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Bundesland |
Sachsen |
Bevölkerung (31.12.2009) |
518.862 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
4,9 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
8,8 |
Räumliche Einordnung |
Agglomerationsräume - Kernstädte |
Demographieprofil |
Aufstrebende ostdeutsche Großstädte mit Wachstumspotenzialen |
Die Lebensbereiche für Kinder werden in den meisten Fällen von Erwachsenen geplant. Dabei werden Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen häufig nicht erkannt bzw. bewusst ignoriert. Zum Aufwachsen in einer demokratischen Gesellschaft gehört jedoch die frühe Beteiligung an der Gestaltung der für Kinder und Jugendlichen wichtigen Lebensbereiche (vgl. KJHG § 8, Abs. 1). Das betrifft z.B. Mitentscheiden bei der Stadt- und Verkehrsplanung, in der Wohn- und Spielraumgestaltung, im Freizeit- und Umweltbereich und im weiteren Sinne in der Kinder- und Jugendpolitik. Die Ausgangsbedingungen in Leipzig sind günstig: es gibt eine Dienstanweisung des Oberbürgermeisters, in der die Kinderbeteiligung als Regelaufgabe festgelegt ist. Außerdem wurde ein zweijähriger städtischer Modellversuch durch das Leipziger Kinderbüro durchgeführt, in dem Jugendbeiräte in zwei Stadtbezirksbeiräte der Stadt implementiert wurden. Die Stadtverwaltung unterstützt außerdem Partizipationsprojekte in Gebieten der Sozialen Stadt. Das Leipziger Kinderbüro besteht seit 1997. Es ist aus einem Bund-Länder-Modellversuch (1994-1996) mit dem Titel „Kinder planen ihren Stadtteil“ hervorgegangen. Aufgrund der Ergebnisse des Modellversuchs wurde ein eingetragener Verein gegründet, der den kinderzentrierten Partizipationsansatz übergreifend und nachhaltig fortführt. Es arbeitet als anerkannter Träger der Freien Jugendhilfe mit Kindern und Jugendlichen in der Alterspanne 6-18 Jahren in Stadtvierteln mit erhöhtem Erneuerungsbedarf (Innerer Süden, Grünau, Gebiete des Leipziger Westens).
Die Erhöhung der fachlichen Kompetenz von Kinder und Jugendlichen durch unmittelbare Beteiligung an der Stadterneuerung in Richtung kinderfreundliche Stadt. Die Erhöhung der sozialen Kompetenz durch projektbezogene kommunikative Strukturen. Förderung von Engagementbereitschaft und des Vertrauens in demokratische Institutionen (z.B. Kinderversammlung, Jugendbeirat). Alle durchgeführten Projekte sind nachhaltig und bereiten Kinder und Jugendliche auf das politische Erwachsenenleben vor. Die Identifikation der jüngeren Bewohner mit ihrem Stadtteil durch unmittelbare Beteiligung wirkt der Segregation entgegen. Die Belebung des Gemeinwesens durch Möglichkeiten des generationsübergreifenden Dialogs mit Stadtteilbewohnern. Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der sozialen Situation der Stadtteilbewohner durch gezielte Projektarbeit. Die Beratung und umsetzungsorientierte Hilfe für Verwaltung und Stadtteilinitiativen bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie die Organisation eines generationsübergreifenden Dialogs.
