Bertelsmann Stiftung

Monheim am Rhein - Mo.Ki - Monheim für Kinder

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Nordrhein-Westfalen, Mettmann

Bevölkerung (31.12.2009)

43.065

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-1,6

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-9,4

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Hochverdichtete Kreis

Demographietyp

Stabile Mittelstädte und regionale Zentren mit geringem Familienanteil

Ausgangslage:

  • „Mo.Ki – Monheim für Kinder“ wurde von 2002 bis 2004 zunächst als Projekt der Stadt Monheim am Rhein in Kooperation mit dem Bezirksverband Niederrhein der Arbeiterwohlfahrt e. V. initiiert und erprobt. Den Anlass bildeten die gestiegenen Heimunterbringungen und eine Zielvereinbarung zum „Aufbau eines Jugendhilfenetzwerkes“.
  • Ausgangspunkt waren dabei fünf Kindertagesstätten im Berliner Viertel, einem Stadtteil von Monheim mit besonderem Erneuerungsbedarf. In diesem von der restlichen Kommune relativ abgetrennten Viertel ist jedes dritte Kind von Sozialleistungen abhängig, zwanzig Prozent der Familien sind ausländischer Herkunft.
  • Die inhaltliche Ausrichtung des Modellprojektes orientierte sich an der AWO-ISS Studie zur Kinderarmut (u. a. Hock, Beate/Holz, Gerda/Wüstendorfer, Werner (2000): Frühe Folgen - langfristige Konsequenzen? Armut und Benachteiligung im Vorschulalter. Vierter Zwischenbericht zu einer Studie im Auftrag des Bundesverbands der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt M. 2000). Hieraus ging hervor, dass eine frühzeitige Intervention in Familien mit hohem Armutsrisiko die Lebensbedingungen der Kinder und ihren Familien verbessert und ihre Entwicklungschancen positiv beeinflusst. So entstand der Wunsch neue Strukturen im Sozialraum zu entwickeln, die „weg von der Reaktion auf Defizite – hin zur Prävention als aktive Steuerung und Gestaltung“ führen sollten.

Ziele:

  •  „Mo.Ki“ verfolgt die Intention Armutsfolgen durch den Aufbau einer Präventionskette zu vermindern. Dadurch sollen Entwicklungs- und Bildungschancen von benachteiligten Kindern systematisch verbessert werden. Ziele sind insbesondere:
    • möglichst vielen Kindern eine erfolgreiche Entwicklungs- und Bildungskarriere zu eröffnen und diese abzusichern.
    • den wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg abzumildern.
    • vor allem den Kindern im Berliner Viertel eine bessere Chance auf Bildung, Erziehung und Förderung und somit auf ein selbst bestimmtes Leben zu eröffnen.
    • Kindeswohlgefährdungen zu verhindern oder möglichst früh wahrzunehmen.
    • die Gesundheitsförderung bei allen Maßnahmen zu systematisch einzubeziehen
    • Familien in ihren eigenen Kompetenzen zu stärken und zur Partizipation anzuregen.
    • Die Integration und die Teilhabe am kulturellen Leben von Familien mit und ohne  Migrationshintergund zu ermöglichen

Umsetzung:

  • „Mo.Ki“ beschreibt eine Präventionskette von der Geburt bis zur Berufsausbildung. Angepasst an erschwerte gesellschaftliche Bedingungen werden Familien über institutionelle Übergänge hinweg begleitet, ein Beratungs- und Förderangebotangebot aufgebaut, um Eltern zu unterstützen und Kinder möglichst früh zu stärken.
  • Um nachhaltige Erfolge in der pädagogischen Arbeit zu erzielen, werden die Fachkräfte trägerübergreifend qualifiziert und ein Netzwerk mit zahlreichen Kooperationspartnern aufgebaut.

Abb.1: Präventionskette „Von der Geburt bis zum erfolgreichen Berufseinstieg“  (vgl. » www.monheim.de/moki, Stand 22.04.2009).

