Bertelsmann Stiftung

Lübecker Bildungsfonds

Demographie-Profil:

Bundesland

Schleswig-Holstein

Bevölkerung (31.12.2009)

209.818

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-1,6

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-2,8

Räumliche Einordnung

Verstädterte Räume - Kernstädte

Demographietyp

Schrumpfende Großstädte im postindustriellen Strukturwandel

Ausgangslage:

  • Der „Armuts- und Sozialbericht der Hansestadt“ dokumentiert 2006 für Lübecker Kinder und Jugendliche eine Armutsquote von über 30 Prozent.
  • Unter den rund 200.000 Einwohnern befinden sich etwa 32.000 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren
  • Strukturelles Haushaltsdefizit: 125 Millionen Euro
  • Neben der Frage, wie der ökonomische und gesellschaftliche Strukturwandel in dieser mittleren Großstadt mit reicher Stiftertradition gelingt, rückt die Überlegung, wie man in Lübeck Kräfte bündeln kann, um Kindern und Jugendlichen möglichst optimale Bildungsmöglichkeiten zu eröffnen, ins Zentrum des Denkens und Handelns. Das Motto lautet stets: Vom Kind aus handeln. In den Diskussionsprozess sind alle eingebunden, die in irgendeiner Weise mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt sind.
  • 2008 entstand im Konsens mit den Stiftungen erstmals die Idee eines Unterstützungsmodells, das gezielt, unbürokratisch und schnell dazu beitragen sollte, Bildungsarmut von Kindern und Jugendlichen und damit mangelnde gesellschaftliche Teilhabe mit all seinen Konsequenzen zu bekämpfen. Das war die Geburtsstunde des bundesweit einzigartigen „Bildungsfonds“

 

 

Ziel:

  • Allen Kindern wird ungeachtet ihrer sozialen Herkunft der bestmögliche Zugang zu Bildung ermöglicht.
  • Vermeidung von Diskriminierung und Stigmatisierung: Der Gang zum „Amt“ ist nicht erforderlich. Die pädagogischen Fachkräfte sind Ansprechpartner der Eltern. Sie wissen am besten, was die Kinder brauchen und wie das Elternhaus mit eingebunden werden kann. Sie können auch in Einzelfällen ohne die Eltern aktiv werden
  • Bündelung der Kräfte und Finanzen
  • Stärkung der Steuerungs- und Entscheidungskompetenzen von Kindertagesstätten und Schulen
  • Enge Kooperation von Land, Kommune, Stiftungen und Jobcenter

 

 

Umsetzung:

  • In den Bildungsfonds fließen jährlich ca. zwei Millionen Euro von Stiftungen (53 Prozent), Kommune, Land und Einzelspendern sowie rund 700.000 Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung
  • Alle Kindertagesstätten und Schulen erhalten einen Vorschuss, der bei Bedarf aufgestockt werden kann und entscheiden eigenverantwortlich, ob und wie Kinder, bzw. deren Eltern Unterstützungsbedarf haben.
  • Unterstützung beantragen können Familien,
    • die Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe beziehen;
    • ein ermäßigtes Betreuungsentgeld in Kitas bezahlen;
    • Wohngeld erhalten oder
    • ihren Kindern wichtige Bildungsangebote finanziell nicht ermöglichen können.
  • Bezuschusst werden u.a. Sprachförderung, Mittagessen, Klassenausflüge, Schulbeiträge, Arbeitsmaterialien, Musik- und Sportangebote, zusätzliche Bildungsangebote, Nachhilfe, Schulnetzwerke und der Ausbau der Ganztagsangebote an Schulen (Schule als Lebens- und Lernort).
  • Unterstützungsberechtigte können den einseitigen Antrag, der für alle möglichen Leistungen eines Jahres gilt, in der Kita oder Schule stellen.
  • Kita und Schule rechnen halbjährlich mit der Stadtverwaltung ab.
  • Nicht verbrauchte Mittel können ins nächste Jahr übertragen werden.
  • Die Hansestadt übernimmt die Verwaltung, Abrechnung und die stichprobenartige Kontrolle der Anträge.
  • Der Beirat Lübecker Bildungsfonds überprüft die sachgerechte Verwendung der Mittel und entscheidet jährlich über die konzeptionelle Fortschreibung des Fonds. Dem Beirat gehören Vertreterinnen und Vertreter der Stiftungen, der Hansestadt, des Jobcenters und die Schulräte an
  • Die Mittel des BuT, die in den Fonds einfließen, werden zwischen der Verwaltung der Hansestadt und dem Jobcenter auf direktem Weg geprüft und abgerechnet
  • Eine Besonderheit des Fonds: Kinder aus Familien, die „offiziell“ keinen Anspruch auf Leistungen haben, können, wenn sie plötzlich und vorübergehend in eine Notsituation geraten, ebenfalls gefördert werden.
  • Eine weitere Besonderheit: Wenn Eltern von sich aus keine Initiative ergreifen mögen, um Unterstützung zu erhalten, können Erzieher/innen und Pädagog/innen auch von sich aus aktiv werden.

 

 

Erfolge:

  • Bildung einer Verantwortungsgemeinschaft zwischen Kommune und Stiftungen, in der Einzelinteressen einem übergeordneten gemeinsamen Interesse untergeordnet werden
  • Entwicklung einer neuen, auf Offenheit und Vertrauen basierenden Entscheidungs- und Kommunikationsstrategie
  • Allseitige Bereitschaft, Verantwortung und damit auch Macht abzugeben, aber auch zu übernehmen
  • Große Bereitschaft aller Handelnden, speziell auch in Kindertagesstätten und Schulen, den Verwaltungsmehraufwand im Interesse der Kinder und Familien zu übernehmen. Die Erkenntnis setzte sich durch, dass diejenigen, die am nächsten dran sind, am besten entscheiden können, ob und welcher Förderbedarf besteht
  • Abbau und Verhinderung von Parallelstrukturen. Ganz wesentlich: die Bereitschaft des Jobcenters die Unterstützung durch Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket über den Bildungsfonds abwickeln zu können
  • Die Kommune schlägt dem Beirat des Bildungsfonds in enger Abstimmung mit der kommunalen Bildungsplanung weitere Förderschwerpunkte vor. Der Bildungsfonds entwickelt sich so schrittweise zu einem wichtigen Instrument der gemeinsamen Gestaltung von Inhalten und struktureller Bildungsgerechtigkeit.

 

 

Akteure

  • Hansestadt Lübeck
  • sechs Stiftungen (Possehl-Stiftung, Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck, Michael-Haukohl-Stiftung, Margot und Jürgen Wessel-Stiftung, Friedrich Bluhme und Else Jebsen-Stiftung, Reinhold-Jarchow-Stiftung
  • das Land Schleswig-Holstein
  • Jobcenter Lübeck
  • alle Kindertagesstätten und Schulen

 

 

Kontakt:

Elke Woitke

Telefon: 0451 – 12 25 740

› Mail

 

Weitere Informationen:

» Bildungsfonds Lübeck

 

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand:November 2011

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Elke Woitke

Schildstraße 12

23539 Lübeck

Telefon: 0451 – 12 25 740

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