Bundesland |
Baden-Württemberg |
Bevölkerung (31.12.2009) |
146.466 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
2,7 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
3,0 |
Räumliche Einordnung |
Kernstädte_Agglomerationsräume |
Demographieprofil |
Prosperierende Wirtschaftszentren |
Die Universitätsstadt Heidelberg gehört zu den wenigen Großstädten in der Bundesrepublik, die aufgrund ihrer Standortgunst in den nächsten Jahren deutlich Einwohner hinzu gewinnen wird, vorausgesetzt es gelingt, das entsprechende Wohnungsangebot bereit zu stellen. Aus den vorliegenden Prognosen und Umfrageergebnissen lassen sich für Heidelberg folgende Zukunftstrends ableiten: Heidelberg steht als Wissenschaftsstadt im Gegensatz zu vielen anderen Städten bis 2020 vor einer Zunahme der Bevölkerung. Die jüngste Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Landesamtes, die auch für die Universitätsstadt bis 2025 einen Rückgang der Einwohner voraussagt, teilt Heidelberg nicht. Ein Zuwachs wird allerdings nur aufgrund von Wanderungen eintreten. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen wird sinken. Die Zahl der Älteren stark zunehmen, darunter vor allem die der über 80-Jährigen. In der Dekade nach 2020 ist von einer Stagnation, ab 2030 von einer erheblichen Einwohnerabnahme auszugehen. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund wird sich auf rund 20 Prozent erhöhen.
Die demografische Alterung ist zwar gegenüber der Migrationsproblematik nicht nachrangig, sie hat aber für Heidelberg auch in nächster Zukunft nicht denselben Stellenwert wie in schrumpfenden Städten. Verglichen mit der entsprechenden Landesentwicklung ist sie moderat. Es werden nicht zu viele Alte, sondern zu wenig Junge (Aufwachsende) sein. Es ist auch für Heidelberg zu befürchten, dass die Schere zwischen Arm und Reich, Bildungsgewinnern und -verlierern sich weiter öffnen wird. Vor allem Migranten, Alleinerziehende und ältere „Verlierer“ werden davon betroffen sein. Es muss gegengesteuert werden.
Unter dem Titel „Mit dem Stadtentwicklungsplan Heidelberg 2015 die Chancen des Demographischen Wandels nutzen“ wurde am 2. August 2006 eine Teilfortschreibung des 1997 beschlossenen Stadtentwicklungsplans vom Rat verabschiedet, der folgende Leitlinien und Ziele formuliert und ausführt:
Heidelberg als familienfreundliche Stadt
Heidelberg als Wohnstandort stärken
Lebenslanges Lernen
Stadt der Fairness
In einer jungen Stadt alt werden - Kultur des Alterns ermöglichen
Integration ist die Aufgabe aller
Mit Kultur Brücken bauen
Neue Partnerschaft zwischen Bürger/innen und Stadt
Aktives und solidarisches Stadtteilleben ermöglichen
Heidelberg als attraktiven Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort positionieren
Heidelberg als starker Partner in der Region
Stadtverwaltung als vorbildliche Arbeitgeberin und innovative Dienstleisterin
Mobilität für alle Altersgruppen
Der öffentliche Raum als Ort der Begegnung
Flexibel bauen
Bahnstadt als Schlüsselprojekt für die Stadtentwicklung
Die Abschätzung der demographischen Entwicklung für Heidelberg und seine Stadtteile wurde durch das Amt für Stadtentwicklung und Statistik mit der Bevölkerungsprognose 2003-2020 vorgelegt.
Die Bevölkerungsprognose wurde auf Basis des Jahres 2009 auf einen Horizont bis 2030 aktualisiert.
2004 haben die Ämter der Stadtverwaltung ihre Einschätzung hinsichtlich der Konsequenzen und Auswirkungen des Demographischen Wandels für ihren jeweiligen Aufgabenbereich beschrieben.
Anfang 2005 wurden die Beiträge der Ämter in einer Synopse zusammengefasst und in fünf Handlungsfelder eingeteilt.
