Bertelsmann Stiftung

Solingen – Beteiligung von Migranten als institutionalisierte Selbstverständlichkeit

Demographie-Profil:

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Verwaltungseinheit

Mittelstadt

Bevölkerung (31.12.2009)

160.992

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-2,3

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-6,7

Ausländeranteil (in %)

13,2

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Solingens Bevölkerung ist im letzten Jahrzehnt kontinuierlich gesunken, langfristig wird ein Rückgang um 4,2 Prozent erwartet.
  • Der Anteil der ausländischen Einwohner an der Solinger Bevölkerung beträgt 13,9 Prozent, der Anteil der Zugewanderten ist aber weit höher: Unter der Berücksichtigung von Aussiedlern und Eingebürgerten liegt die Quote bei mehr als 20 Prozent. In der Altersgruppe der unter Dreijährigen haben 41 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund.
  • Der Großteil der Migranten ist gut integriert, allerdings ist diese Bevölkerungsgruppe stärker von Benachteiligungen betroffen, die sich auf Gesundheit, Lebensqualität und Zukunftschancen auswirken.
  • Der Brandanschlag 1993 auf eine türkische Familie beeinflusste das Stadtklima nachhaltig. In der Folge kam es zu verstärkten Bemühungen um ein friedliches Zusammenleben von Deutschen und Ausländern.
  • Ein besonderer Schwerpunkt liegt in Solingen auf der aktiven Einbeziehung der Migranten in das soziale und politische Stadtleben.

Ziel:

  • Förderung der gleichberechtigten Teilhabe aller Solingerinnen und Solinger am städtischen Leben.

Strategie:

  • Durch die Förderung von Beteiligungsprozessen verfolgt Solingen eine Doppelstrategie: Die zugewanderte Bevölkerung soll zur aktiven gesellschaftlichen Teilhabe ermutigt und ermächtigt werden. Des Weiteren sollen insbesondere deutsche Jugendliche durch Maßnahmen erreicht werden, um einer Ablehnung von Fremden entgegenzuwirken.
  • Die Menschen sollen direkt und falls nötig in ihrer Muttersprache angesprochen und zur Mitarbeit im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements ermutigt werden.

Meilensteine:

  • Aktive Mitarbeit von Selbstorganisationen am Interkulturellen Gesamtkonzept der Stadt, das 2001 verabschiedet wurde. Vertreter des Zuwanderer- und Integrationsrates entwickeln als Mitglieder der Umsetzungsgruppe das Integrationskonzept zusammen mit der Verwaltung weiter.
  • Gründung des Jugendstadtrats im Jahre 1997. Durch ihn soll die Beteiligung Jugendlicher am politischen Prozess gesteigert werden. 40 Prozent der gewählten Mitglieder besitzen einen Migrationshintergrund.
  • 5. November 2005: Solinger Integrationsbörse unter dem Motto „Mitgestaltung, Mitbestimmung und Mitverantwortung“ um einer breiteren Öffentlichkeit die Integrationsarbeit in der Stadt vorzustellen.

Akteure:

  • Ausländerbeauftragte der Stadt
  • Zuwanderer- und Integrationsrat
  • Ausländer- und Integrationsbüro
  • RAA
  • Migrantenselbstorganisationen
  • Bürgervereine
  • Wohlfahrtsverbände
  • Verwaltung
  • Jugendstadtrat

Umsetzung:

  • Eine Umfrage zum Thema Bürgerbeteiligung zeigte die hohe Bereitschaft der ausländischen Bevölkerung, sich an Aktivitäten auf Stadtteilebene zu beteiligen. Um alle Gruppen zu erreichen, wurden für die Umfrage binationale Interviewer und muttersprachliches Informationsmaterial eingesetzt.
  • Gezielte Ansprache von Bürgern auf Stadtteilebene in Quartieren, in denen sich Bürgervereine zu gemeinsamen Maßnahmen gebildet haben. Die Informationen werden auch in den Muttersprachen der jeweiligen Gruppen zur Verfügung gestellt.
  • Es bestehet Unterstützung durch den mobilen Übersetzungsdienst, falls es im Rahmen der Projektarbeit Sprachbarrieren zu überwinden gibt. Ein Pool von ca. 40 ausländischen Fachkräften steht dem Dienst zur Verfügung.
  • Neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Übersetzungsdiensts werden auch andere Bürger als Lotsen bzw. Brückenbauer gefördert und erhalten z. B. eine Multiplikatorenausbildung.
  • Die Vereine erhalten durch die Stadt nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vor allem Beratung. So berät der Zuwanderer- und Integrationsrat Vereine bei der Organisation von Projekten und veranstaltet Informations- und Austauschtreffen.
  • Der Jugendstadtrat als Interessenvertretung pflegt gute Kontakte zu den Fraktionen, zum Teil werden gemeinsame Aktionen durchgeführt. Vor allem jedoch mischt sich der Jugendstadtrat durch zahlreiche Projekte und Aktivitäten direkt und erfolgreich in die Kommunalpolitik ein und kann sie beeinflussen. Die Bereitschaft der Jugendlichen, sich politisch zu engagieren, zeigt sich auch in einer hohen Wahlbeteiligung bei den Wahlen zum Jugendstadtrat. » www.jugendstadtrat.de
  • Der erste Nachhaltigkeitsbericht der Stadt wurde gemeinsam mit Vereinen und Verbänden entwickelt.
  • Jährlich wird von ca. 60-80 entwicklungspolitischen und ausländischen Vereinen ein internationales Kultur- und Umweltfest „Leben braucht Vielfalt“ vorbereitet und gestaltet. Das Fest unterstützt die Netzwerkarbeit und Kontaktbildung zwischen den verschiedenen Vereinen.
  • Ein übersichtliches, klares und leicht auffindbares Internetangebot der Stadt (» www.zuwanderer.solingen.de) informiert interessierte Bürger über Möglichkeiten des Engagements.

Bürgerbeteiligung:

  • Kontakt und Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen und Verbänden
  • Beim Quartiersmanagement in der Innenstadt, aber auch bei den Runden Tischen oder bei Stadtentwicklungskonzepten werden Bürger in die Entwicklung von Maßnahmen und Lösungen mit einbezogen.

Finanzierung:

  • Seit 2005 erhält die Stadt Solingen Fördermittel für die strategische Weiterentwicklung der Integrationsarbeit aus dem Programm des Ministeriums für Generationen, Familien, Frauen und Integration des Landes NRW „Komm in-NRW – Innovation in der kommunalen Integrationsarbeit – eine Förderung durch das Land NRW“.

Erfolge:

  • Hohe Bereitschaft von Migrantinnen und Migranten zur Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben im Rahmen der Mitarbeit in Vereinen und Stadtteilinitiativen.
  • Der Veranstaltungskalender wird von Vereinen und Gruppen gemeinsam aufeinander abgestimmt.
  • Die große Nachfrage nach Sprachkursen kann durch ein breites Angebot befriedigt werden. Viele Teilnehmer legen erfolgreiche Abschlüsse ab.

Kontakt:

Anne Wehkamp

Telefon: 0212 - 29 02 225

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Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: September 2006

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KONTAKT

Anne Wehkamp
Ausländerbeauftragte

Stadt Solingen

Schlagbaumer Str. 126

42653 Solingen

Telefon: 0212 - 29 02 225

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