Bertelsmann Stiftung

Rheine - offene Moscheen gegen Vorurteile

Demographie-Profil:

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Bevölkerung (31.12.2009)

76.529

Entwicklung 2002-2009 (in %)

0,6

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-3,2

Ausländeranteil (in %)

7,0

Räumliche Einordnung

Verstädterte Räume – Verdichtete Kreise

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Als nahe zu den Niederlanden gelegene Stadt und als ehemaliger Standort der Textilindustrie ist Rheine schon seit der Industrialisierung Ziel von Zuwanderern.
  • Seit 1990 hat die Stadt ca. 5500 Aussiedler aufgenommen, zusätzlich zogen viele Russlanddeutsche aus anderen Kommunen in die Stadt. Die größten ausländischen Gruppen sind Türken, Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Portugiesen.
  • Die Stadt hat sich in den letzten Jahren aktiv um die Integrationspolitik gekümmert. So wurde 2003 (Fortschreibung 2007) ein Migrations- und Integrationskonzept mit klaren Zielen, Handlungsfeldern und Prioritäten durch den Stadtrat verabschiedet.

Ziel:

  • Etablierung eines interkulturellen Dialogs und demzufolge eines Abbaus von Vorurteilen und Ängsten auf beiden Seiten.

Strategie:

  • Die Stadt ermunterte und unterstützte die muslimischen Gemeinden Rheines, die beiden Moscheen für alle Bürger zu öffnen und in direkten Dialog mit der Bevölkerung und den anderen Glaubensgemeinschaften zu treten.

Akteure:

  • Migrationsbeauftragter
  • Integrationsrat
  • Kommunale Fachstelle für Migrations- und Integrationsberatung
  • Muslimische, evangelische und katholische Gemeinden Rheines

Umsetzung:

  • In der Stadt existieren zwei Moscheen, die Heimat besonders für Muslime türkischer, arabischer und jugoslawischer Herkunft sind. Die Stadt trat mit beiden Gemeinden in einen direkten Dialog, stellte den gegenseitigen Kontakt her und ermunterte sie, ihre Gotteshäuser für alle Bürger der Stadt zu öffnen. Die Idee wurde mit großem Interesse aufgenommen.
  • In der Folge haben Gruppen aus allen gesellschaftlichen Bereichen die Moscheen besucht und konnten auch deren religiösen Zeremonien kennen lernen.
  • Im Gegenzug haben die evangelischen und katholischen Gemeinden islamische Gruppen zu ihren Gemeindefesten eingeladen. Zu bestimmten Anlässen werden auch gemeinsam mit dem Imam interreligiöse Gottesdienste durchgeführt.
  • In zahlreichen weiteren Schritten wird auf verschiedenen Ebenen gegenseitiges Vertrauen aufgebaut:
    • Herstellen von Kontakten zur Polizeiinspektion, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Moschee liegt, Einführen von jährlichen „Neujahrsempfängen“
    • Begehen islamischer Feiertage in Projektkindergärten
    • Gemeinsame Organisation und Durchführung eines christlich-islamischen Friedensgebets
    • Imame werden bei Amtsantritt durch die Bürgermeisterin empfangen. Dadurch soll das Amt des Imams in seiner gesellschaftlichen Relevanz gewürdigt werden.
    • Imam ist an besonderen Schulgottesdiensten (Entlassfeiern, Jubiläen) beteiligt.
    • Imam und Dechant sind Mitglied im Netzwerk Migration.
    • „Freitagspredigt“ liegt in deutscher Sprache aus.
  • Durch die Öffnung der Moscheen konnten zahlreiche Vorurteile abgebaut werden. Vor allem konnten Ängste beseitigt werden, dass die Moscheen als Orte für Hasspredigten und extremistisches Gedankengut dienen würden.
  • Es wurde ein „Interkulturelles Aktionsforum für Beheimatung“ von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit gebildet. Es besucht Moscheen, Kirchen und Tempel sowie Museums-Ausstellungen zur Religionsgeschichte.

Bürgerbeteiligung:

  • Durch Vermittlung der Fachstelle Migration der Stadtverwaltung haben Bürgergruppen, Kindergärten, Schulen, christliche Kirchengemeinden usw. Gelegenheit, die örtliche Moschee kennen zu lernen.
  • Kontaktaufnahmen aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Moscheen konnten in Einzelfällen begleitet werden.

Finanzierung:

  • Die Moscheen sind eingetragene Vereine. Sie finanzieren sich aus Mitgliederbeiträgen und Spenden. Finanzielle Mittel von öffentlicher Seite gibt es nicht. Ein städtischer (muslimischer) Mitarbeiter initiiert und koordiniert den interreligiösen Dialog.
  • Geplant ist eine interreligiöse Tagung im Rahmen der Fortschreibung des Migrations- und Integrationskonzepts, die aus städtischen Mitteln finanziert wird.

Erfolge:

  • Inzwischen gibt es zahlreiche Zeichen der Annäherung: Eltern aller Religionen kommen zum Ramadanfest in den Kindergarten, muslimische Kinder nehmen am Nikolausfest teil und alle gemeinsam feiern das Lichterfest der Hindus.
  • Bei religiösen schulischen Veranstaltungen (Entlassfeiern usw.) werden auch muslimische Geistliche eingeladen.
  • Eine katholische Kirchengemeinde stellt einen Teil ihres Friedhofs für muslimische Begräbnisse zur Verfügung.
  • In den Rheiner Schulen stellen unterschiedliche Religionen keinen Anlass für Auseinandersetzungen unter Schülern dar.
  • In der Stadt konnte sich keine ausländerfeindliche Szene etablieren.

Kontakt:

Helmut Hermes

Tel: 05971 - 93 93 90

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Mustafa Tunceli

Tel: 05971 - 93 93 91

› Mail

 

 

Weitere Informationen:

  • » Stadt Rheine
  • Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium des Innern: Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Gütersloh 2005, S. 64

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: November 2010

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KONTAKT

Helmut Hermes
Geschäftsführer Integrationsrat

Stadt Rheine

Klosterstraße 14

48431 Rheine

Telefon: 05971 - 93 93 90

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