 

Leitlinien entwickeln/Bedarfe erkennen:

  • „Mo.Ki“ versteht sich als lernendes Projekt. Es setzt auf die Nachhaltigkeit und die Umsetzbarkeit einzelner Konzepte und zeichnet sich durch eine prinzipielle Offenheit für die Erweiterung durch weitere Akteure aus.
  • Durch den systematischen Aufbau eines Trägernetzwerkes werden alle in den kindlichen Bildungs- und Entwicklungsprozess involvierten Akteure einbezogen und auch niederschwellige Bildungsangebote entwickelt. Dabei baut „Mo.Ki“ auf bereits vorhandenen Strukturen auf.
    • Das Projekt begann mit einer Kick-off-Veranstaltung zur gemeinsamen Problemdefinition und Erarbeitung erster Handlungsschritte.
    • In den Prozess der Zielfindung wurden durch Befragungen möglichst viele Institutionen der Kommune einbezogen. Handlungsbedarfe werden zum einen auf Basis der Erfahrungswerte der Fachkräfte definiert. Darüber hinaus werden durch Auswertung von Datenmaterial (z. B. Bedarfsanalysen), durch Ideensammlungen, durch den Austausch mit Institutionen und durch eine enge Kooperation mit der Jugendhilfeplanung relevante Handlungsbereiche ermittelt.
    • Aus diesem Prozess ergaben sich drei Handlungsfelder:

      • Ausbau präventiver Angebote für Kinder in den fünf Kindertagesstätten des Berliner Viertels
      • Maßnahmen der Elternberatung und Elternbildung zur Ressourcenstärkung von Familien
      • Koordination und Vernetzung von bereits existierenden Angeboten im Stadtteil und Anregung und Unterstützung neuer Initiativen
  • Knotenpunkt der sozialraumorientierten Vernetzung des Projekts waren zunächst die fünf Kindertageseinrichtungen des Berliner Viertels als besonders geeignete Orte niedrigschwelliger Angebote.
  • Im Verlaufe des Projektes wurde die Präventionskette erweitert und erstreckt sich durch die  „Frühe Förderung von Anfang an“, d.h. ab der Geburt (Mo.Ki 0: 0-3 Jahre; seit 2008) über die Kindertageseinrichtungen (Mo.Ki I: 3-6 Jahre; seit 2002) bis zu den Grundschulen (Mo.Ki II: 6-10 Jahre; seit 2005) erstreckt. Bis zum Jahr 2012 ist geplant, die Angebote auf weiterführende Schulen (Mo.Ki III: 10-16 Jahre) und den Berufseinstieg (Mo.Ki IV: > 16 Jahre) auszuweiten.

 

Steuern und Koordinieren

  • Wichtige Treiber für das Projekt stellen die Jugendamtsleitung und der Jugendhilfeausschuss, der Bürgemeister und die AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. dar.
  • Regiestelle ist die im Berliner Viertel in direkter Anbindung an eine Kindertagesstätte eingerichtete Koordinierungsstelle der Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Monheim. Die Netzwerkkoordination arbeitet möglichst unabhängig und neutral. Sie gibt fachliche Inputs, begleitet Arbeitskreise, koordiniert Initiativen, Ideen, Angebote und Vorschläge einzelner Träger und stellt sie allen Netzwerkmitgliedern zur Verfügung. Sie bindet bereits vorhandene Angebote im Viertel ein, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und stellt somit Transparenz sicher. Zudem verwaltet die Koordinatorin die Finanzmittel für die Umsetzung der einzelnen Angebote.

