Bertelsmann Stiftung

Rüsselsheim – Ältere Migranten im Stadtteilleben

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Hessen, Groß-Gerau

Bevölkerung (31.12.2009)

59.847

Entwicklung 2002-2009 (in %)

0,3

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-0,7

Ausländeranteil (31.12.2005) (in %)

23,2

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume – Hochverdichtete Kreise

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Die Zahl der in Deutschland lebenden Migranten im Alter von 60 Jahren und älter wird bis zum Jahr 2030 kontinuierlich auf rund 2,8 Millionen wachsen.
  • Von den Menschen ohne deutschen Pass im Rüsselsheimer Stadtteil „Dicker Busch II“ sind 17,5% 55 Jahre und älter. Hierbei sind nicht die Menschen berücksichtigt, die aufgrund ihrer Einbürgerung bzw. ihres Status „Aussiedler“ über einen deutschen Pass verfügen, jedoch über Migrationserfahrung verfügen.
  • Ein Blick in die Zukunft eröffnet, dass aufgrund des konstatierten demographischen Wandels die Zahl älterer Menschen mit Migrationserfahrung bzw. -hintergrund im Stadtteil weiter steigen wird. Die Gruppe der Menschen ohne deutschen Pass in einem Alter von 25 bis 34 Jahren ist zur Zeit im Dicken Busch II größer, als die gleichaltrige Gruppe der Menschen mit deutschem Pass – wobei eingebürgerte Menschen bzw. von Migranten in Deutschland geborene Kinder sowie Aussiedler und Spätaussiedler zu der Gruppe der Menschen mit deutschem Pass gezählt werden.
  • Die heute in Rüsselsheim lebenden älteren Menschen mit Migrationserfahrung waren u. a. im Rahmen der in den 1950er und 60er Jahre stattgefundenen Anwerbephase bei Opel angestellt. Sie blieben trotz der Annahme einer Rückkehr in ihr jeweiliges Herkunftsland in Deutschland und beziehen mittlerweile zum größten Teil Rente. Trotz der heterogenen Gruppe älterer Menschen mit Migrationserfahrung bestehen für viele dieser Menschen folgende Probleme:
    • Sie sind dem Risiko der Armut ausgesetzt.
    • Sie haben oft gesundheitliche Probleme.
    • Die Wohnsituation ist im Durchschnitt schlechter als bei der deutschen Bevölkerung gleichen Alters.
    • Gerade im Rhein-Main-Gebiet besteht oft eine Kluft zwischen geringen Einkünften und hohem Mietniveau.
    • Sie haben sich an ihrem Wohnort Deutschland noch nicht tiefgehend emotional verortet, da sie häufig den Gedanken einer Re-Migration in sich tragen.
    • Mit Beginn der Rente brechen häufig die Kontakte zu deutschen Kollegen ab, wodurch sich der Bekanntenkreis im Wesentlichen auf Landsleute beschränkt.
  • Existierende Angebote für Migranten sind sehr stark auf junge Migranten und junge Menschen mit Migrationshintergund, sowie auf Neuzuwanderer ausgerichtet, wobei der Fokus hierbei häufig auf eine Sprachförderung sowie berufliche Orientierung ausgerichtet ist. Aufgrund dessen besteht ein Defizit an Angeboten, die sich vornehmlich an ältere Menschen mit Migrationserfahrung richten. Hinzu kommt, dass bestehende soziale Angebote nur eingeschränkt von Seiten älterer Migranten genutzt werden.
  • Die Idee des Projekts wurde in einer gemeinsamen Sitzung des Ausländerbeirats der Stadt Rüsselsheim sowie der Stadtteilwerkstatt entworfen. Mitglieder des Ausländerbeirats berichteten dabei von der besonderen Situation älterer Migranten und dass sie in den Angeboten der offenen Altenhilfe unterrepräsentiert sind. Dieser Anstoß führte dazu, dass die Stadtteilwerkstatt ein Projekt initiierte und entsprechende Anträge stellte.

Ziel:

  • Die übergeordneten Zielsetzungen bestehen in der Erschließung der Migrationsbiografien älterer Migranten. Über die Auseinandersetzung mit diesen Biographien soll einerseits das Projektteam befähigt werden, Rüsselsheimer Institutionen bei ihrer interkulturellen Öffnung zu begleiten, andererseits sollen Migrationserfahrungen öffentlich zugänglich gemacht sowie die Datenlage zu älteren Migranten in Deutschland ergänzt werden.
  • Ältere Migranten sollen durch ihre Aktivierung öffentlich wahrnehmbar werden.
  • Es entstehen Angebote, die sich an die gesamte Bevölkerung des Stadtteils richtet.
  • Darüber hinaus sollen folgende Zielsetzungen umgesetzt werden:
    • Es wird eine Aktivierung älterer Migranten angestrebt. Sie sollen angeregt werden, soziale sowie freizeitorientierte Angebote innerhalb des Stadtteils durchzuführen. Konkret könnten dies zum Beispiel Angebote in Schulen sein, bei denen ältere Migranten über ihre Migrationserfahrung berichten oder in Kitas Märchen aus ihrer Heimat vorlesen. Wichtig dabei ist, dass die Menschen selbst auf Ideen kommen – wobei die Arbeit der Stadtteilwerkstatt darin besteht, Hilfestellungen bei der Umsetzung der Ideen zu bieten. So können z. B. Know-how vermittelt oder Räume zur Verfügung gestellt werden.
    • Während der Projektarbeit sollen die älteren Migranten darüber informiert werden, welche Angebote der (offenen) Altenhilfe bereits in Rüsselsheim existieren.
    • Die in Rüsselsheim bestehenden Strukturen der (offenen) Altenhilfe sollen interkulturell geöffnet werden.

Umsetzung:

  • Das Projekt findet von Juli 2007 bis Juli 2010 im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ statt.
  • Nach der mittlerweile abgeschlossenen Konzeptionierungsphase, während der das Thema theoretisch von Seiten der Projektmitarbeitenden erarbeitet wurde, fand die Projektkonzeption statt.
  • Zurzeit (16.01.2008) erfolgt eine Beziehungsarbeit zu älteren Migranten. Durch persönlichen Kontakt oder über sog. Mittler und Institutionen werden Beziehungen zu älteren Migranten im Stadtteil aufgebaut.
  • Der darauf folgende Schritt besteht in einer systematischen Befragung älterer Migranten mit Hilfe qualitativer Interviews sowie in der Informationsvermittlung über bereits in Rüsselsheim bestehenden Angeboten der (offenen) Altenhilfe.
  • Abschließende Schritte der Projektarbeit bestehen in der Aktivierung älterer Migranten für Angebote sowie einer Hilfestellung bei der Umsetzung der gewünschten Angebote.
  • Während des gesamten Projekts werden Kooperationen zu Rüsselsheimer Institutionen bestehen, um eine gute Informationsarbeit leisten zu können und eine interkulturelle Öffnung zu begleiten.
  • Das Projekt wird im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ finanziert. Durch die Gelder, die zu je einem Drittel durch den Bund, das Land Hessen und die Stadt Rüsselsheim finanziert werden, können zwei 3/4-Stellen für die Projektarbeit und 1/2-Stelle für die Verwaltung bereitgestellt werden.
  • Projektträger ist die Neue Wohnraumhilfe gGmbH in Darmstadt, durchgeführt wird das Projekt durch die Stadtteilwerkstatt Dicker Busch in Rüsselsheim.
  • Folgende Maßnahmen wurden bisher umgesetzt:
    • 01.07.2007 bis Ende 2007: Theoretische Aneignung der Themen Gastarbeiter, aktivierende Befragung, Bedürfnisse, Biografiearbeit etc.; Erstellung Projektkonzeption; Ermittlung bestehender (offener) Altenhilfe-Strukturen
    • Es wurden Kontakte zu älteren Migranten sowie Mittlern aufgebaut.
    • Kontakte zwischen der Stadtteilwerkstatt und dem Ausländerbeirat, der Leitstelle „Älter werden“, den Rüsselsheimer Moscheen etc. wurden gepflegt und ausgebaut.
    • Der Migrationskoffer Nr. 5 des Forums für eine kultursensible Altenhilfe wurde entliehen.
  • Nächste geplante Schritte:
    • Ende 2007 bis Ende 2008: Kontakte zu älteren Migranten, Mittlern, Kooperationspartnern aufbauen; Aktivierende Befragungen und Informationsveranstaltungen durchführen
    • Mitte 2008 bis Ende 2008: Auswertung der empirischen Daten (Migrationsbiografien und Wünsche)
    • Anfang 2009 bis Mitte 2009: Planung der weiteren Vorgehensweise auf Grundlage der Bedürfnisse und Wünsche älterer Migranten
    • Anfang 2009 bis Mitte 2010: Begleitung der Umsetzung von Angeboten durch ältere Migranten
    • Anfang 2010 bis Mitte 2010: Evaluation des Projekts; Erstellung eines Abschlussberichts

Erfolge:

  • Konzeptionierung des Projekts
  • Kontaktaufbau zu älteren Migranten
  • Die Vernetzung aller wichtigen Akteure

Kontakt:

Mathias Fuchs 

Telefon: 06142 - 94 22 10

› Mail

 

Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Januar 2008

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KONTAKT

Mathias Fuchs
Projekt "Ältere MigrantInnen im Stadtteil-Leben"

Stadtteilwerkstatt Dicker Busch

Hessenring 84a

65428 Rüsselsheim

Telefon: 06142 - 94 22 10

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