Bertelsmann Stiftung

Schwalm-Eder-West - Interkommunaler Schulterschluss gegen den Bevölkerungsschwund

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Hessen, Schwalm-Eder-Kreis

Bevölkerung (31.12.2009)

183.714

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-4,8

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-13,2

Räumliche Einordnung

Verstädterte Räume - Ländlicher Kreis

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Seit 1997 geht die Einwohnerzahl in den nordhessischen Kommunen Bad Zwesten, Jesberg, Neuental, Wabern und Borken (Hessen) zurück.
  • Ursache ist neben dem Rückgang der Geburtenzahlen der Wegzug der jungen Bevölkerungsgruppen mit Beginn des Erwerbslebens. Ein intensiver Strukturwandel ist seit den 1990er Jahren mit dem Ende des Braunkohlebergbaus und der Schließung des Kraftwerks in Borken zu verzeichnen. Der dadurch entstandene Verlust von mehr als 2.000 Arbeitsplätzen führte zur Veränderung des Arbeitsplatzangebotes in der Region bis hin zu den Sektoren Logistik und Recyclingwirtschaft.
  • Prognosen zufolge wird die Bevölkerung zwischen 2002 und 2020 im gesamten Kreisgebiet um 5,5 Prozent abnehmen (Prognose des FEH). Neue Prognosen von EMPIRICA (Bonn) aus dem Jahr 2004 rechnen mit einem Bevölkerungsrückgang von etwa 16 Prozent für den Raum Schwalm-Eder-West.
  • Die Kommunen müssen in der Bevölkerungspolitik aktiv werden.

Ziel:

  • Die Region Schwalm-Eder-West soll sich als ein attraktiver Standort profilieren, um so weitere Abwanderung zu verhindern und Arbeitsplätze zu erhalten bzw. neue zu schaffen. Parallel dazu sind Anpassungen der kommunalen Infrastruktur an die Veränderungen vorzubereiten.

Strategie:

  • Die Kommunen Bad Zwesten, Jesberg, Neuental, Wabern und Borken (Hessen) haben sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen. So können sie Synergieeffekte nutzen und unnötige interkommunale Konkurrenzen vermeiden.

Meilensteine:

  • Borken-Plan (1990): Stadt Borken (Hessen) entwickelt ein neues Leitbild, das den Strukturwandel (Ende der Braunkohleförderung) einleitet.
  • 2001–2003: Vision 2030 Schwalm-Eder-West – Gemeinsames Handlungskonzept der fünf Kommunen.
  • Oktober 2003: Gründung des Zweckverbandes „Interkommunale Zusammenarbeit Schwalm-Eder-West“.
  • September 2003: Gründung des Fördervereins „Schwalm-Eder-West e. V.“.
  • April 2004- Oktober 2007: Durchführung des ExWoSt-Forschungsprogramms Stadtumbau West des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Akteure:

  • Gemeinden Bad Zwesten, Jesberg, Neuental und Wabern sowie die Stadt Borken (Hessen) (Zweckverbandsvorstand = Bürgermeister, Zweckverbandsversammlung = politische Vertreter der Kommunen) und Mitarbeiter der Verwaltungen als Geschäftsführung
  • Schwalm-Eder-Kreis
  • Förderverein „Schwalm-Eder-West“ e. V.
  • Bürgerinnen und Bürger
  • verschiedene externe Forschungsinstitute

Umsetzung:

  • Die gemeinsame Teilnahme an dem Projekt „Stadt 2030“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist der Startschuss zur interkommunalen Zusammenarbeit. In einem dialogorientierten Prozess, in dem auch die Bürger eine tragende Rolle spielen, werden zunächst Stärken und Schwächen von Schwalm-Eder-West analysiert, Szenarien entwickelt und darauf aufbauend die „Vision 2030“ entworfen.
  • Durch das mit der „Vision 2030“ entstandene Leitbild wird die Gründung des Zweckverbands auf die Realisierungsebene gebracht. Die Organe des Zweckverbandes sind Verbandsvorstand und Verbandsversammlung. Die Geschäftsstelle ist im Rathaus der Stadt Borken (Hessen) angesiedelt.
  • Erklärte Hauptziele der Kooperation sind die Bindung der Bevölkerung an die Region, der Erhalt und die Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und der Ausbau bzw. die Stärkung der Bereiche Freizeit, Tourismus und Gesundheit.
  • Zurzeit arbeitet der Zweckverband an folgenden Projekten:
    • Anpassung der Infrastruktur an den demographischen Wandel (Schwerpunkte: ÖPNV, Dorfgemeinschaftshäuser) sowie die Entwicklung neuer Infrastrukturangebote im Bereich Tourismus.
    • Gemeinsames Boden- und Immobilienmanagement zur Revitalisierung von leer stehenden Gebäuden bis hin zu Stadtumbaumaßnahmen in den Kommunen.
    • Zusammenarbeit der kommunalen Verwaltungen (z. B. im Kassen-, Finanz- und Steuerwesen, in der Personalverwaltung, Beschaffung, Arbeit der Bauhöfe, Kindertagesstätten, Feuerwehren etc.).
    • Interkommunales Gewerbegebiet und interkommunales Gründerzentrum.
  • Im Zuge des Forschungsvorhabens „Stadtumbau West“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung haben sich die Kommunen insbesondere um die Problemfelder Infrastrukturanpassung und Boden- und Immobilienmanagement gekümmert.

