Bertelsmann Stiftung

Herten - Rückbau von Kindergartengruppen

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Nordrhein-Westfalen, Kreis Recklinghausen

Bevölkerung (31.12.2009)

62.639

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-5,2

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-12,4

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Gemeinde in hochverdichtetem Kreis

Demographietyp

Städte und Gemeinden im ländlichen Raum mit geringer Dynamik

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Bereits seit mehreren Jahren ist Herten vom Bevölkerungsrückgang betroffen: Lebten 1975 noch über 70.000 Einwohner in der Stadt, sind es heute nur noch 64.000. Bis 2020 soll die Zahl um weitere 8.000 Einwohner zurückgehen.
  • Vor diesem Hintergrund beschloss der Rat im Jahr 2002, dass bei allen kommunalen Entscheidungen die demographische Entwicklung zu berücksichtigen ist.
  • Am greifbarsten wird die Problematik bei der Kindergartenplanung. Schon heute ist aufgrund der niedrigen Geburtenzahlen abzusehen, dass bis zum Kindergartenjahr 2007/08 zur Erfüllung des Rechtsanspruchs 324 Kindergartenplätze nicht mehr benötigt werden. Deshalb müssen mehrere Kindergartengruppen reduziert werden.

Ziel:

  • Flächendeckende Kinderbetreuung trotz notwendiger Reduzierung der Kindergartengruppen
  • Einstieg in die Betreuung der Kinder unter drei Jahren
  • Förderung der Integration von Migranten bereits im Kindergarten

Strategie:

  • Gemeinsam mit den vier großen Trägern von Kindergärten hat die Stadt einen 3-Jahres-Plan erarbeitet, der jedem Träger zum proportionalen Abbau von Plätzen/Gruppen verpflichtet, gleichzeitig aber bestimmte Grundsätze berücksichtigt.

Meilensteine:

  • Rückbau von insgesamt 12 Kindergartengruppen bis zum Kindergartenjahr 2007/08
  • Jährliche Beratung mit den vier großen am Rückbau beteiligten Trägern
  • Parallel Entwicklung und Beschluss eines Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungs-konzeptes für den Elementarbereich im Sommer 2005
  • Ausbauprogramm für die Betreuung von unter 3-Jährigen bis zum Kindergartenjahr 2009/10 mit einer angestrebten Versorgungsquote von 20 Prozent

Akteure:

  • Stadt
  • alle Kindergartenträger in Herten

Umsetzung:

  • Die Kindergartenplanung macht deutlich, dass bis 2007/08 etwa 12 Kindergartengruppen weniger gebraucht werden als heute vorhanden sind. Hiervon wurden sieben Gruppen abgebaut. Die restlichen Plätze werden für die Betreuung der unter 3-jährigen gebraucht.
  • Trotz des notwendigen Rückbaus, will die Stadt Herten die Versorgungsquote und -qualität mit Kindergartenplätzen sichern. Dabei sind vor allem folgende Prinzipien von Bedeutung:
    • Rechtsanspruch: Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz wird für alle Hertener Kinder weiterhin zu 100 Prozent erfüllt.
    • Trägervielfalt: In Herten gibt es vier große (katholische/evangelische Kirche, AWO, Stadt) und mehrere kleine Träger von Kindergärten. Um den Eltern eine Wahlmöglichkeit zu bieten, soll diese Vielfalt beibehalten werden.
    • Flächendeckendes Angebot: Die wohnortnahe Versorgung muss garantiert sein.
    • Sprachförderung: Die bereits begonnene Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund wird nicht aufgrund der Schließung von Kindergartengruppen zurückgefahren.
    • Bedarfsgerechte Angebote zur integrativen Erziehung von behinderten Kindern werden umgesetzt
    • Betreuung der unter 3-Jährigen: Für eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf müssen mehr Plätze für die Betreuung von unter 3-Jährigen zur Verfügung gestellt werden.
  • Mit den Trägern einigte sich die Stadt auf einen Rückbau von 12 Gruppen bis zum Kindergartenjahr 2007/08. Das Konzept berücksichtigt alle von der Stadt aufgestellten Prinzipien:
    • Trägervielfalt: Der Rückbau wird von den vier großen Trägern geschultert. Die kleinen Träger sind zunächst nicht betroffen.
    • Flächendeckendes Angebot: Der Rückbau erfolgt stadtteilspezifisch, d. h. in jedem Stadtteil wird der Rückbaubedarf ermittelt und die großen Träger bauen proportional zu ihrem Anteil im jeweiligen Stadtteil Plätze ab.
    • Sprachförderung: Wenn der Sprachförderbedarf in einer Kindertageseinrichtung besonders hoch ist (Indikator: Anteil von Migrantenkindern über 40 Prozent) werden kleinere Kindergartengruppen akzeptiert. 

Finanzierung:

  • Durch den geplanten Rückbau von Kindergartengruppen sollten bis zum Kindergartenjahr 2009/10 rund 2,3 Millionen Euro Einsparungen erzielt werden. Davon sollten 1,7 Millionen Euro in das Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungskonzept im Elementarbereich fließen. Durch den verstärkten Ausbau der Betreuung für unter 3-jährige mittels Nutzung von freien Regelplätzen wurden lediglich sieben Gruppen abgebaut. Hierdurch wurde eine Einsparung von ca. 1 Millionen Euro erzielt. Diese wird –wie oben genannt- in das Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungskonzept im Elementarbereich investiert.

Erfolge:

  • Der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz bleibt zu 100 Prozent gesichert
  • Der Elementarbereich wird als wichtige Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsinstitution anerkannt und gestärkt.
  • Trotz Rückbau wird im Elementarbereich investiert.
  • Alle Träger beteiligen sich gemeinsam am Rückbauprozess. Konsensorientierter Rückbau verhindert Reibungsverluste und Schuldzuweisungen in einem schwer zu beeinflussenden Prozess: Weniger Kinder bedeutet weniger Kindergartenplätze.

Kontakt:

Nele Däubler

Telefon: 02366 - 30 33 57

› Mail

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Oktober 2010

SUCHE

KONTAKT

Nele Däubler
Pressesprecherin

Stadt Herten

Kurt-Schumacher-Str. 2

45699 Herten

Telefon: 02366 - 30 33 57

› Mail

© 2011 Bertelsmann Stiftung