|
Bundesland |
Sachsen |
Bevölkerung (31.12.2009) |
55.957 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
-5,6 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
-13,7 |
Räumliche Einordnung |
Ländliche Räume - Ländliche Kreise höherer Dichte |
Demographietyp |
Schrumpfende und alternde Städte und Gemeinden mit hoher Abwanderung |
- In den Gründerzeitquartieren vieler ostdeutscher Mittelstädte treten ein überdurchschnittlicher Wohnungsleerstand und ein schlechtes Image als Wohnquartier häufig gemeinsam auf. Der innerstädtische Wohnungsleerstand hat vorrangig historisch bedingte Ursachen. Insbesondere bei Bürgern aus Neubausiedlungen am Stadtrand halten sich Vorbehalte gegenüber dem Wohnen in Gründerzeitquartieren. Angesichts ihrer stadträumlichen Lage und ihres hohen baukulturellen Wertes sind eine langfristige Erhaltung und Nutzung der Gründerzeitquartiere aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Sicht im Sinne der Leipzig Charta für eine nachhaltige Stadtentwicklung von nationaler Bedeutung.
- Das Gründerzeitquartier „Westliche Innenstadt“ in Görlitz ist hinsichtlich überdurchschnittlichen Wohnungsleerstandes, anhaltenden Sanierungsbedarfs und schlechten Images repräsentativ für viele ostdeutsche Mittelstädte. Trotz der Sonderstellung der Stadt mit ihrem einzigartigen historischen Baubestand und ihrer Lage an der deutsch-polnischen Grenze. Der Görlitzer Stadtteil Innenstadt hat im gesamtstädtischen Vergleich die höchste Leerstandsquote zu verzeichnen. Im Jahr 2007 stehen in Görlitz insgesamt 15,5 % der Wohnungen leer. Im Stadtteil Innenstadt sind 27,9 % der Wohnungen unbewohnt. Hier setzt das Projekt Probewohnen an.
- Das Projekt Probewohnen hat die Ziele die Bürger als Experten in die Stadtentwicklung stärker einzubinden und die Hemmschwelle. gründerzeitliche Wohngebiete auszuprobieren, zusenken.
- Strategisches Ziel ist die langfristige Belebung und nachhaltigen Entwicklung der Görlitzer Innenstadt.
- Die Idee: Der Name „Probewohnen“ ist Programm: Zwei dauerhaft leer stehende Gründerzeitwohnungen mittleren Standards werden eingerichtet, um Bewohner aus Stadtrandsiedlungen und dem Umland das Wohnen in der Görlitzer Innenstadt unverbindlich testen zu lassen. Das Gründerzeitquartier wird so für je eine Woche zur „Wahlheimat“ der Teilnehmer und gibt ihnen Gelegenheit ihr Meinungsbild vom Wohnen in der Innenstadt im Lebensalltag zu überprüfen. Gleichzeitig werden die Anforderungen der Teilnehmer an Wohnungsstandard und Wohnumfeld in einer begleitenden Studie ermittelt.
- Projektpartner: Die Umsetzung erfolgt in enger Kooperation mit der WBG Wohnungsbaugesellschaft Görlitz mbH, und dem Stadtplanungs- und Bauordnungsamt der Stadt Görlitz. Die Zusammenarbeit verläuft sehr erfolgreich und führt schließlich zur Verlängerung der Projektlaufzeit.
- Modellvorhaben der Nationalen Stadtentwicklungspolitik: Probewohnen als kreative Strategie und Instrument für eine nachhaltige Stadtentwicklung im Umgang mit Wohnungsleerstand einzusetzen, ist deutschlandweit einzigartig. Aufgrund de Vorbildcharakters für andere ostdeutsche Mittelstädte wird es als Modellvorhaben der Nationalen Stadtentwicklungspolitik vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) vertreten durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert.
- Dokumentarfilm: Der Verlauf des Vorhabens wird in einem Kurzfilm zum Projektstart, sowie einer abschließenden Filmversion dokumentiert und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die künstlerische Projektgruppe Reinigungsgesellschaft aus Dresden hat dafür das Modellvorhaben Probewohnen über eineinhalb Jahre mit der Filmkamera begleitet. Der Film deckt Zusammenhänge auf und macht die Gedanken und Meinungen der Teilnehmer und Projektpartner sichtbar. Es wird ein Bild skizziert, das die individuell wahrgenommenen Vor- und Nachteile des städtischen Wohnens und deren Auswirkungen auf die Lebensqualität aufzeigt.
- Sponsoren: Für die Einrichtung der Wohnungen und verschiedene öffentliche Veranstaltungen konnten zahlreiche lokale, regionale und überregionale Sponsoren gefunden werden.
- Ergebnisse: Das projektbasierte Vorgehen fördert neue Allianzen und eine neue Qualität der Bürgerbeteiligung für eine integrierte Stadtentwicklung. Die Ergebnisse der Begleitstudie bestätigen, dass die Teilnehmer durch das Erleben des eigenen Lebensalltags in der Innenstadt und den direkten Erfahrungsaustausch mit Fachexperten die innerstädtische Wohnqualität und die Konsequenzen des eignen Handeln besser verstehen. Mit dem Modellvorhaben Probewohnen gelingt es zudem eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit herzustellen und das Thema „Wohnen in der Innenstadt“ positiv zu besetzen.
- Auszeichnung: „Nationalen Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur“ vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung (BMVBS) im Jahr 2009.
- Projektverlängerung: Ursprünglich war die Laufzeit des Projektes auf eine Jahr begrenzt. Während dieses Jahres konnten in 12 Wochen 24 Haushalte zur Probe wohnen. Insgesamt sind über 750 Bewerbungen, darunter auch Haushalte aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland, für das Modellvorhaben Probewohnen eingegangen. Aufgrund des großen Interesses haben sich die Projektpartner entschlossen, das Modellvorhaben in leicht modifizierter Form für ein weiteres Jahr fortzusetzen. „Probewohnen – Version 2“ ermöglichte zwischen Juli 2009 bis August 2010 über 120 weiteren Haushalten das „Wohnen auf Probe“ in der Görlitzer Innenstadt. Die organisatorische Federführung hat die WBG Wohnungsgesellschaft Görlitz mbH übernommen. Das Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau führt die wissenschaftliche Studie weiter. Derzeit werden in einer kreativen Pause die Ergebnisse ausgewertet und Potentiale für eine Fortsetzung des Projektes geprüft.
Anne Pfeil
Telefon: 03581 - 64 99 320
Mail
Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
Stand: November 2010 |
SUCHE
Anne Pfeil
Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung TU Dresden
Bei der Peterskirche 5a
02826 Görlitz
Telefon: 03581 - 64 99 320
Mail |