Bertelsmann Stiftung

Toronto – Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt (TRIEC: Toronto Region Immigrant Employment Council)

Demographie-Profil:

Land

Toronto, Provinz Ontario, Kanada

Bevölkerung (2006)

Stadt 2.503.281

 

Region (GTA) (2006) 5.555.912

Migrantenanteil Region Toronto (in %)

43,7

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Kanada hat nach Australien den höchsten Anteil an zugewanderter Bevölkerung weltweit. Jeder fünfte Kanadier ist ein Migrant, insgesamt hat Kanada einen Migrantenanteil von 18,5 %. Der Anteil sichtbarer Minderheiten wie aus China, Pakistan, Sri Lanka und anderen Staaten liegt inzwischen bei 73 % der neuen Einwanderer nach Kanada.
  • 45 % der Migranten im arbeitsfähigen Alter lassen sich im Großraum Toronto (GTA) nieder. Davon besitzen 78 % eine höhere Qualifikation, darunter 72 % mit Universitätsabschluss.
  • Auch wenn die meisten Migranten innerhalb der ersten sechs Monate in Toronto eine Anstellung finden, so arbeiten davon 55 % nicht in einer ihrer Ausbildung bzw. Berufserfahrung entsprechenden Position. Immer noch finden nur vier von zehn Immigranten innerhalb von vier Jahren nach ihrer Ankunft in Toronto eine ihrer Ausbildung und Berufserfahrung entsprechende Anstellung.
  • Dem entgegen steht ein aufgrund von Alterung der Bevölkerung und nachlassender Geburtenraten stark wachsender Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften in der Region Toronto.

Ziel:

  • Ziel des TRIEC – Toronto Region Immigrant Employment Council ist die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt der Region – entsprechend ihrer Qualifikation.
  • Durch gezielte Zusammenarbeit und Einbindung aller relevanter Akteure aus Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollen bestehende Hindernisse der Arbeitsmarktintegration abgebaut werden. Dazu bedarf es vor allem auch eines Mentalitätswandels innerhalb der etablierten Strukturen: Der Mehrwert einer der Qualifikation der Migranten entsprechenden schnellen Integration in den Arbeitsmarkt muss, auch unter wirtschaftlichen Aspekten, allen beteiligten Stakeholdern bewusster werden.

Strategie:

  • Die bessere Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt ist ein sehr komplexer Prozess. Die Lösung liegt in einer strategischen, gemeinsamen Anstrengung aller beteiligter Stakeholder aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.
  • In einem ersten Schritt müssen Migranten besseren Zugang zu Qualifizierungsmöglichkeiten wie Praktika, Mentoring oder auch Kommunikationstrainings erhalten. Auch hierbei ist ein Mentalitätswechsel notwendig, der die Qualifikationen und Arbeit von gut ausgebildeten Migranten als Mehrwert erkennt und nutzt.
  • Konkret bedeutet dies, dass Arbeitgeber Migranten besser in ihre Belegschaft integrieren, die Anerkennung ausländischer Bildungs- und Berufsabschlüsse durch öffentliche Stellen beschleunigt wird und die Öffentlichkeit die Notwendigkeit und den Nutzen einer schnellen Integration in den Arbeitsmarkt erkennt und unterstützt. Auf Seiten der Regierung gilt es dabei besonders die Rolle der kommunalen Ebene für die Integration von Migranten anzuerkennen.
  • Aus diesen Überlegungen heraus hat die Maytree Foundation in Toronto den TRIEC – Toronto Region Immigrant Employment Council mit ins Leben gerufen. In diesem arbeiten Vertreter sämtlicher Regierungsebenen, der Wirtschaft, von Bildungseinrichtungen, von Vereinen und Stiftungen sowie prominente Persönlichkeiten aus dem Großraum Toronto gemeinsam an dem Ziel der verbesserten und ihrer Qualifikation entsprechenden Integration gut ausgebildeter Migranten in den lokalen Arbeitsmarkt. 

Meilensteine:

  • 2002: Im Rahmen einer Zukunftskonferenz der Stadt Toronto » Toronto City Summit Alliance wurde die Arbeitsmarktintegration von Migranten als ein zentrales Thema identifiziert.
  • Daraus ging 2003 die Gründung des TRIEC – Toronto Region Immigrant Employment Council zusammen mit der Maytree Foundation hervor.
  • 2005: Beginn neuer Partnerprojekte, unter anderem der Öffentlichkeitskampagne hireimmigrants.ca. Zahlreiche neue Akteure aus Staat und Wirtschaft schließen sich der TRIEC-Initiative an.
  • Drei bedeutende staatliche Abkommen zwischen der Regierung Kanadas und der Provinz Ontario wurden im Rahmen von TRIEC im Jahre 2005 abgeschlossen: das Kanada-Ontario-Immigrations-Abkommen, das Kanada- Ontario-Arbeitsmarkt-Partnerschaftsabkommen (LMPA) sowie das Kanada- Ontario-Abkommen zur weiteren Entwicklung des Arbeitsmarkts.

