Bertelsmann Stiftung

München – Interkulturelles Qualitätsmanagement

Demographie-Profil:

Bundesland

Bayern

Bevölkerung (31.12.2009)

1.330.440

Entwicklung 2002-2009 (in %)

7,8

Entwicklung 2009-2030 (in %)

14,8

Ausländeranteil (in %)

22,9

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Ausgangslage/Problemstellung:

  • In der Landeshauptstadt München existiert eine ausgewogene Bevölkerungsstruktur, insgesamt leben dort über 280.000 Zuwanderinnen und Zuwanderer aus mehr als 180 verschiedenen Nationen.
  • Es herrschen gute Ausgangsbedingungen für einen positiv verlaufenden Integrationsprozess, unter anderem bedingt durch die guten sozioökonomischen Rahmenbedingen. Allerdings ist auch in München die Arbeitslosigkeit bei Migranten mehr als doppelt so hoch wie bei Deutschen.
  • Im Leitbild der Stadt wurde festgelegt, dass Integrationspolitik keine Sonderrolle einnehmen soll, sondern im Rahmen einer sozialen Kommunalpolitik eingebunden werden muss. Definiertes Ziel ist es hierbei, eine gleichberechtigte Teilnahme an Sozial-, Arbeitsmarkt-, Kultur- und Bildungspolitik zu ermöglichen, bei Erhalt der kulturellen Identität.

Ziel:

Ziel des Integrationskonzeptes ist es, die Ressourcen der Stadtgesellschaft für die Zukunft zu rüsten. Durch innovative Personalpolitik soll sich die Vielfalt der Münchner Bevölkerung bei der Zusammensetzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung widerspiegeln.

Strategie:

  • Dies soll durch den Ausbau und Fortentwicklung von interkultureller Orientierung und Öffnung sichergestellt werden.
  • Interkulturelle Orientierung heißt, dass das Leitbild und die Konzepte von Verwaltung, freien Trägern und anderen Einrichtungen der Stadt so orientiert sind, dass sie Vielfalt berücksichtigen und den Bedarf unterschiedlicher Gruppen mit unterschiedlichen Interessen aufgreifen.
  • Interkulturelle Öffnung ist die handelnde Umsetzung der interkulturellen Orientierung und beinhaltet konkrete Maßnahmen, Angebote und Arbeitsmethoden, die Zugangsbarrieren abbauen und Partizipationsmöglichkeiten schaffen.
  • Die Entwicklung und Umsetzung dieser Strategie liegt bei der Stelle für interkulturelle Arbeit der Stadt München. Als Schnittstelle zwischen Bürgern, Initiativgruppen, Migrantenselbstorganisationen und der Stadtverwaltung soll sie adäquate Maßnahmen entwickeln, um soziale, berufliche, schulische, religiöse, ethnische und kulturelle Benachteiligungen abzubauen.

Meilensteine:

  • 2002: Verabschiedung des Stadtumbaukonzepts, das gesamtstädtische Leitlinien sowie differenzierte Entwicklungsziele und Maßnahmen für die einzelnen Wohngebiete festgelegt.
  • 2004: Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes

Akteure:

Das derzeitige Projekt „Interkulturelle Qualitätsentwicklung“ wurde von der Stelle für interkulturelle Arbeit der Landeshauptstadt München entwickelt und wird durchgeführt mit:

  • Arbeiterwohlfahrt
  • InitiativGruppe – Interkulturelle Bildung und Begegnung e. V.