Bürgerbeteiligung:

  • Der gesamte Prozess bindet die Bürgerinnen und Bürger mit ein.
  • Ihr besonderes Interesse stellen die Bürger durch die Gründung des "Fördervereins Schwalm-Eder-West e. V.“ unter Beweis. Die Bürger wollen in diesem Förderverein die Weiterentwicklung und die Umsetzung der interkommunalen Zusammenarbeit fördern. Daneben initiieren sie auch eigene Projekte.

Finanzierung:

  • Die Finanzierung der Zweckverbandsaufgaben erfolgt anteilig durch die Mitgliedskommunen in Anlehnung an die Einwohnerzahlen.
  • Für die Verwaltungszusammenarbeit steht ein einmaliger Zuschuss des Hessischen Innenministeriums (Wettbewerb 2004) in Höhe von 75.000 Euro zur Verfügung.
  • Die Maßnahmen im Rahmen von „Stadtumbau West“ werden zu 40 Prozent vom Bund, zu 40 Prozent vom Land Hessen und zu 20 Prozent als Eigenanteil der Zweckverbandskommunen finanziert.

Erfolge:

  • Der Zweckverband Schwalm-Eder-West ist etwas Besonderes, denn eine interkommunale Zusammenarbeit wird oftmals zwischen Kernstädten und ihren Umlandgemeinden bzw. zwischen Kommunen mit einer ähnlichen Struktur vereinbart. Im Falle Schwalm-Eder-West trifft beides nicht zu. Die einzelnen Gemeinden sind sehr unterschiedlich im Hinblick auf ihre Wirtschaftsstruktur. Das Spektrum reicht dabei von der Bau- und Recyclingwirtschaft über die Gesundheitsbranche bis zur Landwirtschaft.
  • Der Zweckverband lebt von Gleichberechtigung. Dabei ist die überschaubare Größe der Mitgliedsgemeinden ein klarer Vorteil: Hier sind Angelegenheiten des Zweckverbands „Chefsache“, d. h. der Ansprechpartner vor Ort ist der jeweilige Bürgermeister bzw. der Landrat.

Kontakt:

Jürgen Meyer

Telefon: 05682 - 80 81 02

› Mail

 

Weitere Informationen:

  • » Schwalm-Eder-West
  • Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Demographie konkret – Handlungsansätze für die kommunale Praxis, Gütersloh 2004, S. 44-49
  • Hahne, Ulf, Lorenz Blume, Holger Brörkens: Vision 2030 Schwalm-Eder-West - Zwischenbericht I, Kassel: 2002
  • Hahne, Ulf, Holger Brörkens, Lorenz Blume: Vision Schwalm-Eder-West - Zwischenbericht II, Kassel: 2003
  • Zweckverband Schwalm-Eder-WestVision 2030 Schwalm-Eder-West, Band 2: Grundlagen der Zukunftsentwicklung, (FEH Report Nr. 662)
  • Zweckverband Schwalm-Eder-West Vision 2030 Schwalm-Eder-West, Band 1: Entwicklungskonzept Schwalm-Eder-West, Handlungsleitfaden (FEH Report. Nr. 661)
  • Zweckverband Schwalm-Eder-West: Masterplan, Borken (Hessen 2006)
  • Zweckverband Schwalm-Eder-Wes: Stadtumbau West Abschlussbericht, unveröffentlicht, Borken (Hessen) 2007
  • Schwalm-Eder-West bei » „Stadtumbau West"

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: November 2007

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KONTAKT

Jürgen Meyer

Zweckverband Interkommunale Zusammenarbeit Schwalm-Eder-West

Am Rathaus 7

34582 Borken (Hessen)

Telefon: 05682 - 80 81 02

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