Akteure:

  • TRIEC Intergovernmental Relations Committee (IGR), bestehend aus Vertretern der Stadt Toronto sowie weiteren Kommunen der Region Greater Toronto, sowie Ministerien der Provinz Ontario und der kanadischen Regierung
  • Wirtschaftsunternehmen aller Größen aus dem Großraum Toronto und darüber hinaus
  • Maytree Foundation
  • Career Bridge (gemeinnützige Organisation zur Vermittlung von Praktika)
  • Akteure der kommunalen Ebene und NGOs

Umsetzung:

  • Die konkrete Umsetzung der Ziele des TRIEC, der verbesserten Arbeitsmarktintegration qualifizierter Migranten in der Region Toronto, erfolgt konkret in drei Projekten. Daneben profitiert TRIEC von einer breiten Unterstützung verschiedener Partner aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, die sich öffentlich für dieses Ziel stark machen und den Mentalitätswandel im Rahmen ihres Einflussbereiches beschleunigen.
  • Career Bridge (Karrierebrücke): Bei diesem Programm sollen Migranten durch ein bezahltes Praktikum einen Zugang zum lokalen Arbeitsmarkt erhalten. Das Programm wird durchgeführt von der gemeinnützigen Organisation Career Edge und größtenteils von der Regierung Ontarios finanziell unterstützt. Vor allem profitiert es jedoch von einer breiten Unterstützung der Unternehmen in der Region Toronto, die Teilnehmer aus dem Programm beschäftigen. Vor einer Teilnahme am Programm müssen die Migranten ihre Englischkenntnisse, Bildungsabschlüsse und Berufserfahrung nachweisen. Durch dieses „Screening“ können die Unternehmen sicher sein, qualifiziertes Personal rekrutieren zu können.
  • The Mentoring Partnership (Mentorenprogramm): Qualifizierten Migranten fehlt es nach ihrer Ankunft vor allem an Kenntnissen des lokalen Arbeitsmarktes und einem Netzwerk, beides notwendige Grundlagen für das Finden eines Arbeitsplatzes. Im Rahmen von Mentoring Partnership haben sich mehr als 35 Akteure aus Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft zusammengeschlossen, um Migranten Mentoren an die Seite zu stellen. Arbeitgeber motivieren ihre Mitarbeiter, als Mentoren aktiv zu werden, und sehen darin auch einen Mehrwert für deren berufliche Weiterentwicklung. Migranten finden durch das Programm ein Netzwerk und können Kontakte aufbauen, die bei der Suche nach einer Arbeitsstelle oft entscheidend sind. Im Jahr 2005 bewarben sich 548 Migranten für das Programm, 543 von ihnen fanden einen Mentor.
  • Hireimmigrants.ca: Das Programm unterstützt Arbeitgeber interaktiv durch Schulungen, Informationen und Kontaktforen, um deren Bemühungen zur Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. So werden wöchentlich in einem Newsletter neue Ideen und Vorschläge zur verbesserten Integration qualifizierter Migranten am Arbeitsplatz an die Arbeitgeber verschickt, auf der Website bestehen Diskussionsforen zu acht verschiedenen Hauptthemen. Darüber hinaus werden Seminare angeboten. Im Rahmen der Seminare werden unter anderem Best Practices aus Unternehmen der Region vorgestellt. Dies geschieht öffentlich im Rahmen des neu ausgelobten Immigrant Success Award, der jährlich vergeben wird und gute Beispiele in der Öffentlichkeit darstellt. Das Programm wird durch staatliche Stellen und Privatunternehmen finanziert und gefördert.

Bürgerbeteiligung:

  • Sämtliche Projekte basieren auch auf einer starken Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements. So konnten zahlreiche prominente Vertreter aus Wirtschaft und Politik als Botschafter und Unterstützer gewonnen werden. Ebenso arbeiten die Mentoren und andere Mitwirkende bei den Programmen auf ehrenamtlicher Basis.

Finanzierung:

  • Im Jahr 2005 verfügte TRIEC über ein Gesamtbudget von 882.170 CAN $ (ca. 580.000 €). Davon stellte die Maytree Foundation 223.489 CAN $, der Rest wurde von staatlichen Stellen, anderen Stiftungen und Privatunternehmen zur Verfügung gestellt.
  • Die im Rahmen des TRIEC Intergovernmental Relations Committee (IGR) getroffenen Vereinbarungen zwischen der Zentralregierung Kanadas und der Provinz Ontario beschlossen Fördermaßnahmen in Milliardenhöhe.

Erfolge:

  • Seit seiner Gründung im Jahre 2003 konnten TRIEC und seine Partnerprogramme bis Mitte 2006 folgende Erfolge verbuchen:
  • Mehr als 340 Migranten konnten im Rahmen des „Career Bridge“-Programms weiterführende Praktika bei mehr als 130 Arbeitgebern in der Region Toronto aufnehmen; mehr als 85 % der Teilnehmer fanden hierdurch eine ihrer Qualifikation entsprechende Festanstellung.
  • Mehr als 1.000 Migranten wurden durch Mentoren auf den Arbeitsmarkt vorbereitet und gecoacht. Von jenen, die das viermonatige Programm abschlossen, fanden mehr als 70 % eine Festanstellung.
  • Mehr als 100 Unternehmen konnten zur Teilnahme am Programm gewonnen werden, wodurch nicht nur ihr Verständnis für die besonderen Probleme der Integration von qualifizierten Migranten verändert wurde, sondern sie sich inzwischen als aktiven Teil der Lösungsfindung verstehen.

Kontakt:

Ratna Omidvar
Geschäftsführerin

Telefon: 001 – 416 – 94 42 627

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Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Januar 2007

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