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Bundesland |
Baden-Württemberg |
Bevölkerung (31.12.2009) |
885.437 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
-0,5 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
0,2 |
Räumliche Einordnung |
Verstädterter Raum |
Ausgangspunkte für die verstärkte regionale Zusammenarbeit waren der Geburtenrückgang, das demographisch bedingte rückläufige Erwerbstätigenpotential und die Bevölkerungsalterung. Vor diesem Hintergrund wurde die Förderung von Familien und Kindern als wesentliche Existenzgrundlage der Region gesehen, die nachhaltig gesichert werden muss. Die Region Heilbronn-Franken hatte zwischen 1984-2003 ca. 147.000 Einwohner durch Zuwanderung gewonnen. Das waren über 20 Prozent gemessen an der Ausgangsbevölkerung. Die Fertilitätsrate lag bei 1,5 Kindern pro Frau und damit deutlich unter dem bestandserhaltenden Niveau von 2,1 Kindern pro Frau. Es zeichnete sich ab, dass es zukünftig mehr Sterbefälle als Geburten, weniger Kinder und Jugendliche im Alter unter 20 Jahren als über 60-Jährige und mehr Erwerbsfähige zwischen 40 und 60 Jahren als zwischen 20 und 40 Jahren geben wird. Weite Teile des ländlichen Raumes der Region wiesen 2003 bei dem Kindergartenangebot eine Vollversorgung auf, aber Ganztagsangebote und Angebote für unter-3-Jährige oder Schulkinder waren noch die Ausnahme.
Die Rahmenbedingungen in verschiedensten Handlungsfeldern allgemein kinderfreundlicher zu gestalten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere durch verbesserte Kinderbetreuungsmöglichkeiten, zu erleichtern. Mit dem Ausbau hin zu einer bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung soll ein vierfacher Effekt erzielt werden: Kinder werden besser gefördert, beide Elternteile können erwerbstätig sein, Unternehmen können auf gut ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen, der Kinderwunsch kann trotz Erwerbstätigkeit verwirklicht werden.
über Anpassungsstrategien hinaus soll mit dem Ansatz "Kinderfreundliche Region" an den Ursachen angesetzt werden Rahmenbedingungen für eine kinderfreundliche Region sind Grundlage für eine zukunftsfähige Region Kernpunkte des Konzeptes waren einerseits die Kooperation mit den Wirtschaftskammern bzw. der Akademie für Information und Management (AIM) und andererseits Projekte in den drei Modellkommunen Untergruppenbach, Wüstenrot sowie in Bad Mergentheim
November 2003: Start des Modellvorhabens der Raumordnung (MORO) des Bundesamtes für Raumordnung und Bauwesen (BBR) zu "Infrastruktur und demographischer Wandel" März 2004: „Arbeitskreis familienfreundliche Gemeinde Untergruppenbach“ nimmt Arbeit auf Sommer 2004: Analyse der Betreuungssituation in allen Gemeinden der Region auf Basis der Daten des Statistischen Landesamtes vom 31.12.2002 Mai 2004, November 2004, Juni 2005: Elternbefragungen zur Kinderbetreuung in den Modellgemeinden Februar 2005: öffentliche Veranstaltung mit 150 Teilnehmern zum Thema „Kinderfreundliche Region: Infrastruktur in der Praxis vor Ort - Wie reagieren wir auf den demographischen Wandel?