanager) definiert.

Meilensteine:

  • Das Konzept „Zukunft Trier 2025“ enthält umzusetzende Leitprojekte
  • Umsetzung des Konzeptes „Zukunft Trier 2025“ in die Flächennutzungsplanung.
  • Umsetzung des Konzeptes „Zukunft Trier 2025“ in eine mittelfristige Investitionsprogramm.
  • Durchführung von Veranstaltungen zum demographischen Entwicklungsprozess innerhalb der Stadt, zwischen der Stadt und dem Umland sowie zwischen der Stadt Trier und dem Großherzogtum Luxemburg.

Akteure:

  • Politik
  • Verwaltung
  • Unternehmen
  • Bürger
  • Fachexperten

Umsetzung:

  • Die strategische Ausrichtung des Zukunftskonzeptes beinhaltet die strategische Zielsetzung, Menschen in der Stadt zu halten, als auch neue Einwohner von außen anzuziehen. Hierbei sind zentrale Handlungsfelder u. a.:
    • Wirtschaft und Arbeit
    • Wohnungsbau
    • Kooperation mit Luxemburg
  • Neben dem Ziel „In Trier leben im Jahre 2025 120.000 Menschen mit Erstwohnsitz in einer ausgewogenen Alters- und Erwerbsstruktur“ sind weitere Visionsbausteine definiert worden, die mit konkreten Zielen unterlegt werden.
  • Ein interessantes Instrument ist das so genannte Zukunftsmanagement. Zukunftsmanagement ist bisher vor allem ein Instrument von Unternehmen, die so versuchen vorausschauendes Denken und Handeln zu etablieren. Trier will von den Erfahrungen des privaten Sektors profitieren und formuliert die Methoden und Prozesse für ihren Zweck um. Im Fokus steht die Beantwortung der folgenden Kernfragen:
    • Welche Veränderungen des wirtschaftlichen, technologischen, politischen und soziokulturellen Umfeldes kommen in den nächsten Jahren auf unsere Stadt zu?
    • Welche Chancen stecken für uns in diesen Veränderungen?
    • Welche Risiken bringen diese Veränderungen für die Entwicklung unserer Stadt?
    • Wie kann und soll unsere Stadt in fünf, zehn und dreißig Jahren aussehen?
    • Was müssen die Führungsebenen unserer Stadt jetzt konkret dafür tun?
    • Welche Etappenziele müssen wir definieren und umsetzen?

Bürgerbeteiligung:

  • Die Stadt Trier hat seit 1998 bis heute für die 19 Stadtteile so genannte Bürgergutachten erstellt, in denen die Bürger in ihrem Stadtteil und damit in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld die zukünftige Entwicklung in eindeutigen Zielen definieren und entsprechende Leitprojekte vorschlagen. Diese Bürgergutachten wurden von der Verwaltung in so genannte Stadtteilrahmenpläne umgesetzt.
  • Mit dem Bürgerhaushalt hat die Stadt Trier einen weiteren Bereich der Bürgerbeteiligung geschaffen. Unter dem Motto „Bürgerhaushalt mitgestalten“ bietet die Stadt als erste Kommune in Rheinland-Pfalz ihren Einwohnern die Möglichkeit, vor der Verabschiedung des Haushalts durch den Stadtrat über Einnahmen und Ausgaben mitzubestimmen. Ziel ist es, das Haushaltsgeschehen transparenter zu machen und das Interesse an der Kommunalpolitik generell zu erhöhen. Der Bürgerhaushalt soll zu einem unverzichtbaren Bestandteil der politischen Kultur in der Stadt Trier werden.

Finanzierung:

  • Die Themenbereiche „Zukunft Trier 2020“ und „Bürgergutachten“ sind durch Verwaltung eigenfi­nanziert.

Erfolge:

  • Die Stadt Trier hat mit dem Konzept „Zukunft Trier 2020“ bereits 1995 die Grundlage für eine bis heute erfolgreiche und nachhaltige Stadtentwicklung geschaffen. Das Konzept, das die Verwaltung zusammen mit etwa 120 Institutionen und anderen öffentlichen Einrichtungen der Stadt erstellt hat, hat sich aufgrund seiner konzeptionellen Zielaussage und seinen eindeutigen Zielfestlegungen als hervorragende Handlungsgrundlage erwiesen, auf deren Basis inzwischen zahlreiche konkrete Maßnahmen verwirklicht werden konnten, darunter viele große und profilgebende Vorhaben, wie z. B. der Wissenschaftspark Trier, das Güterverkehrszentrum, Konversion u. a.
  • Mit der Konversion hat die Stadt einen Beitrag zu dem Hauptziel, der Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, erreicht. Das Oberzentrum Trier konnte so seinen Status als wichtiges Arbeitsplatzzentrum in der Region ausbauen. Die Stadt Trier hat bereits vor einigen Jahren ein Einzelhandelskonzept erarbeitet, dass zwischenzeitlich immer wieder aktualisiert wurde. Dadurch ist es möglich auf aktuelle Tendenzen und Entwicklungen sowohl im Bereich des Einzelhandels, als auch im Umland der Stadt Trier sowie im nahe gelegenen Luxemburg agieren zu können. Hinsichtlich der zu erwartenden demografischen Entwicklung bietet das Konzept ebenfalls eine wichtige Grundlage zur zukünftigen Planung der Nahversorgung der Bevölkerung. Hierbei spielt die Entwicklung stadtteilübergreifender Nahversorgungszentren eine wichtige Rolle.
  • Durch die erfolgreiche Konversion auf dem Gelände Petrisberg wurde ein maßgeblicher Beitrag zum Visionsbaustein „Trier ist eine Stadt mit hochwertiger Landschaftsqualität“ realisiert.
  • Auf dem Weg „einem hohen Anteil nachhaltig arbeitender zukunftsorientierter Betriebe“ zu schaffen, konnte mit der Einrichtung bzw. Umsetzung des Wissenschafts-Park Trier-Luxemburg nach erfolgreicher Machbarkeitsstudie ebenfalls eine bedeutende Maßnahme begonnen werden, um gezielt spezifisch ausgewählte Wachstumsbranchen mit einem grenzüberschreitenden Business Provider-Angebot in ihrer unternehmerischen Entwicklung zu fördern. Dieser Ansatz dient ebenfalls der Vernetzung regionaler Wirtschaftspotenziale und Kompetenzen und bildet ein Element zur Umsetzung der Vision eines gemeinsamen Kultur- und Wirtschaftsraums mit Luxemburg.
  • Die Stadt Trier setzt als Projektträgerin seit Anfang 2010 gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Trier das Modellprogramm Regionaler Beschäftigungsentwickler des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen um. Der Regionale Beschäftigungsentwickler konzentriert sich auf die beiden Leitbranchen Gesundheitswirtschaft und Logistik. In diesen Branchen identifiziert er gemeinsam mit den Unternehmen deren Beschäftigungs- und Qualifizierungspotenziale, eruiert fortlaufend deren Bedarf, initiiert Maßnahmen zur Deckung dieses Bedarfs und baut ein Netzwerk sowie ein Fachkräftemonitoring für die Logistik auf.

Kontakt:

Dr. Johannes Weinand

Telefon: 0651 - 71 81 129

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Weitere Informationen:

 

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Oktober 2010

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KONTAKT

Dr. Johannes Weinand

Stadt Trier

Amt für Stadtentwicklung und Statistik

Kaiserstr. 18

54224 Trier

Telefon: 0651 - 71 81 129

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