Beteiligen können sich Einrichtungen aus den Bereichen:

  • Bildung
  • Soziales
  • Gesundheit

Umsetzung:

  • Das Sozialreferat der Stadt hat seit 1993 eine sozialwissenschaftlich fundierte „interkulturelle Qualitätsentwicklung“ erprobt und vorangetrieben.
  • Die Basis der „Interkulturellen Qualitätsentwicklung“ ist ein strategischer Ansatz, der im Stadtjugendamt der Stadt entworfen und über die Jahre weiterentwickelt wurde. Hierbei wird unterschieden zwischen interkultureller Orientierung und interkultureller Öffnung (s. o.).
  • Auf der Basis dieses strategischen Ansatzes entwickelte das Stadtjugendamt das „Interkulturell orientierte Qualitätsmanagement (IQS)“. Seine Verfahren und Instrumente fußen auf einem Drei-Säulen-Modell: „Neue Steuerung, Sozialplanung und Qualitätsmanagement“. Dadurch sollen Instrumente der neuen Steuerung für sozialpolitische Ziele fruchtbar gemacht werden. Das IQS wurde in zwei Münchner Sozialregionen in einem dreijährigen Projekt erprobt und weiterentwickelt. Mehr als 30 Einrichtungen der Jugendhilfe, der Altenhilfe und des Gesundheitswesens nahmen daran teil.
  • Mit den Einrichtungen wurden individuelle und realistische Ziele für die Dauer des Projekts vereinbart. Es fanden Workshops zu Grundlagen und Instrumenten des Qualitätsmanagements statt sowie Seminare zur interkulturellen Verständigung. In Qualitätszirkeln wurde die interkulturelle Öffnung von sozialen Dienstleistungen modellhaft erprobt.
  • Aus den Ergebnissen der Projektevaluation entwickelte die Stelle für interkulturelle Arbeit Empfehlungen für eine Weiterführung der Projektarbeit.
  • Zeitlich parallel zum IQS Projekt wurde in zwei weiteren Regionen der Stadt das Projekt „Sachverständige für Migrationsfragen“ durchgeführt. Ziel des Projekts war es, über Motivations- und Vermittlungsarbeit Integrationsprozessen eine breitere Basis zu verschaffen.
  • Mit dem aktuellen Projekt „Interkulturelle Qualitätsentwicklung in Münchner Sozialregionen“ hat die Stadt die beiden Projekte in einem gemeinsamen Ansatz verbunden. Das Ziel der interkulturellen Orientierung und Öffnung wird dabei auf drei Ebenen verfolgt:
  • Organisationsentwicklung - Einrichtungen werden darin unterstützt, sich interkulturell zu orientieren und zu öffnen
  • Personalentwicklung – Führungskräfte und Mitarbeiter der beteiligten Einrichtungen werden interkulturell qualifiziert und erhalten Fortbildungen in interkulturell orientiertem Qualitätsmanagement
  • Qualitätsmanagement – die interkulturelle Öffnung soll aus den Einrichtungen heraus erfolgen.

Bürgerbeteiligung:

  • Bürgerschaftliches Engagement bildet ein Grundlage nicht nur der beschriebenen Projekte, sondern der gesamten Integrationspolitik der Stadt.
  • 2003 wurde das Projekt KIK – Konfliktmanagement im interkulturellen Kontext zur gezielten Förderung intermediärer Akteure gegründet. Kern dessen ist die Ausbildung von Konfliktlotsen an Schulen.

Finanzierung:

  • Da München Interkulturelle Öffnung und Orientierung als Querschnittsaufgabe versteht, ist eine gesonderte Aufstellung der „reinen Integrationsmittel“ schwer möglich, da sie in den Budgets der verschiedenen Referate subsummiert sind.

Erfolge:

  • Die Münchner Strategie der interkulturellen Öffnung und Orientierung hat nicht nur zu verbesserten Leistungen der Integrationspolitik in der Stadt geführt. Das Modell gilt inzwischen als deutschlandweit vorbildlich und wurde von vielen Kommunen übernommen.

Kontakt:

Rudolf Stummvoll

Telefon: 089 - 23 34 04 60

› Mail

 

 

Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: September 2006

SUCHE

KONTAKT

Rudolf Stummvoll
Leiter Stelle für interkulturelle Arbeit

Landeshauptstadt München

Franziskaner Str. 6-8

81669 München

Telefon: 089 - 23 34 04 60

› Mail

 

© 2011 Bertelsmann Stiftung