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Bundesland, Landkreis |
Nordrhein-Westfalen, kreisfreie Stadt |
Bevölkerung (31.12.2009) |
167.471 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
-2,7 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
-6,6 |
Räumliche Einordnung |
Agglomerationsraum - Kernstadt |
Demographieprofil |
Schrumpfende Großstadt im postindustriellen Strukturwandel |
Die Stadt Mülheim an der Ruhr führt in den Stadtteilen Broich und Speldorf eine Teilraumentwicklungsplanung durch. Diese soll zum Anlass genommen werden, die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu erforschen, darzustellen und in das Teilraumentwicklungskonzept zu integrieren.
Die Teilraumentwicklungsplanung ist ein Steuerungsinstrument in der Stadtentwicklung und legt den Fokus auf stadtbauliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilräume. Hier wird auf die Bedürfnisse aller, auch der nachkommenden Generation, eingegangen. Dabei soll die Attraktivität des Lebensraumes erreicht und gleichzeitig die Identifikation der Bewohner mit ihrem Stadtteil gefördert werden.
- Ziel der Teilraumentwicklungsplanung Mülheim-Broich/Speldorf war die Sicherung und behutsame Weiterentwicklung vorhandener räumlicher Qualitäten wie z. B. Brachflächen mit hohem Spiel- und Erlebniswert. Darüber hinaus sollten Informationen gewonnen werden, die zur Bereitstellung bedarfsgerechter Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche führen können.
- Bei der Teilraumentwicklungsplanung wurden bereits im Jahr 2004 Erwachsene durch Bürgerforen beteiligt. Anschließend war die Meinung der Kinder und Jugendlichen gefragt.
- Die jungen Menschen wurden ab Februar 2005 in den umfassenden und komplexen Planungsprozess einbezogen, indem sie ihren Lebensraum erforschten, Treffpunkte, Spiel- und Aufenthaltsorte, Konflikträume und Veränderungswünsche benannten. Durch den Einsatz verschiedener Beteiligungsmethoden (Streifzüge, Mental Maps, Planungswerkstätten etc.) wurde eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen erreicht, die umfangreiche Ideen für die Teilraumentwicklungsplanung entwickelt haben.
- Das Vorhaben wurde im November 2004 durch die Stadtentwicklung und Jugendhilfeplanung konzeptionell entwickelt. Zu Beginn des Jahres 2005 wurden erste konkrete Vereinbarungen mit dem Planungsbüro Stadt-Kinder aus Dortmund getroffen.
- Im ersten Quartal 2006 wurden die Planungsergebnisse dokumentiert und den politischen Entscheidungsgremien mit dem Ziel vorgestellt, diese in die Teilraumentwicklungsplanung Broich/Speldorf aufzunehmen. Dieses Ziel wurde durch einen Ratsbeschluss erreicht. Die vorgeschlagenen Projekte werden je nach Umfang und objektiven Kriterien kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt.
- Der Ablauf des Projektes gliederte sich in verschiedene Beteiligungsbausteine:
- Auftaktveranstaltung: Im März 2005 fand eine Auftaktveranstaltung statt, die den Startschuss für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen an der Teilraumentwicklungsplanung in Broich/Speldorf gab. Erste Ergebnisse der Stadtteilbegehungen, die im Vorfeld der Veranstaltung gemeinsam mit Schülern der Willy-Brandt-Gesamtschule stattfanden, wurden präsentiert.
- Mental Maps: Die Methode der Mental Maps erfasst die subjektiven Wahrnehmungen (Alltagserfahrungen) der Kinder und Jugendlichen zu ihrem Stadtteil. Diese bilden sich im Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen ab und werden „subjektive Landkarten“ oder „mental map“ genannt.
