Bertelsmann Stiftung

Ravensburg - Lebensräume für Jung und Alt

In den letzten Jahrzehnten lässt sich beobachten, dass rüstige, aktive Senioren nicht mehr in ein Altersheim ziehen, sondern so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen möchten. Gleichzeitig sind sie besorgt, ob sie bei zunehmendem Hilfebedarf entsprechende Unterstützung finden. Wo keine Familienangehörigen zur Verfügung stehen – und dies wird in Zukunft immer häufiger der Fall sein - wird professionelle Hilfe durch ambulante Pflegedienste mit den entsprechenden Kosten nötig. Mit den „Lebensräumen für Jung und Alt“ hat die Stiftung Liebenau / St. Anna-Hilfe ein Modell entwickelt, das auf diese Bedürfnisse antwortet. Es wurde bereits an 20 Standorten umgesetzt.

Demographie-Profil:

Bundesland

Baden-Württemberg

Bevölkerung (31.12.2010)

49.774

Entwicklung 2004-2010 (in %)

2,7

Entwicklung 2009-2030 (in %)

3,7

Räumliche Einordnung

Verstädterte Räume - Verdichtete Kreise

Demographietyp

Prosperierende Kommunen im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Versorgungsmodelle in der Altenhilfe (Betreutes Wohnen, Heimversorgung) bergen viele Nachteile: Passivität der Bewohner, Professionalisierung / Kostenintensität, Separierung der Bewohner etc.
  • Kapazitäten und Kosten sind im Hinblick auf den demographischen Wandel nicht zu leisten
  • Haltungsänderung bei den Menschen / gesellschaftlicher Wandel: im Alter möglichst selbstständig zu bleiben
  • Konkreter Anlass für die Entstehung des ersten Projekts war die Suche nach einer Alternative zu einem nicht realisierbaren Pflegeheimprojekt in Vogt.

Ziel:

  • Vermeidung der Nachteile von Vollversorgungssystemen durch ein gemeinwesenorientiertes, subsidiär ausgerichtetes Konzept
  • Generationsübergreifendes Wohnen von Jung und Alt, Begegnung, Nachbarschaftshilfe
  • Aktivierung und Förderung von Selbständigkeit, Prävention von Hilfebedürftigkeit
  • Subsidiärer Hilfemix von Selbst-, ehrenamtlicher und professioneller Hilfe
  • Quartiersintegration und Aktivierung kommunalen bürgerschaftlichen Engagements
  • Kostenersparnis durch Prävention und Aktivierung

Strategie:

  • Wohnprojekte mit entsprechend differenziertem Wohnangebot
  • Räume für Begegnung, Beratung, Vermittlung etc.
  • Zentrale Lage im Wohnquartier mit entsprechender Infrastruktur
  • Professionelle Gemeinwesenarbeit (GWA) zur Moderation der Aktivitäten, Begleitung etc.
  • Quartiersbezogene, offene Gemeinwesenarbeit
  • Kooperation Sozialstiftung – Kommune – Bürger
  • Finanzierungsmodell, das Unabhängigkeit der Gemeinwesenarbeit sichert (Sozialfonds, Bürgerstiftung)
  • Imagebroschüren, Fachartikel, Buchveröffentlichung, Videos

Meilensteine:

  • Erstes Projekt 1995 in der Gemeinde Vogt realisiert
  • Seither an rund 20 Standorten in Süddeutschland und Österreich
  • Weitere Projekte sowie konzeptionelle Weiterentwicklungen (Richtung Mehrgenerationenhäuser, Behindertenintegration etc.) geplant
  • Wissenschaftliche Begleitstudie durch Prof. Dr. Kallfass
  • Erhebungen durch das Ressort Sozialpolitik (Fr. Haab) der Stiftung Liebenau

Akteure:

  • Stiftung Liebenau / Altenhilfe
  • Kommune
  • Bürger

Umsetzung:

  • Umsetzung durch barrierefreie Wohnanlagen mit normalen, altengerechten 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen (40 bis 100 Quadratmeter) für junge und ältere Bewohner, Alleinstehende, Paare oder Familien sowie je einem Servicezentrum mit Büro und Gemeinschaftsräumen
  • Der größte Teil der Wohnungen wird an Privateigentümer verkauft, zur Eigennutzung, als Kapitalanlage oder als Vorsorge für die Zukunft.
  • Ein Kontingent an Wohnungen ist öffentlich gefördert.
  • Käufer dieser Wohnungen können zinsverbilligte Darlehen in Anspruch nehmen.
  • Zur Finanzierung der Gemeinwesenarbeit haben die Stiftung Liebenau und die jeweilige Gemeinde vor Ort einen Sozialfonds gegründet, in den Verkaufserlöse der Wohnungen, Mitteleinlagen der Gemeinde und Spenden einfließen.

Bürgerbeteiligung:

  • Basis der "Lebensräume" ist die aktive Nachbarschaft. Das gemeinwesenorientierte Konzept bezieht das Wohnquartier mit ein.

Finanzierung:

  • Wohnungsfinanzierung über normalen Eigentums-/Mietwohnungsbau (WEG, Generalmietvertrag etc.), Verkauf und Vermietung an Privatpersonen
  • Investitionen von Stiftung Liebenau und Gemeinden (Wohnungen, Servicezentrum)
  • Gründung eines Sozialfonds (bzw. geplant: Bürgerstiftung) als Kapitalstock aus Erlös von Wohnungsverkäufen, Grundstückswert bzw. Bareinlage der Kommunen
  • Finanzierung der Gemeinwesenarbeit aus Erträgen dieses Kapitalstocks und Zuschüssen von Stiftung Liebenau bzw. den Gemeinden

Erfolge:

  • Inhaltlich gelungenes Projekt mit hoher präventiver und sozialer Wirkung
  • Anfang 2006 Bundespreis beim Wettbewerb „Netzwerk Nachbarschaft“ für die Wohnanlage Gänsbühl in Ravensburg
  • Lebensräume Gänsbuhl und Weinbergstraße in Ravensburg aufgrund der generationenübergreifenden Kommunikation und des Generationenaustauschs Ende 2006 aufgenommen als Bundesmodellprojekt Mehrgenerationenhäuser des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Kontakt:

Stiftung Liebenau
St. Anna-Hilfe gGmbH
„Lebensräume für Jung und alt“
Siggenweilerstr. 11
88074 Meckenbeuren-Liebenau

Gerhard Schiele
07542 104005
› Email
» Internet

Ulrich Kuhn
07542 101206
› Email
» Internet

Weitere Informationen:

Stand: Oktober 2010

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Gerhard Schiele

Telefon: 07542 - 10 40 05

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Ulrich Kuhn

Telefon: 07542 - 10 12 06

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Stiftung Liebenau

St. Anna-Hilfe gGmbH „Lebensräume für Jung und alt“

Siggenweilerstr. 11

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