Vorgehensweisen sind die Kontaktaufnahme mit Kindereinrichtungen und Schulen, Informationsarbeit für Eltern/Alleinerziehende, die Vermittlung zwischen verschiedenen Ämtern der Stadt Leipzig (insbesondere Bau- Planungsämter), kommunalen Einrichtungen, Organisationen und Initiativen, die für Kinder und Jugendbelange tätig sind. Außerdem wurden innovative Projekte durch deutschlandweite und ausländische Förderer unterstützt. Die Vernetzung des Kinderbüros mit anderen Initiativgruppen und mit Bürgerbüros, die Organisation von Kinderratssitzungen und Kinderanhörungen sowie breite Öffentlichkeitsarbeit sind ebenso wichtige Bausteine. Bearbeiterteams, die aus interessierten Kindern und Jugendlichen sowie Mitarbeitern des Kinderbüros, ermitteln gemeinsam relevante Themen, die in die Projektarbeit einfließen. Dabei handelt es sich vor allem um umsetzungsorientierte und kurzfristig realisierbare Projekte, an denen nicht nur Kinder und Jugendliche im Alter von 6-18 Jahren und deren Eltern, sondern auch Bewohner des Stadtteils teilnehmen und profitieren können. Alle Projekte gehen konsequent vom Kinderwillen aus. Das Leipziger Kinderbüro übernimmt hauptsächlich eine Moderatorenfunktion. Es vermittelt, verstärkt und stellt Kontakte zwischen den Kindern und den Entscheidungsträgern her. In erster Linie waren und sind die Kinder und Jugendlichen die Hauptakteure der verschiedenen Projekte. Ohne deren motivierten Einsatz wären viele Vorhaben nicht durchführbar gewesen. Weitere wichtige Beteiligte sind die Partner im kommunalen Netzwerk. Das Leipziger Kinderbüro realisiert folgende Projekte (vgl. Konzeption 2010 des Leipziger Kinderbüros)
- Stadterkundungen
Projektbeispiele: Stadtdetektive erkunden ihr Wohngebiet nach Schwachstellen, Gender mainstreaming: Wo ist es für Mädchen gefährlich, Aktion Kinderstadtplan - Spielplatzplanungen und Schulhofumgestaltungen,
Projektbeispiele: Wo dürfen Kinder spielen: Heiße Diskussionen mit Omis und Opis, Ein Schulhof zum Wohlfühlen, Zwischennutzung von verlassenen Brachflächen - Spielraumkonzept Innenstadt Leipzig Sicherung des Beteiligungsprozesses bei der Planung und Umsetzung von Spielflächen in der Innenstadt Leipzig
Aufspüren von Verkehrsproblemen für Kinder Projektbeispiele: Hier kracht`s - Gefahren im Stadtteil, Meine Skateboardwege, Fahrt frei für Pedalritter Analyse von Stadtplätzen und Hinterhöfen Projektbeispiele: Grüne Hinterhöfe - Hausbesitzer und Planer in der Mangel, Ein Platz in der Mitte für alle Auswerten von Umfragen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Projektbeispiele: Kinderfreundliche Straße - wie soll sie aussehen, Mein Wohngebiet cool oder uncool, Meine Wohnung: Ist sie wirklich kinderfreundlich, Meine Lieblingssorte Drehen von Videofilmen/ Schreibprojekte über das Leben von Kindern in den Stadtvierteln Projektbeispiele: "Kinderstraßen - die Straße in der ich wohne" - ein Schreibprojekt für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren Analyse des Stadtgrüns Projektbeispiele: Frische Luft: Wo fehlen Bäume und Sträucher, Mein Freund der Baum Hausfassaden Projektbeispiele: Unser Stadtviertel muss bunt sein (Sprayerprojekte), Wir lassen unsere Schule einfach zuwachsen, Wie viel Grün hält unser Stadtgebiet aus Modellbau Projektbeispiele: Brachflächengestaltung, Unser Schulhof, Lehr und Erlebnispfade in der Stadt Kinderfreundliche Hausordnungen Kooperation mit Hausverwaltungen Kinderfreundliche Verwaltungen Eine gemeinsame Aktion mit dem Familieninfobüro der Stadt Leipzig (Bestandsaufnahme und Ideenentwicklung zur Umsetzung einer kinderfreundlichen Verwaltung) Meine, deine unsere Kinderrechte Projektangebote für Grundschulen, Mittelschule und Gymnasien zur Bekanntmachung und Umsetzung der UN-Kinderrechtkonvention Beratungsleistungen zur Partizipation Projektbeispiele: Jugendbeiräte im Leipziger Westen, Fachstelle für Partizipation und Demokratielernen