 

Kooperieren im Zusammenspiel verschiedener Netzwerke

  • Der netzwerkorientierte kommunale Präventionsansatz soll einen systematischen Umbau der Kinder- und Jugendhilfe insgesamt zum Ergebnis habe – weg von der Reaktion auf Defizite hin zur Prävention als aktive Steuerung und Gestaltung.
    •  „Mo.Ki“ stellt ein lebendiges, angebots- und trägerübergreifendes Kooperationsnetzwerk mit einer Vielzahl von Partnern dar (Stadt Monheim am Rhein, freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Quartiersmanagement, Sport-, Kultur, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Kreisbehörden, überregionalen Akteure, Schulen, Ehrenamtlichen, Kindertagesstätten, Familienbildungs- und -beratungseinrichtungen).
    • Die fünf Kindertagesstätten verschiedener Träger haben sich bereits 2003 zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. 2006 schlossen sie sich unter dem Namen „Mo.Ki – das Familienzentrum der fünf Kindertagesstätten im Berliner Viertel“ dem Programm der Landesregierung NRW zur Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren (vgl. » www.familienzentren.nrw.de, Stand 1.4.2009) an. Es besteht somit eine enge Kooperation aller Kindertageseinrichtungen im Stadtteil, wobei die Regiestelle zur fachlichen Beratung und Unterstützung zur Verfügung steht.
    • In Arbeitskreisen zur Prävention tauschen sich die Akteure der Monheimer Kinder- und Jugendhilfe, der Schulen und der sozialen Arbeit aus und entwickeln systematisch neue Konzepte und Arbeitsstrukturen.

Partizipation schaffen

  • Durch Bedarfsabfragen (z. B. in Form von Fragebögen), persönliche Rückmeldungen bei Angeboten (z. B. Morgenkreis und Elterncafé), Interviews bei besonderen Projekten und die Auswertung von Veranstaltungen sichert „Mo.Ki“ die Partizipation von Kindern und Familien.

 

Bausteine entwickeln

  • „Mo.Ki“ vereint eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote in Kindertagesstätten, Schulen, Familienbildungseinrichtungen, Beratungsdiensten, kommunalen Behörden. Es verfügt über ein Bausteinsystem mit präventionsorientierten Aktivitäten für Kinder, Eltern, Fachkräfte und im Sozialraum:
    • Mo.Ki für Kinder (Frühe Förderung als Prävention: z. B. Sprach-, Bewegungs- und Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen; Begrüßung von Neugeborenen im Monheimer Stadtgebiet)
    • Mo.Ki mit und für Eltern (Beratungs- und Bildungsmöglichkeiten: z. B. Sprachförderkurse für Erwachsene; Sprechstunde der Familienhebamme)
    • Mo.Ki für Familien (Stärkung der Elternkompetenzen: z. B. FuN – Familie und Nachbarschaft)
    • Mo.Ki für Fachkkräfte (Qualifizierung und Vernetzung, Fortbildung in Gesprächsführung, Leitungsrunden der Kindertageseinrichtungen, etc.)
    • Mo.Ki im Sozialraum (z. B. Gemeinschaftsprojekte als stadtteilübergreifendes bürgerschaftliches Engagement, Interkulturelle Öffnung des Stadtteils)
    • Mo.Ki gestaltet Übergänge (z. B. zweisprachige Mutter-Kind-Gruppen)

In der Politik verankern

  • „Mo.Ki“ ist im städtischen Leitbild (Zielkonzept 2020) im Rahmen des Ausbaus der präventiven Angebote als langfristiges Ziel verankert. Dies sichert die kommunale Unterstützung auf höchster Ebene. Das Projekt wird so als ein zentraler Baustein für eine nachhaltige Familien-, Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik der Stadt Monheim anerkannt.
  • Eine regelmäßige Berichterstattung im Jugendhilfeausschuss und eine Unterstützung durch den Bürgermeister gewährleisten einen Rückhalt im politischen Rahmen.
  • Bei der Konzeptentwicklung wurde bewusst darauf geachtet, die strategische Ebene und die operative Ebene miteinander zu verbinden.