“ April 2005: räumliche Umgestaltung der Modellkindergärten in Untergruppenbach September 2005: Einrichtung von zehn ersten Ganztagsplätzen in einem Kindergarten in Wüstenrot-Neuhütten Oktober 2005 Stadtrat Bad Mergentheim beschließt Weiterentwicklung des Kinderbetreuungsangebotes auf Grundlage der Elternbefragung Dezember 2005 Veröffentlichung des Infoheftes „Modellvorhaben Kinderfreundliche Region Heilbronn-Franken“ 2005 und 2006 Präsentation des Projektes in den Bürgermeisterversammlungen auf Landkreisebene Fortlaufend in 2006 eine Mailingserie für Kreise, Kommunen und weitere Interessierte zu den Themen „Weniger, älter, bunter“, „Kinderlos trotz Kinderwunsch“, „Bildung – so früh wie möglich“, „Kinder- und Familienfreundlichkeit“ und „Ausstellung kinderfreundliche Region Heilbronn-Franken“ Fortlaufend 2006: Beratung weiterer Kommunen zu den Themen Familienfreundlichkeit, demographische Entwicklung und Kinderbetreuung sowie zur Umsetzung einzelner Projekte. Juni 2006: Erster Spatenstich für ein familienfreundliches Neubaugebiet in Untergruppenbach September 2006: Eröffnung der Kindertageseinrichtung im Haus der Generationen in Untergruppenbach für Kinder im Alter zwischen acht Wochen und 14 Jahren September 2006: öffentliche Gemeinschaftsveranstaltung zusammen mit der IHK Heilbronn-Franken und der Zukunftsinitiative Heilbronn-Franken 2020 „Vorsprung durch Familienfreundlichkeit“ kombiniert mit einer Ausstellung von Ideen und Konzept aus 27 Kommunen der Region. 31. Oktober 2007: Ausschreibungsende eines Wettbewerbs mit ca. 1 Mio. Euro durch die Industrie- und Handelskammer im Rahmen des initiierten „Pakt Zukunft“. Thematisch bezieht sich diese regionale Förderinitiative 2007 auf Projekte im Handlungsfeld Demographie. Im Fokus dieses Handlungsfeldes stehen die Themen „qualifizierte Kinderbetreuung“, „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, „Integration von Zuwanderern sowie „Altenpflege und Betreuung“.
Akademie für Information und Management (AIM)/Industrie- und Handelskammer (IHK Heilbronn-Franken) Handwerkskammer Heilbronn-Franken Modellgemeinden (Bad Mergentheim, Untergruppenbach, Wüstenrot) Regionalverband Heilbronn-Franken
Abgestimmt auf die Bedingungen vor Ort wurden mit jedem der Projektpartner, IHK/Akademie für Information und Management (AIM), HWK sowie den Modellkommunen eigene Strategien entwickelt, um die selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Unter der Regie des Regionalverbandes hat jeder Projektpartner zu Beginn ein Teilprojekt in das Modellvorhaben eingebracht. Um den Anforderungen wirkungsvoll zu begegnen, wurden die Arbeitsbereiche im Anschluss ausdifferenziert. Es entstanden weitere Projekte, Einzelprojekte, aber auch Kooperationen und Maßnahmen, die in ähnlicher Form in allen drei Modellgemeinden verwirklicht werden oder noch werden sollen. Ein Programm der HWK zur Teilzeitausbildung soll Frauen mit Kindern die Vereinbarkeit von Berufsausbildung und Kindererziehung ermöglichen. Die AIM bietet kostenlose Berufsrückererinnenseminare an, um Frauen nach der Familiengründungsphase die Rückkehr in den Beruf zu erleichtern. Im Mai 2004 begann die AIM mit Erzieherinnenfortbildungen für die Modellkindergärten in Untergruppenbach als Beitrag zur Qualifizierung der Kinderbetreuung. „Haus der Generationen“: Auf dem Gelände der ehemaligen Schule in Untergruppenbach entstand bis Ende 2006 schrittweise eine Kombination aus Kindertageseinrichtung für 0- bis 14-Jährige, Vereinsräumen, Pflegeheim und betreutem Wohnen. Der zentrale Standort in der ehemaligen Schule rückt die Angebote auch räumlich in die Ortsmitte. Der Arbeitskreis „Familienfreundliche Gemeinde Untergruppenbach“ hat sich zu einer Plattform für Anliegen von Familien mit Kindern entwickelt, die möglichst in konkrete Projekte einmünden, wie den Ausbau des Ferienprogramms, einen Patenomaservice, einen Aktionstag zur Verkehrs- und Mobilitätserziehung u. a.. In Bad Mergentheim wird die Planung für ein kinderfreundliches Baugebiet "Auenland" inzwischen umgesetzt. Diese Idee wurde von der Gemeinde