Die Projekte des Leipziger Kinderbüros fördern grundsätzlich das Verständnis zwischen Alt und Jung durch vom Leipziger Kinderbüro systematisch durchgeführte generationsübergreifende Dialoge. Kinder und Jugendliche erfahren eine positive Wahrnehmung auf ihr Engagement im Stadtteil und werden dadurch motiviert sich weiter für ihr Lebensumfeld einzusetzen. Bei Stadtangestellten erhöht sich das Verantwortlichkeitsgefühl bei kinderrelevanten Projekten. Bei den Eltern beteiligter Kinder und Jugendlicher entwickeln sich Zuversicht in die Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenz ihrer Kinder. Die Lehrpersonen setzen für Schulprojekte stärker auf Partizipation. Einige große Erfolge waren: 2000: Die internationale Kinderrechtskonferenz mit 250 Kindern und Erwachsenen im Leipziger Rathaus. 2005/2006: Die Arbeit von Jugendbeiräten in den Stadtbezirksbeiräten und in Ortsbeiräten Leipzigs. 2001-2006: Die Mitarbeit des Leipziger Kinderbüros und daraus folgend vielfältige substantielle Verbesserungen für Kinder und Jugendliche in der „Europäischen Gemeinschaftsinitiative Urban“ und in der „Sozialen Stadt“. 1999-2006: Der Bau sowie die Installation von Kinderwegweisern für Leipzig. Seit 2009 Beteiligung an der Verleihung des Familienfreundlichkeitspreises/Einberufung einer Kinderjury 2008 Umgestaltung des Clara-Zetkin-Parks in Leipzig Mitarbeit "Notenspur für Kinder" in der Innenstadt Leipzigs Entwicklung und Durchführung eines Anti-Agressionstrainings Mitgestaltung des Spielplatzes am Sachsenplatz "Spielen am Wegrand" (Spielraumkonzept Innenstadt Leipzig) Dazu kamen noch viele kleine Projekte, die die Aufenthaltsqualität der Kinder in der Stadt verbessern halfen.
Samira Winkler/Susann Pruchnik
Telefon: 0341 - 33 75 666
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- Literatur des Leipziger Kinderbüros (herausgegeben von Gerhard Lehwald):
- (2007) Wohnumfeldgestaltung mit Kinder - Lust oder Frust? in R. Thomsen (Hrsg.), Kinder bauen Ihre Stadt. Dokumentation zur Fachtagung. Hamburg: Thomsen-Stiftung.
- (2005) Der Leipziger Kinder- und Familienfreundlichkeitscheck Stadt Leipzig: Jugendamt und Leipziger Kinderbüro.
- (2004) Das Leipziger Kinderbüro - wichtiger Akteur im URBAN-Erneuerungsgebiet. In Leipziger Sanierungratgeber, VSR Verlag, S. 48-50.
- (2002) Eine Stadt als Spielraum - Leitfragen der Kinderbeteiligung. In Reihe Stadterneuerung. Stadt Leipzig: Der Oberbürgermeister.
- (2001) Partizipation und Demokratielernen in einem Stadtteilbüro für Kinder: Das Leipziger Kinderbüro. In Pädagogisches Handeln. Wissenschaft und Praxis im Dialog (Heft 5). Rostock: Universität, S. 71-80.
- (2001) Beteiligung schafft Motivation und Identifikation. Wohnumfeldgestaltung mit Kindern. Corax - Magazin für Kinder und Jugendarbeit. Heft 9, S.8-13.
- (1999) Kinder gestalten ihre Stadt. Reihe Sanierungsgebiete. Stadt Leipzig Der Oberbürgermeister.
- (1998) Kinder bauen mit. Stadterneuerung in Leipzig - ein neues Beteiligungsfeld für Kinder und Jugendliche, Bundesbaublatt, 9, S. 59 – 63.
- (1997) Planen mit Kindern und Jugendlichen. Kommentierter Tagungsbericht. Leipzig: Leipziger Kinderbüro.
- (1997) Beteiligungsmodelle: Kinder- und Jugendbeiräte, -foren und -parlamente. In Palentin, C. & Hurrelmann, K.(Hrg.), Jugend und Politik. Berlin: Luchterhand.
- (1996) Können Kinder ihren Stadtteil planen? In: Mansel (Hrsg.), Glückliche Kindheit - Schwierige Zeit?. Opladen: Leske + Budrich.
Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
Stand: September 2010 |
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Samira Winkler Susann Pruchnik
Leipziger Kinderbüro e. V.
Rietschelstraße 2
04177 Leipzig
Telefon: 0341 - 33 75 666
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