Rahmenbedingungen und Finanzierung sichern

  • Seit Januar 2005: 1 Vollzeitstelle als unabhängige Stabsstelle neben der Jugendhilfeplanung, eingegliedert in die Regelstruktur der Monheimer Kinder- und Jugendhilfe
  • Allein für das Projekt Mo.Ki I, „das Familienzentrum der fünf Kindertagesstätten im Berliner Viertel“ stehen eine kommunale Ausstattung von 15.000 Euro jährlich zur Verfügung. Dazu kommen 24.00 Euro an Landesförderung für Familienzentren. Zusätzliche Einnahmen werden durch Spenden erzielt.
  • Inanspruchnahme von Projektmitteln durch Antragstellungen (z. B. Fördermittel des LVR als Initialförderung)

Erfolge:

  1. Aus der Evaluation des Projekts ergab sich: Die Lebensqualität für Kinder und Familien hat sich verbessert. Es lässt sich behaupten, dass eine Vielzahl von Eltern an Bildungsangeboten wie z. B. Elternkursen teilnimmt, die nie aus eigener Motivation heraus eine Bildungsstätte aufgesucht hätten. Sowohl die Zahl übergewichtiger Kinder als auch die Zahl der Fremdplatzierungen ist zurückgegangen. Die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen stieg an. Auch meldeten mehr Familien mit Migrationshintergrund ihre Kinder früher in Kindertageseinrichtungen an.
  2. Innerhalb der Kommune ist die Vernetzung der unterschiedlichen Bereiche deutlich stärker geworden. Sie wurde intensiver, indem gemeinsam Projekte entwickelt werden. Auch folgen Ämter, Träger und Einrichtungen einem gemeinsamen Leitgedanken, woraus einrichtungsübergreifende Arbeitsstrukturen zur Gestaltung des Sozialraumes entstanden sind.
  3. Auszeichnungen: Als Good Practice wird „Mo.Ki“ 2004 im Länderbericht der Studie „Starting Strong“ der OECD hervorgehoben. Das Projekt war Gewinner des Deutschen Präventionspreises (2004), gewann den ersten Preis im Wettbewerb „Alle Talente fördern“ von Mc Kinsey 2005, den 2. Preis in Beruf und Technik „Innovative Betreuungsmodelle“ 2006 und ist Best-Practice-Einrichtung im Landesprojekt Familienzentrum NRW.
  4. ca. 98 % aller Familien mit Neugeborenen Kindern werden besucht und erhalten   umfassende Informationen (Ordner) und Geschenke und Gutscheine.
  5.  10% mehr Grundschüler/innen erhielten eine Gymnasial-Empfehlung 
  6.  Ausbau der Qualifizierung der „Marte Meo“ Methode: Familienhebammen, Familienbildnerinnen, Erziehrinnen in Familienzentren, Kindertagesstätten, OGATA und Sozialpädagog und -arbeiter/innen im Jugendamt (Pflegekinder)
  7.  Die Umsetzung des neuen Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung und trägerübergreifende Qualifizierung zur Kinderschutzkraft aus Schulen, Kitas Beratungsstellen und Jugendamt
  8.   Entwicklung eines Leitfadens für Familienzentren/Kindertagesstätten und Schulen bei „Auffälligen Kindern und Kindeswohlgefährdung“ mit dem Jugendamt
  9. Evaluation und wissenschaftliche Begleitung des Modellprojektes Mo.Ki – unter drei
  10.  Auszeichnungen: Als Good Practice wird „Mo.Ki“ 2004 im Länderbericht der Studie „Starting Strong“ der OECD hervorgehoben. Das Projekt war Gewinner des Deutschen Präventionspreises (2004), gewann den ersten Preis im Wettbewerb „Alle Talente fördern“ von Mc Kinsey 2005, den 2. Preis in Beruf und Technik „Innovative Betreuungsmodelle“ 2006 und ist Best-Practice-Einrichtung im Landesprojekt Familienzentrum NRW.

Kontakt:

Inge Nowak

Telefon: 02173 - 68 75 14

› Mail

 

Weitere Informationen:

» Mo.Ki

» Preisträger Deutscher Präventionspreis 2004

» Best-Practice Einrichtung Familienzentrum NRW

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Oktober 2010

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Inge Nowak
Koordinatorin

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40789 Monheim am Rhein

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