Bertelsmann Stiftung

Landkreis Holzminden - Modellregion für die aktive Gestaltung des demographischen Wandels

Demographie-Profil:

Bundesland

Niedersachsen

Bevölkerung (31.12.2010)

73.240

Entwicklung 2004-2010 (in %)

-8,1

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-15,8

Räumliche Einordnung

Verstädterte Räume - Ländliche Kreise

Demographietyp

Demographietypen und darauf aufbauende Handlungskonzepte werden nur für Gemeinden bzw. Städte gebildet.

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Seit 1970 hat der Landkreis rund 17 % seiner Einwohnerinnen und Einwohner verloren. Bis 2025 werden es weitere 20 % sein. Dann wird der Landkreis, der in seinen Hochzeiten Anfang der 70er Jahre des letzen Jahrhunderts 89.000 Menschen zählte, voraussichtlich nur noch 60.000 Einwohnende zu verzeichnen haben.
  • Es werden zu wenige Kinder geboren, zu viele Menschen, insbesondere Junge, verlassen den Landkreis, der Anteil an Älteren Menschen der Gesamtbevölkerung steigt weiter an. Fazit: Der Landkreis schrumpft und altert 
  • Das hat Auswirkungen auf alle Bereiche kommunalen Handelns, angefangen vom sich weiter einschränkenden finanziellen Handlungsspielraum, über einen dem Bevölkerungsrückgang entsprechenden sinkenden Bedarf an den Dienstleistungen der Kreisverwaltung bis hin zu sich verändernden Bedürfnissen hinsichtlich Kinderbetreuung und Schulraum, sozialer Infrastruktur, öffentlichem Personennahverkehr oder altengerechten Wohnformen und Pflegeeinrichtungen

Ziel:

  • Vor diesem Hintergrund hat sich der LK Holzminden entschlossen, die gesamte Kreispolitik auf den demographischen Wandel auszurichten. Dabei werden folgende Ziele verfolgt:
    • Erhalt der Bevölkerungsstrukturen und der Arbeitsplätze
    • Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit des Landkreises

Strategie:

  • Folgende Bausteine gehören zur Gesamtstrategie:
    • Entwicklung eines strategischen Grundsatzprogramms, dass den Wirtschafts- und Lebensstandort Landkreis Holzminden stärken und den finanziellen Handlungsspielraum des Landkreises auch für die Zukunft sichern soll. 
    • Sensibilisierung unterschiedliche Akteure aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft für die Thematik
    • Initiierung von Demographieprozessen in den Mitgliedsgemeinden
    • Positionierung des Landkreises als Modelregion für die aktive Gestaltung des demographischen Wandels
    • Durchführung von zwei Pilotprojekten und eines Handlungsschwerpunkts unter Beteiligung der Politik, der Mitgliedsgemeinden und der Wirtschaft:
      • Pilotprojekt A: Erhalt/Schaffung von Arbeitsplätzen
      • Pilotprojekt B: Intensivierung kommunaler Kooperationen
      • Handlungsschwerpunkt: Familienfreundlichkeit
  • Weserberglandplan 2009 - 2013: Kooperationsprojekt des Landkreises mit den kreisangehörigen Kommunen zur Verbesserung der Bildungschancen sowie der verkehrlichen Erreichbarkeit und des ÖPNV, zur Nutzung erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe sowie zur Verbesserung der Energieeinsparung und des Klimaschutzes.

Meilensteine:

  • des internen Prozesses
    • 01-05/05: Sensibilisierungsphase
    • 03-06/05: Erstellung eines Strategischen Grundsatzprogramms zur Ausrichtung der Kreispolitik auf den demographischen Wandel
    • 11.07.05: Verabschiedung des Strategischen Grundsatzprogramms im Kreisausschuss
    • 07-09/05: Bildung von Handlungszielen 2006 in den Ämtern
    • 13.09.05: Abstimmung der Handlungsziele 2006 in der Ämterkonferenz/Klärung von Zuständigkeiten
    • 10.10.05: Verabschiedung des Strategischen Grundsatzprogramms im Kreistag
    • Kontraktmanagement zur Haushaltsaufstellung 2007
  • des externen Prozesses
    • 07-08/05: Erstellung eines Demografieberichts
    • 12.09.05: Start des Pilotprojektes „Intensivierung kommunaler Kooperationen“
    • 27.09.05: Start des Pilotprojektes „Erhalt/Schaffung von Arbeitsplätzen“
    • Sept./Okt. 05: Informationsveranstaltungen zur demographischen Entwicklung und daraus resultierenden Handlungserfordernissen in den Mitgliedsgemeinden
    • 21.11.05: Auftaktveranstaltung für regionale Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Soziales
    • Bis 05/06: Festlegen von Handlungsfeldern und Handlungsstrategien, Erarbeitung eines Projektkatalogs in Arbeitsgruppen
    • 06/06 – 12/11: Umsetzung von Handlungsstrategien und Projekten
    • 01/2008 Expertise zur Weiterentwicklung der Kindertagesstätten im Landkreis Holzminden
    • 2009: Teilnahme am Modellprojekt Planungskooperation der Regionalen Entwicklungskooperation Weserberglandplus, Gestaltung der Daseinsvorsorge im demographischen Wandel
    • 2010 – 2012 Teilnahme am Modellprojekt „Umbau statt Zuwachs“ zur regional abgestimmten Siedlungsentwicklung von Kommunen im Bereich der Regionalen Entwicklungskooperation Weserberglandplus

Akteure:

  • des internen Prozesses
    • Landrat (als Initiator des Prozesses)
    • Team der Strategischen Planung (als Prozesskoordination)
    • Dezernatsleitungen (über Protokolle, Dezernatskonferenz und Strategieklausurtagung)
    • Amtsleitungen (über Ämterkonferenz und Strategieklausurtagung)
    • Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (über Dienstbesprechungen, Mitarbeiterzeitung und Intranet)
    • Kreistagspolitik (über Kreisausschuss und Informationsveranstaltung)
  • des externen Prozesses
    • Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport
    • Regierungsvertretung Hannover/Nienburg
    • Regionale Wirtschaft (insbesondere Wirtschaftsausschuss der IHK, Handwerks- und Wirtschaftsjunioren, Kreishandwerkerschaft, Personalabteilungen und Betriebsräte führender Unternehmen)
    • Hauptverwaltungsbeamte der Mitgliedsgemeinden
    • Regionale Entwicklungskooperation Weserbergland
    • Fachhochschule Holzminden
    • Bau- und Siedlungsgesellschaft
    • Bertelsmann Stiftung (praxisorientierte Begleitung)
    • Weitere Wirtschafts- und Sozialpartner, gesellschaftlich relevante Gruppen und Einzelakteure

Umsetzung:

  • Zur Umsetzung des Weserberglandplans werden nachstehende Arbeitsstrukturen genutzt:

Bürgerbeteiligung:

  • 25.03.2006 – Zukunftsforum
  • 11.03.2008 – Infoveranstaltung Siedlungsflächenentwicklung im Landkreis Holzminden
  • 15.04.2008 – Verkehrstag
  • 04.11.2010 – Erste Bildungskonferenz für den Landkreis Holzminden

Finanzierung:

  • 0,5 % der Haushaltsmittel des Verwaltungshaushalts des Landkreises wurden bis 2007 jährlich für den Demografieprozess reserviert.
  • Von 2009 bis 2013 trägt der Landkreis Holzminden jährlich mit 400.000 € zum Weserberglandplan bei.

Erfolg:

  • Aufnahme des Landkreises Holzminden als Modellkommune zur aktiven Gestaltung des demographischen Wandels durch die Bertelsmann Stiftung
  • Anerkennung als Pilotkommune des Landes Niedersachsen zur Förderung kommunaler Zusammenarbeit
  • Projekte im Pilotprojekt A „Stärkung der regionalen Wirtschaft“:
    • Unterstützung regionaler Unternehmen beim Umgang mit den Herausforderungen des demographischen Wandels durch
      • Qualifizierung der Arbeitnehmer in der Altersgruppe 50 +
      • Sicherung des Wissenstransfers zwischen Alt und Jung
      • Sicherung und Begleitung des Prozesses der Unternehmensnachfolge
      • Praktikumsbörse, um Jugendliche aus der Region, die regionsextern studieren, im Weserbergland zu halten
    • Unterstützung regionaler Unternehmen bei Ansätzen, den demographischen Wandel als Marktchance zu nutzen durch
      • Ausbau von Dienstleistungen im Pflegebereich
  • Projekte im Pilotprojekt B „Intensivierung kommunaler Kooperationen“:
    • Durchführung einer Abwanderungsbefragung
    • Gemeinsames Beschaffungswesen von Landkreis und kreisangehörigen Gemeinden
    • Mitarbeiterfortbildung
    • Reinigungsmanagement
    • EDV-Vernetzung
    • Abstimmung der Siedlungsentwicklung
    • Einrichtung einer gemeinsamen Rettungsfeuerwehreinsatzleitstelle mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont
    • Einrichtung von Bürogemeinschaften in den Bereichen Heimaufsicht und Pflegesatzverhandlungen mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont
    • Übernahme von Statikprüfungen für den Landkreis Hameln-Pyrmont
  • Projekte im Handlungsschwerpunkt Familienfreundlichkeit:
    • Entwicklung und Umsetzung von Ansätzen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Zukunftswerkstätten auf Ebene der Samtgemeinden
    • Ausbau der Elterngeldstelle Servicestelle für Familien
    • Einführung von Starterpaketen für junge Familien
    • Weiterentwicklung der Kinderbetreuungsvermittlungsagentur des Vereins „Kinderbetreuung Holzminden e.V.“ zum ersten Familienservicebüro in Niedersachsen eingeweiht.
    • Einrichtung von fünf Tagespflegestützpunkte an Kindertagesstätten
    • Förderung von zwei modellhaften Familienzentren
  • Fusion der beiden Samtgemeinden Bodenwerder und Polle in 2009
  • Fusion der beiden Samtgemeinden Stadtoldendorf und Eschershausen in 2010

Kontakt:

Ruth Happel

Telefon: 05531 - 70 72 14

Mail

 

Weitere Informationen:

» Landkreis Holzminden

» „Umbau statt Zuwachs“ - Weserbergland Modellprojekt

 

Downloads

» Demographiebericht

» Strategisches Grundsatzprogramm

» Prognos Zukunftsatlas

» „Mit Tatkraft unsere Zukunft gestalten - demographischer Wandel als Chance für den ländlichen Raum“ - Dokumentation des Informationsforums

» Anpassungsstrategien zum demographischen Wandel

» „Fusion von Landkreisen“

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

 

Stand: November 2010

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Ruth Happel
Kommunikation und Projektmanagement

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Bgm.-Schrader-Str. 24

37603 Holzminden

Telefon: 05531 - 70 72 14

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