Bertelsmann Stiftung

Münster – Wohnen für Zuwanderer mit gezielter Lotsenarbeit verbinden

Demographie-Profil:

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Bevölkerung (31.12.2009)

275.543

Entwicklung 2002-2009 (in %)

2,5

Entwicklung 2009-2030 (in %)

1,4

Ausländeranteil (in %)

6,7

Räumliche Einordnung

Verstädtere Räume – Kernstädte

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Auch in Münster gibt es bei der Gruppe der Spätaussiedler die bekannten Auffälligkeiten und Integrationsschwierigkeiten
  • Die Integration von Neuzuwanderern soll im Rahmen einer Projektarbeit optimiert und im 2. Schritt in die „Serie“ übertragen werden
  • Im Rahmen der Arbeit 2004/2005 geht es um die Integration einer Gruppe von 120 zugewanderten Spätaussiedlern, die im Kontext des „Dreiklangs“ Lotsenarbeit-Wohnen-Netzwerk versorgt und begleitet werden.
  • Im Jahr 2006 werden die entworfenen Prinzipien übertragen zunächst auf alle nach Münster kommenden Spätaussiedler, später auf alle weiteren nach Münster kommenden Zuwanderer mit gesichertem Status.

Ziel:

  • Die Optimierung des individuellen Zuwandererintegrationserfolges ist das gesetzte Ziel.
  • Motivation, Integrationsfähigkeit, Berufsfähigkeit, Partizipation, Bezug der Erstwohnung in einem nicht-segregierten Stadtteil, Andocken im neuen Umfeld/Stadtteil/Wohngebiet sind wesentliche Ziele.
  • Einbindung der Gesellschaftstragenden Institutionen in diesen Prozess, Übernahme von Verantwortung durch Verwaltung, Politik, gesellschaftliche Institutionen, Bürgerbeteiligung.

Strategie:

Auf verschiedenen Ebenen

  • Entwicklung eines neuen Praxisansatzes (Potenzialanamnese – Integrationsvertrag - nicht-segregierte Erstwohnung - Andocken)
    • im Kontext des „Dreiklangs“ Lotsenarbeit-Wohnen-Netzwerk
    • unter wissenschaftlicher Begleitung.
    • Unter Begleitung struktureller Mediationsarbeit im gesamtgesellschaftlichen Bereich
  • Erarbeitung und Etablierung des Integrationsfaktors „Wohnen“ im Rahmen von:
    • stadtweiter Mediationsarbeit
    • Implementierung in die Netzwerkarbeit
    • Aufnahme durch die Wohnungswirtschaft
  • Konstituierung einer Netzwerkarbeit „Integration für Menschen mit Migrationsvorgeschichte“
  • Wissenschaftliche Begleitung und Forschung zu den Themenbereichen:
    • Wohnen und Integrationspotenziale
    • sowie zu den methodischen Fragestellungen: Indikatorenset, Vergleichsevaluation und qualitative Integrationsuntersuchung

Meilensteine:

  • In der 1. Phase im Jahr 2004/2005 werden die beschriebenen Integrationsprinzipien entwickelt, praktisch umgesetzt und wissenschaftlich begleitet und dokumentiert.
  • Im Jahr 2006 werden diese Prinzipien übertragen zunächst in die stadtweite Arbeit für Spätaussiedler, später in die Arbeit für Neuzuwanderer mit zu erwartendem festen Status allgemein.

Akteure:

  • Die Arbeit findet statt im Rahmen der Europäischen INTERREG-IIIA-Projektschiene. Es handelt sich um eine binationale Arbeit, die parallel in der Gemeinde Enschede und der Region Twente u. a. dortigen Rahmenbedingungen mit dort anderen Feldern stattfindet und untersucht wird. Unterstützt wird das Projekt im europäischen Kontext durch die EUREGIO, das Land NRW, die Provinz Overijssel sowie die Projektbeteiligten Stadt Münster, Gemeinde Enschede und den niederländischen Bildungsträger ROC van Twente.
  • In der Projektarbeit Münster lässt sich die Liste nicht abschließend darstellen: Politik und Verwaltung, Wohlfahrtsverbände und Kirchen, Ausländerbeirat und Landsmannschaft, ein stadtweites integrationsspezifisches und allgemeines Netzwerk, Wohnungswirtschaft und Mieterverbände und z. B. auch die Polizei.
  • Akteure in der direkten Projektarbeit sind das Projektbüro bei der Stadt Münster, Wohlfahrtsverbände, Sportvereine, Kleingartenvereine, Wohnungswirtschaft (nicht abschließend) sowie
  • begleitende Wissenschaftler aus den Bereichen Politikwissenschaften und Soziologie der Universitäten Münster und Twente sowie des Instituts für Geographie der Universität Münster.
  • Die Wohnungswirtschaft unterstützt diese Arbeit aktiv, z. B. durch Wohnungsangebote, Kooperation während der ersten Wohnphase, Mitarbeit im stadtweiten Mediationsprozess „Wohnen für Spätaussiedler“.
  • Das Netzwerk –bestehend aus 46 Trägern im Feld Integration- unterstützt die Arbeit.
  • Die Integrationsdienste der Stadt unterstützen die Arbeit.