- Die Erstellung der Landkarten erfolgte in Form einer schriftlichen Befragung. Insgesamt konnten ca. 300 Fragebögen ausgewertet werden, was einen Rücklauf von nahezu 100 Prozent bedeutet. Die Altersspanne der befragten Kinder und Jugendlichen lag zwischen neun und 18 Jahren. Die Kinder und Jugendlichen hatten die Möglichkeit, ihre Situation ausführlich zu beschreiben und Defizite sowie soziale Probleme bei den Freizeitangeboten zu benennen. Die kartografischen Darstellungen der Kinder und Jugendlichen wurden zusammengefasst und zu den Bereichen Schul- und Freizeitwege, gefährliche Stellen und Änderungswünsche auf Karten dargestellt.
- Die junge Generation ist weitestgehend mit dem Stadtbezirk Broich/Speldorf zufrieden. Probleme gibt es vor allem im Verkehr, mit Jugendlichen an bestimmten Orten oder in der Mülheimer City. Die Kinder und Jugendlichen wünschten sich mehr Spiel- und Sportmöglichkeiten, weniger Verkehr und mehr Natur sowie eine verbesserte Angebotsstruktur (Jugendcafé, Billardspiel usw.).
- Planungswerkstatt: An der eintägigen Planungswerkstatt nahmen 25 Kinder und Jugendliche im Alter von 8-16 Jahren teil. Ziel war es, Ideen und Zukunftsvisionen unabhängig von räumlichen, finanziellen und technischen Vorgaben zu entwickeln. Zu den einzelnen Bausteinen der Planungswerkstatt gehörten Stadtteilportraits, die Sammlung von Ideen und Zukunftswünschen sowie die Erstellung einer Zukunftspyramide. Die Kinder und Jugendlichen präsentierten zum Abschluss Eltern, Politikern und sonstigen Interessierten die Ergebnisse ihrer Arbeit.
- Die erarbeiteten Veränderungswünsche betrafen zumeist Maßnahmen im Straßenverkehr, die Einrichtung eines Schwimmbades, die Errichtung eines Skaterparks und die Verschönerung der Stadt sowie von Spielplätzen.
- Streifzüge: Die Streifzüge durch den Stadtteil, die eine wirkungsvolle Methode zur Erfassung und Darstellung von Bedeutungs- und Nutzungsmustern von Räumen sind, ergänzten die Mental Maps. Die Kinder und Jugendlichen dokumentierten mit einer Kamera ihre Aufenthalts- und Stressorte. Begleitet wurden sie dabei von einem Kamerateam des WDR. Die Routen wurden auf einer Karte eingetragen und die Erläuterungen protokolliert. Viele Aufenthaltsorte der Kinder befinden sich auf Schulhöfen und Spielplätzen, aber auch wohnungsnahe Freiräume und die umgebende Landschaft haben eine besondere Bedeutung im Spielverhalten.
- Vorstellung der Zwischenergebnisse in Ausschüssen: Die Ergebnisse wurden jeweils in öffentlichen Veranstaltungen unter Beteiligung der jeweiligen Vertreter der Bezirksvertretung vorgestellt. Die Ergebnispräsentationen wurden von den Kindern und Jugendlichen selbst durchgeführt, die Erwachsenen hatten hier nur organisatorische und moderierende Nebenrollen.
- Planungsgespräche mit Jugendlichen: In dieser Phase des Vorhabens konnten alle Jugendlichen anhand von konkreten Fragestellungen positive und negative Orte in Broich und Speldorf benennen und eigene Erfahrungen der Gruppe vorstellen. Die Treffpunkte, Konflikt- und Angstorte der Teilnehmer wurden anschließend in einem Plan dokumentiert.
- Die insgesamt 20 beteiligten Jugendlichen äußerten sich überwiegend positiv über ihren Stadtteil, wünschten sich aber eine Kneipe oder ein Jugendcafé.
- Eltern- und Trägerkonferenz: Die Erwachsenen, Eltern der beteiligten Kinder und Trägervertreter der beteiligten Institutionen, wurden zunächst um eine Einschätzung „Broich/Speldorf ist für Kinder und Jugendliche …“ gebeten. Anschließend arbeiteten die Teilnehmer am Plan zu direkten Fragestellungen: Was ist gut für Kinder und Jugendliche? Was ist schlecht? Was sollte verbessert werden? Trotz einer geringen Teilnehmerzahl entstand eine rege Diskussion zu den gestellten Fragen.