Die Handlungsfelder lauten:
Investitionen in Bildung, Qualifizierung und Arbeitsmarkt
Stärkung der Familien mit Kindern, der Humandienstleistungen und Anpassung der Infrastrukturen
Wohnungspolitik, Stadtstruktur, Regional- und Flächenentwicklung
Neue Weichen in der Integrationspolitik
Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und der Generationenbeziehungen
Im März 2005 wurde für die verwaltungsinterne Weiterbehandlung für jedes dieser Handlungsfelder eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe eingerichtet. Ziel der Arbeitsgruppen war die Erarbeitung von mittel – bis langfristigen Handlungskonzepten und Maßnahmenprogrammen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Gestaltung des demographischen Wandels in Heidelberg.
Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen umfassten 250 Maßnahmen. In einer verwaltungsinternen Abstimmung wurde daraus der Entwurf des Handlungskonzepts entwickelt, der im April 2006 in die gemeinderätlichen Gremien einschließlich des Jugendgemeinderates eingebracht wurde. Dabei wurden die Ergebnisse in 50 Vorschlägen thematisch zusammengefasst und die Handlungsfelder in folgende Themenbereiche aufgelöst:
Familie, Kinderbetreuung, Bildung
Arbeit und Wirtschaft
Altersgerechtigkeit und Generationsbeziehungen
Kooperative Planung und Bürgerbeteiligung
Wohnen
Integration
Bürgerschaftliches Engagement
Soziale Lage
Die Themen Geschlechtergerechtigkeit, Integration und Bürgerschaftliches Engagement tauchen als Querschnittsaufgabe in allen Themenbereichen auf.
Am 2. August 2006 hat der Gemeinderat das Handlungskonzept zum Demographischen Wandel ohne Gegenstimme beschlossen.
Mit dem "Stadtentwicklungsplan Heidelberg 2010" aus 1997 hat die Stadt Heidelberg ihre kommunalpolitischen Leitlinien und Ziele definiert. Er ist damit zugleich Heidelbergs Lokale Agenda, die zum Ziel hat, eine nachhaltige Entwicklung vor Ort zu fördern. Die Stadt Heidelberg hat durch einstimmigen Gemeinderatsbeschluss ebenfalls vom 2. August 2006 diesen Stadtentwicklungsplan unter dem Aspekt des Demographischen Wandels fortgeschrieben. Die Leitlinien und Ziele des fortgeschriebenen Stadtentwicklungsplans werden durch das beschriebene Handlungskonzept konkretisiert. Bei der Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans ging es nicht um eine grundlegende Revision aller Ziele, sondern um eine Ergänzung, die auf Grundlage der zu erwartenden demographischen Veränderungen die entsprechenden Gewichtungen bei seiner künftigen Umsetzung erlaubt. Die Teilfortschreibung stellt für den gesonderten Zielbereich Demographischer Wandel die Punkte zusammen, auf die es in Zukunft ganz besonders ankommt, ergänzt die Präambel entsprechend und verlängert die Laufzeit um fünf Jahre.
- Gemeinderat
- Stadtverwaltung
- Bürgerinnen und Bürger
- Liga der freien Wohlfahrtspflege
- Jugendgemeinderat
- Ausländerrat / Migrationsrat
- Die Maßnahmen des Handlungskonzepts wurden seit 2007 in den Haushalten berücksichtigt. Die Fachämter sind beauftragt, die in ihren Aufgabenbereich fallenden Maßnahmen vorzubereiten und umzusetzen.
In der zweiten Januarhälfte 2006 wurde durch die Forschungsgruppe Wahlen eine Telefonumfrage (Zufallsstichprobe von 1.350 Haushalten) zu den Auswirkungen des Demographischen Wandels in Heidelberg durchgeführt. Erfragt wurden beispielsweise die aktuelle Lebenssituation von Jugendlichen, Familien und Älteren, die Beurteilung des vorhandenen und künftig benötigten Infrastrukturangebotes, die Einstellung zu Partnerschaft und Familie sowie zum Zusammenleben von Jung und Alt oder von unterschiedlichen Kulturen.