Umsetzung:

  • Der Focus: „Dreiklang“ Lotsenarbeit-Wohnen-Netzwerk
  • Der Weg der Praxisarbeit im Projekt:
    • ausführliche Potenzialanamnese
    • darauf aufbauend Erarbeitung eines Integrationsvertrages mit fortlaufender         Ergänzung
    • Bezug der Erstwohnung in einem nicht-segregierten Stadtteil und einem inhaltlichen Bezug zur erhobenen Potenzialanamnese
    • Andocken im Stadtteil an Angebote des stadtweiten integrationsunterstüztenden Netzwerks
    • Integrationsoptimierung durch Einbindung insbesondere nachbarschaftlicher Potenziale, die bis dahin nicht genutzt wurden.
  • Begleitend: Durchführung eines einjährigen Mediationsprozesses mit den Gesellschaftstragenden Institutionen zum Thema „Wohnen für Spätaussiedler; Ergebnis: „Xenia – Münsteraner Erklärung 2005“.
  • Parallel: Erweiterung/Konstituierung der Integrationsnetzwerkarbeit unter den Aspekten
    • stadtweit
    • stadtteilorientiert
    • nachbarschaftsorientiert
    • professionell
    • ehrenamtlich
    • integrationsspezifisch
    • ganzheitlich orientiert (mit den Elementen z.B. Sport, Freizeit, Kultur,      Bildung, Natur, auch: Sprache, Ausbildung, Schule…)
  • Wissenschaftlich: Im Zeitraum 2004 – 2006 wird die im Projekt begleitete „Zuwanderergruppe 2004“ wissenschaftlich begleitet, ebenso wie die nicht im Projekt begleitete „Kontrollgruppe 2004“. Die Ergebnisse werden quantitativ und qualititativ erhoben, evaluiert und dokumentiert.
  • Begleitend: wissenschaftliche Erarbeitung
    • eines Indikatorensets für die Integration von Neuzuwanderern
    • einer Dokumentation eines stadtweiten Mediationsprozesses zum Thema
    • „Wohnen für Zuwanderer“
    • einer Forschungsarbeit und Dokumentation zum Thema „Integrationspotenziale in verschiedenartigen Stadtteilen“

Bürgerbeteiligung:

  • Die Arbeit wurde durchgängig verwaltungsintern, stadtweit, über Arbeitskreise und Foren, über Fachpresse, Lokalpresse, Internet und Newsletter publiziert. Beteiligung zu den verschiedensten Elementen war nicht nur möglich, sonder wurde realisiert und qualifizierte die Arbeit.
  • Die Einbindung nachbarschaftlicher Potenziale in nicht-segregierten Stadtteilen gelang und setzte erweiterte Möglichkeiten frei.

Finanzierung:

  • Das Projekt wurde innerhalb des „INTERREG-Settings“ finanziert durch die EUREGIO, das Land NRW, die Provinz Overijssel, die Stadt Münster, die Gemeinde Enschede und den Bildungsträger ROC van Twente.
  • Für die Arbeit in Münster hatte es ein Volumen von etwa 730.000 €.

Erfolge:

  • Das Thema „Wohnen für Zuwanderer“ ist in Münster auf der Basis eines  Gesellschaftstragenden Konsens anerkannt und unterstützt.
  • Die „INTERREG-Prinzipien“ im Dreiklang „Wohnen-Netzwerk-Lotsenarbeit“ sind anerkannt.
  • Die Netzwerkarbeit ist erweitert und institutionalisiert.
  • Der Integrationserfolg der „Projektgruppe“ ist im Vergleich zur „Begleitgruppe“ deutlich erhöht.
  • Ca. 90 % leben aktuell in nicht-segregierten Wohngebieten.
  • Die Aufnahme von Erwerbsarbeit im Bereich der Projektgruppe ist doppelt so erfolgreich wie in der Begleitgruppe.
  • Die Erwerbstätigkeit im Bereich sozialversicherungspflichtige Beschäftigung/Erwerbstätigkeit/unabhängige Grundversorgung ist um ein Vielfaches erhöht.
  • In der „Projektgruppe“ gibt es bis heute keine bekannten sozialen Auffälligkeiten (Schulden-, Wohnungs-, Sucht-, Kriminalitätsprobleme).
  • Keiner ist hier alleine, jede(r) ist angebunden in/an Maßnahmen  oder Strukturen im Bereich spezifischer Integrationsarbeit sowie im Bereich der Strukturen im neuen (Wohn-)Umfeld.
  • Die Korrelation „Wohnen im  nicht-segregierten Gebiet – erhöhter Integrationserfolg“ wird deutlich.
  • Im Rahmen der Resümeetagung des Projektes gegen Ende 2006 entsteht die „Ibbenbürener Erklärung“ mit einem Bekenntnis zu den Prinzipien der geleisteten Arbeit, getragen durch Bund, Land, EUREGIO sowie durch Politik, Verwaltung, Wohlfahrtsverbände, Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Ausländerbeirat und anderen.
  • Auf dieser Basis bewilligt der Lenkungsausschuss der EUREGIO 400.000 € für eine Projektarbeit ab 2007 mit dem Ziel der Effektmessung mit der Methode SROI(Social Return On Investment) im Feld Zuwandererintegration und Arbeitsmarktqualifikation.

Kontakt:

Jochen Köhnke

Telefon: 0251 - 492 70 53

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Weitere Informationen:

» Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Juli 2007

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KONTAKT

Jochen Köhnke
Dezernent für Aussiedler, Flüchtlings- und  Asylbewerberangelegenheiten

Telefon: 0251 - 49 27 053

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Stephan Nover

Telefon: 0251 - 49 27 057

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