- Die Erwachsenen erkannten dringenden Handlungsbedarf, da das Angebot für Jugendliche eher gering ist. Es sollten eigene Treffpunkte und neue Freizeitangebote geschaffen werden, um u. a. Konflikte mit Kindern zu vermeiden.
- Entwicklung von Maßnahmen und Vorhaben: Grundlage der Entwicklung von Maßnahmen und Vorhaben ist die Bestandserhebung und -bewertung. Das Material der vorangegangenen Aktionen wurde zusammengeführt und in einem Bestandsplan dargestellt.
- Als Ergebnis entstand ein Themenplan, der die Grundlage für die Entwicklung eines Maßnahmen- und Vorhabenplans für die politische Entscheidungsebene sowie für die Verwaltung darstellt. Schwerpunkte werden dabei auf folgende Maßnahmen gelegt: Entwicklungsschwerpunkte, Brachen, Spielplätze, Stärkung von Zentren, integrierte Aufwertung von Quartieren im mehrgeschossigen Wohnungsbau, Verkehr, Grünflächen, Spiel- und Sportflächen, Angebote für Jugendliche und Beteiligung.
- Insgesamt nahmen etwa 400 Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen an den unterschiedlichen Beteiligungsformen teil. Die Altersspanne lag zwischen acht und 18 Jahren.
- Das Beteiligungsprojekt war und ist nur möglich durch die Zusammenarbeit mit den Schulen, den Tageseinrichtungen, den Jugendeinrichtungen, der Stadtteilkonferenz, den kirchlichen Jugendgruppen und interessierten Jugendlichen. Die Koordinierung der Arbeit erfolgt über die Stadtentwicklung und Jugendhilfeplanung.
- Die Kinder und Jugendlichen haben im Wesentlichen durch das beauftragte Planungsbüro „Stadt-Kinder“ aber auch über die Mitarbeiter der eingebundenen Institutionen Unterstützung erfahren. Eine weitere Hilfestellung für die Kinder und Jugendlichen wird durch die städtischen Institutionen gewährleistet.
- Die Gesamtkosten des Beteiligungsprojektes sind mit ca. 30.000 EUR zu beziffern; hierbei sind die Personalkosten der beteiligten städtischen Mitarbeiter nicht enthalten. Die Finanzierung erfolgte über Haushaltsmittel aus den Bereichen der Stadtentwicklungs- und Jugendhilfeplanung. Die Beschlüsse wurden vom Verwaltungsvorstand, dem Jugendhilfeausschuss, dem Planungsausschuss und dem Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr getroffen.
- Bereits während des Projektverlaufes sind einige Hinweise der Kinder und Jugendlichen von der Verwaltung und der zuständigen Bezirksvertretung aufgegriffen und umgesetzt worden. Dies gilt insbesondere für Straßenquerungshilfen im Bereich von Schulen. Auch die Umgestaltung des Schulhofes an einer Grundschule konnte bereits realisiert werden. Die Anregung, ein Beachvolleyballfeld anzulegen, wurde im Rahmen der politischen Beratung des Gesamtberichtes aufgegriffen und zur Realisierung vom Planungsausschuss beschlossen.
- Die Beachvolleyballanlage ist im Sommer 2008 eingeweiht worden. Weitere Projektvorschläge zur Aufwertung von Spielplatzgestaltungen sind im Rahmen der Bestandspflege umgesetzt worden.
- Auf Grund der guten Erfahrungen aus der Teilraumplanung ist dieses Beteiligungsmodell auch für einen weiteren Stadtteil (mit besonderem Betreuungsbedarf: Eppinghofen) erfolgreich eingesetzt worden.
- Die Stadt Mülheim wird 2011 die extern begleitete Entwicklung eines Spielleitplanes beginnen, wobei die Ergebnisse aus den beiden Beteiligungsmaßnahmen als wichtige Grundlage einfließen werden.
Bernd Rose
Telefon: 0208 - 45 54 503
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Stand: November 2010 |
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Bernd Rose Jugendhilfeplanung
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45466 Mülheim an der Ruhr
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