Bertelsmann Stiftung

Pirna - freiwillige Haushaltssicherung

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Sachsen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Bevölkerung (31.12.2010)

39.030

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-4,5

Entwicklung 2009-2030 (in %-11,7

 

Räumliche Einordnung

Verdichtete Kreise_Agglomerationsräume

Demographietyp

Schrumpfende Stadt mit Abwanderung

Ausgangslage:

  • Die Kreisstadt Pirna liegt ca. 20 km von der Landeshauptstadt Dresden entfernt und gilt als Eingangstor zur sächsischen Schweiz. Im Zuge der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion kam es nach 1990 zu gravierenden Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur. Der sekundäre Sektor verlor seine Bedeutung zugunsten neu entstandener Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich, die aber nur teilweise durch neue Beschäftigungsmöglichkeiten im tertiären Sektor aufgefangen werden konnten. Heute arbeiten etwa drei Viertel der in Pirna Beschäftigten im Dienstleistungsbereich. Im produzierenden Gewerbe ist hingegen nur noch etwa jeder sechste Beschäftigte tätig.
  • Der demographische Wandel hat in den letzten Jahren zu einem stetigen Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter geführt. Diese Entwicklung wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Die Zahl der Arbeitslosen stagnierte in den Jahren 2000-2006, trotz Schrumpfung der Einwohnerzahl, bei 3.600 Personen/Jahr. Seit dem Jahr 2006 ist ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosen auf aktuell 2.500 Personen (2010) zu verzeichnen.
  • Die finanzielle Ausgangssituation war im Allgemeinen durch die Haushaltslage der Kommunen und im Speziellen durch Mehrbelastungen aufgrund der Gemeindegebietsreform mit 3,7 Mio. € geprägt. Dazu kam noch das Jahrhunderthochwasser von Elbe, Gottleuba und Seidewitz im Jahre 2002, mit einem Schaden in Höhe von ca. 176 Mio. €. Aufgrund dessen wies die Jahresrechnung der Stadt Pirna 2002 ein negatives Rechnungsergebnis in Höhe von 1 Mio. € aus. Der Haushalt 2003 hatte ein Volumen von je 62 Mio. €, davon 38 Mio. € im Verwaltungshaushalt und 24 Mio. € im Vermögenshaushalt.
  • Die Stadtverwaltung Pirna hatte 2003 ca. 325 Beschäftigte, besaß drei Eigengesellschaften (Stadtwerke, Stadtentwicklungsgesellschaft, Wohnungsgesellschaft) und war an zwei Gesellschaften (Strom- und Gasversorgung) mittelbar beteiligt.

Ziele:

  • Um der negativen Haushaltsentwicklung entgegenzuwirken, entschied sich die Stadt im Jahr 2003 zu einer Haushaltssicherung auf freiwilliger Basis, die unter folgende Ziele gestellt wurde:
  • Sicherung der dauernden Leistungsfähigkeit der Kommune, trotz sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen unter Einbeziehung sowohl der freiwilligen als auch pflichtigen Aufgaben
    • Optimierung der Verwaltungsstrukturen,
    • Erhalt der freiwilligen Leistungen,
    • Einführung neuer Steuerungsinstrumente,
    • Privatisierung von Aufgabenbereichen, Standardabsenkungen,
    • Erhalt des hohen Niveaus an Investitionstätigkeiten sowie
    • Schuldenabbau.

Umsetzung:

  • Grundlage bildete ein Gutachten zur Erstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes, unter Einbeziehung aller Interessengruppen der Stadt Pirna (Stadträte, Stadtverwaltung, Bürger, städtische Beteiligungen). Für den Zeitraum 2004 – 2007 wurden insgesamt 23 Maßnahmen mit einem Konsolidierungspotential in Höhe von 11,3 Mio. € beschlossen.
  • Bereits im ersten Zwischenbericht im Jahr 2005 konnten folgende Ergebnisse im Verwaltungshaushalt als Plangrößen für den Konsolidierungszeitraum erschlossen werden:
    • Privatisierung der Hausmeister-und Handwerkerleistungen, Stadtgärtnerei, Straßenbeleuchtung sowie Straßenreinigungsleistungen, mit einen Einsparvolumen von 1.3 Mio. €.
    • Erhöhung der Hebesätze für Grundsteuer A von 300 auf 350% sowie der Grundsteuer B von 410 auf 444%, mit Mehreinnahmen von 1 Mio.€
    • Restrukturierung der allgemeinen Verwaltung mit einem Einsparvolumen von 1.5 Mio. €
    • Sukzessive Reduzierung der Mitglieder des Stadtrates über 8 Jahre, zunächst von 34 auf 30 dann auf 26 Mitglieder
    • Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich Rechnungsprüfung ( 3 Körperschaften ) und Vollstreckung (1 Kommune).
    • Privatisierung des Kulturbereiches durch Gründung einer Kultur und Tourismus Gesellschaft verbunden mit einer Neuordnung der Gesellschaften, mit einem Einsparvolumen von 1,4 Mio.
    • Eingliederung der Betriebe in eine Finanzholding als 100% Tochter der Stadt Pirna
    • Übertragung der städtischen Kindertagesstätten an freie Träger.

Erfolge:

  • Nach weitestgehender Umsetzung des Konsolidierungs- und Reformkurses konnte bereits 2005 ein ausgeglichener Haushalt mit Gesamteinnahmen und Gesamtausgaben von je 65,6 Mio. € erstellt werden, davon 26,7Mio. € im Vermögenshaushalt. Darin enthalten waren 2,2 Mio. € Ausgaben zur Kredittilgung.
  • Trotz der umfassenden Konsolidierungsmaßnahmen konnten Zuschüsse für freiwillige Aufgaben beibehalten und im hohen Maße Investitionen zu Sanierung der Altstadt und dem Ausbau der Infrastruktur für Bildungseinrichtungen getätigt werden.
  • Der Personalbestand wurde auf 222 Vollzeitstellen reduziert und befindet sich aktuell bei unter 200 Vollzeitäquivalenten. Aufgrund der Einbeziehung aller Interessegruppen in die Ausarbeitung der Konsolidierungsmaßnahmen konnten Widerstände weitegehend vermieden werden.
  • In den Jahren ab 2007 zeigten sich die langfristigen Erfolge des Haushaltssicherungskonzeptes begünstigt durch den vorübergehenden konjunkturellen Aufschwung und damit verbundenen Steuermehreinnahmen.
  • Die ursprüngliche Zielsetzung des Schuldenabbaus bis 2009 von 32 Mio. € auf 26 Mio. € konnte durch Sondertilgungen auf einen Schuldenstand von 16,5 Mio. € noch übertroffen werden. Der aktuelle Schuldenstand der Stadt Pirna beträgt 14,5 Mio. € (31.12.2010).
  • In abschließender Betrachtung konnte insgesamt in einem Zeitraum von 4 Jahren ein Konsolidierungsvolumen von 11,6 Mio. € erzielt und damit der Plan sogar übertroffen werden.
  • Haushaltskonsolidierung wird in Pirna nicht als einmalige Angelegenheit, sondern als Daueraufgabe angesehen. Deshalb arbeitet die Stadt im Jahr 2011 bereits wieder freiwillig an der Strukturierung ihres Haushaltes, um sich den ständig ändernden Bedingungen anzupassen.

Kontakt:

Birgit Erler

Telefon: 03501 - 55 62 39

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Weitere Informationen:

» Stadt Pirna

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: April 2011

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Birgit Erler
Stadtkämmerin

Stadt Pirna

Eingang über Markt 10

01796 Pirna

Telefon: 03501 - 55 62 39

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