Die Öffentlichkeit hatte die Möglichkeit, sich im April und Mai 2006 über das Handlungskonzept und die Teilfortschreibung des Stadtentwicklungsplans in der Internetplattform "Perspektive Heidelberg" zu informieren und Anregungen und Vorschläge einzubringen. Parallel dazu wurde die Öffentlichkeit über einer Sonderbeilage im Stadtblatt informiert, so dass sich auch Personen ohne Internetzugang beteiligen konnten. Die Sonderbeilage lag auch in den Bürgerämtern und den Seniorenzentren aus. Die im Rahmen der Beratungen, der Beteiligungen der Öffentlichkeit sowie bei den Gesprächen mit der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und dem Ausländerrat / Migrationsrat eingegangen Anregungen und Vorschläge wurden in der Teilfortschreibung des Stadtentwicklungsplans und dem Handlungskonzept ergänzt und thematisch eingeordnet.
Die erwartete Bevölkerungszunahme wird ohne forcierten Wohnungsbau nicht erreicht werden können. Deshalb hat der Gemeinderat als eine der wichtigsten stadtentwicklungspolitischen Maßnahmen beschlossen, auf einem ehemaligen citynahen Bahnareal mit rund 116 ha einen neuen urbanen, ökologischen und familienfreundlichen Stadtteil (Bahnstadt) mit rund 2.500 Wohnungen für rund 5.500 Menschen zu bauen. Durch ein preislich differenziertes Wohnungsangebot sollen vor allem junge Familien in der Stadt gehalten werden.
- Weitere eingeleitete und umgesetzte Maßnahmen:
- Bildung eines Dezernats (Neuer Dezernatszuschnitt) für „Integration, Chancengleichheit und Bürgerdienste
- Einrichten einer Stabsstelle für Migration beim Bürgeramt
- Einrichtung einer Fachstelle für barrierefreies Bauen und Wohnen unter der Bezeichnung „Wohnberatung“ beim Technischen Bürgeramt,
- Förderung von barrierefreiem Wohneigentum und Wohneigentumsförderung für junge Familien (Schwellenhaushalte) durch Zinszuschuss oder Eigenkapitalzuschuss
- Förderung barrierefreier Mietwohnungen im Rahmen des Wohnungsentwicklungsprogramms
- Förderung von Neubaumietwohnungen ab 4 Zimmer für kinderreiche Familien
- Förderung gemeinschaftlicher (Mehrgenerationen-) Wohnprojekte.
- Verbesserung des Betreuungsangebotes für Kinder unter 3 Jahren. Schaffung von zusätzlich 600 neuen Krippenplätzen in den Jahren 2007 und 2008 Beitritt zur bundesweiten Initiative „Bündnis für Familien“ Ein Fortbildungsangebot, das sich direkt an die über fünfzigjährigen Mitarbeiter/innen in der Stadtverwaltung wendet.
- Verbesserung der Nahversorgung im Stadtteil Emmertsgrund im Hinblick auf den erwarteten DW durch Ankauf einer Immobilie zur Vermietung als Ladengeschäft.
- Erarbeitung eines Berichtes zur „Sozialen Lage in Heidelberg“.
- Heidelberger Migrantenstudie 2008, Ergebnisse einer Umfrage zur Lebenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund in Heidelberg, März 2009.
- Statistische Kurzmitteilung Nr. 44, Roland Berger Kreativitätsindex 2008 - Deutschlands lebendigste Städte, Mai 2009.
- Statistische Kurzmitteilung Nr. 45, Deutschlands coolste Städte und wie Heidelberg dazu gehören kann - Studie durchgeführt von Roland Berger Strategy Consultans im Auftrag der Stadt Heidelberg, August 2009.
- Familienoffensive Heidelberg. Vielfältige Aktivitäten einschließlich einer Open Space Veranstaltung für alle städtischen Mitarbeiter/-innen.
- Stadtteilmanagement Emmertsgrund.
Stadt Heidelberg
Telefon: 06221 - 58 21 500
Mail
Stadtentwicklung Heidelberg
Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
Stand: Oktober 2010