Untergruppenbach übernommen die ebenfalls ein familienfreundliches Baugebiet realisiert. Die Gemeinde Wüstenrot strebte eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung an und erstellte eine Kindergartenbedarfsplanung. Um Angebote einer möglichst breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen geben Bad Mergentheim und Untergruppenbach Familienbroschüren heraus. Die Öffentlichkeitsarbeit ist von großer Bedeutung, um über die Verwaltungsspitzen hinaus für die demographische Entwicklung zu sensibilisieren und um vor Ort Aktivitäten anzustoßen. Im Februar 2005 wurde eine öffentliche Veranstaltung mit ca. 150 Teilnehmern zum Ergebnistransfer und zur Impulsgebung nach außen genutzt. Darüber hinaus stellt der Regionalverband Heilbronn-Franken seit 2003 in einer Vielzahl von Gemeinden in der Region die Prognosen zur örtlichen demographischen Entwicklungen vor und wirbt für die Erarbeitung von Handlungsstrategien. Durch Aktivitäten in Bündnissen und Arbeitskreisen, durch den Austausch in und außerhalb der Region wird die Projektarbeit inhaltlich und strukturell befördert.
In allen drei Modellgemeinden wurden Familien mit Kindern im Alter bis zu zehn Jahren zwischen Mai 2004 und Juni 2005 schriftlich zur bisherigen Betreuung, Hilfenetz, erwünschte Betreuungszeiten, Berufstätigkeit u. a. befragt. Für das kinderfreundliche Baugebiet in Bad Mergentheim wurden in einer frühen Planungsphase Kinder in zwei fünften Klassen aufgefordert, eigene Ideen für das Baugebiet zu entwickeln und in einer Zeichnung darzustellen.
„Die Kinderfreundliche Region Heilbronn-Franken“ wurde als Modellvorhaben vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung im Verlauf von drei Jahren mit insgesamt 60.000 Euro gefördert. Daneben wurden Einzelmaßnahmen durch die Kommunen, die andern Projektpartner, Selbsthilfe und Sponsoren finanziert. Der Regionalverband finanzierte die Kosten für den Arbeitsplatz der hauptamtlichen Kraft zur Projektkoordination (Büro, Porto etc.). Um die Arbeit 2006 weiterführen und die Breitenwirkung in der Region erhöhen zu können, trug die Region die Kosten für ein weiteres Jahr.
Die Dringlichkeit des Themas konnte auf Ebene der Stadt- und Gemeinderäte verdeutlicht werden. Kinder- und Familienfreundlichkeit wird mittlerweile als wichtiger Standortfaktor betrachtet. Mit der Einrichtung von zehn ersten Ganztagesplätzen in der Gemeinde Wüstenrot zum Kindergartenjahr 2005/06 ist es beispielhaft gelungen, in einer Flächengemeinde im ländlichen Raum Spielräume aus dem Rückzug der Kinderzahlen für einen Ausbau des Kinderbetreuungsangebots zu nutzen. Die Modellkindergärten in der Gemeinde Untergruppenbach entwickeln sich zu frühkindlichen Bildungseinrichtungen, die das einzelne Kind und seine Entwicklung fördern und ein besonderes Augenmerk auf die konstruktive Zusammenarbeit mit den Eltern legen. Eine Vielzahl von Gemeinden in der Region hat den Ausbau der Kinderbetreuung für unter-3-Jährige und Ganztagsangeboten für Kindergarten- und Schulkinder forciert.
Dr. Andreas Schumm
Telefon: 07131 - 62 10 11
Mail
» Kinderfreundliche Region Heilbronn-Franken
» Akademie für Information und Management Heilbronn-Franken gGmbH
Regionalverband Heilbronn-Franken (Hrsg.): Modellvorhaben Kinderfreundliche Region Heilbronn-Franken, 2005
Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
September 2010 |
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Dr. Andreas Schumm
Regionalverband Heilbronn-Franken
Frankfurter Str. 8
74072 Heilbronn
Telefon: 07131 - 62 10 11
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