18. Mai 2012 |
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Gießen - Eine Schule für alleDemographie-Profil:
Ausgangslage:Heterogenität ist in einem wertschätzenden Umfeld Anlass und Motor zur Selbstentwicklung, stete Herausforderung für das soziale Miteinander und ideale Basis für ein kindgerechtes, lebensnahes und natürliches Lernen. Eltern von Kindern mit Behinderung in verschiedenen integrativen Kindertagesstätten der Lebenshilfe gaben den Anstoß zur Gründung einer integrativen Schule. Die Lebenshilfe Gießen e.V. gründete danach 1998 die Sophie-Scholl-Schule, an der Behinderung als eine "Spielart des Verschieden-Seins" betrachtet wird - keine Behinderung wird ausgeschlossen. Seit 2010 arbeitet die Sophie-Scholl-Schule an zwei Standorten in unmittelbarer Nähe zueinander: die Primarstufe umfasst die Jahrgänge 1 bis 4, die Sekundarstufe die Jahrgänge 5 bis 10 (derzeitiger Ausbaustand: Jahrgang 9). Insgesamt 370 Schüler/innen, darunter 100 mit sonderpädgogischem Förderbedarf, lernen an der Schule, die inzwischen von der integrativen sechsjährigen Grundschule zu einer inklusiven Grund- und Gesamtschule (IGS) ausgebaut wird. Jede Lerngruppe besteht aus bis zu 22 Kindern und umfasst ca. fünf Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ziel:Alle Kinder sollen in einer Schule länger und gemeinsam lernen. Die Sophie-Scholl-Schule will jedem Kind selbständiges Lernen in größtmöglicher Freiheit eröffnen und schafft dafür einen gemeinschaftlichen Rahmen, in dem die Verschiedenheit aller Kinder Voraussetzung jeden Handelns ist. Umsetzung:Alle Schüler/innen werden zieldifferenziert von einem multiprofessionellen Team bestehend aus Lehrkräften verschiedener Fachrichtungen und Schulformen, Erzieher/innen oder Sozialpädagog/inn/en. Zusätzlich unterstützen junge Menschen im Sozialen Jahr die Betreuung der Schüler/innen (Jahrgang 1-6). Bei Bedarf erhalten Schüler/innen mit schweren Behinderungen eine personenbezogene Schulassistenz, die ebenfalls Teil des Lerngruppenteams wird. Die Schule ist eine Ganztagsschule, in der sich Lernzeiten rhythmisiert über den ganzen Schultag spannen. Die Kinder arbeiten in definierten Zeiten gemeinsam an Übungsaufgaben, dadurch entfallen - bis auf wenige Ausnahmen – die Hausaufgaben. Die Kinder haben im Primarbereich die Auswahl aus ca. 30 Nachmittagskursen, für die Sekundarstufe gibt es eigene altersangemessene Freizeitangebote. Alle Schüler/innen können Therapieangebote während der der Unterrichtszeit wahrnehmen. Die Sophie-Scholl-Schule entwickelte auf der Grundlage tradierter reformpädagogischer Modelle ein lebendiges, modernes Schulkonzept, in dem Integration/Inklusion, Jahrgangsmischung und der Ganztag grundlegend sind.
Integration/Inklusion: In allen Lerngruppen der Sophie-Scholl-Schule lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam. Dabei öffnet sich die Schule einer demokratischen Lebensauffassung, nach dem die Gemeinsamkeit aller und die Gemeinschaft des Einzelnen mit den Anderen als Grundrecht für alle Menschen gelten muss (J. Muth). Inklusion umfasst dabei die Vision, alle gesellschaftlichen Teilbereiche langfristig so zu verändern, dass sie tatsächlich barrierefrei für alle Menschen zugänglich und inhaltlich zuträglich sind, kurz: dass sie tatsächlich für alle(!) da sind. Für den Bereich der Schule bedeutet ein solches Denken, nicht nur behinderte Kinder zum Regelunterricht hinzuzunehmen und diese innerhalb der ansonsten unveränderten Situation bestmöglich zu fördern, sondern darüber hinaus die Strukturen so zu verändern, dass prinzipiell eine individuelle Förderung jeden Kindes in einer für alle offenen Institution erfolgen kann - ohne Be-Sonderung und Etikettierung. In der Unterrichtspraxis der Lerngruppen führen diese konzeptionellen Gedanken zu unterschiedlichen Formen eines inklusiven Unterrichts: Beim Arbeiten mit dem Wochen- oder Tagesplan arbeiten alle Schüler einer Lerngruppe z.B. in der gemeinsamen Rahmung. Jedes Kind erhält während dieser Arbeitsphasen individualisierte Arbeitsaufträge gemäß dem persönlichen Lern- und Entwicklungsstand. Am gemeinsamen Thema lernen alle Schüler/innen in wechselnden Kleingruppenzusammensetzungen. Wichtig ist dabei immer wieder die Rückbindung und Mitteilung an die lernende Gesamtgruppe: Das arbeite ich - und was tust du? Auf diese Weise erfolgt vertieftes individuelles Lernen, gemeinschaftliches Zusammentragen und inhaltliches Vernetzen verschiedener, thematisch passender Aspekte und Lernergebnisse, gegenseitiges Helfen in der Kleingruppe und viel beiläufiges Lernen, das durch den Bericht oder das Zeigen durch das Nachbarkind oder die andere Gruppe angestoßen wird. Daneben gibt es spezielle Förder- und Therapiearrangements ebenso wie vielfältige Formen freier Arbeit. Besondere Rituale zur Verständigung und zur Orientierung im Tagesverlauf sind für die Schaffung inklusiver Strukturen von großer Bedeutung.
Jahrgangsmischung: Die Sophie-Scholl-Schule ist als jahrgangsgemischte Stufenschule aufgebaut. In jeder Lerngruppe arbeiten zwei benachbarte Jahrgänge gemeinsam. Dadurch können die Kinder einerseits durch ein vorhandenes Bildungsgefälle in der Gruppe stärker von- und miteinander lernen, so wie sie es aus natürlichen, außerschulischen Zusammenhängen bereits kennen, andererseits unterstützt das jahrgangsübergreifende Arbeiten die Kultur des gegenseitigen Helfens und schafft besondere Gelegenheiten des sozialen Lernens. Alle jahrgangsgemischten Gruppen einer Stufe orientieren sich in ihrer Arbeit an gemeinsamen Stufenzielen. Diese Stufenziele beziehen sich auf das fachliche Lernangebot in den Gruppen, und zusätzlich auf überfachliche Entwicklungsziele, die etwa methodische Kenntnisse oder Stufen der Selbst-Organisation betreffen.
Ganztag: Die Sophie-Scholl-Schule bietet ein spannendes Ganztagskonzept von 7.30 – 16.30 Uhr, freitags 7.30 – 14.30 Uhr mit einer Rhythmisierung, die den Lern-, Bewegungs- und Spielbedürfnissen von Kindern und heranwachsenden Jugendlichen entgegen kommt. Ein Verweilen in der Ganztagsschule bedeutet einerseits mehr Zeit für unterrichtliche und lebenspraktische Förderung, andererseits aber auch die Gelegenheit für eine kind- jugendgerechte Taktung von Phasen der Arbeit und der Entspannung. Gemeinsame Mahlzeiten gehören zum Gruppenleben und sind Teil der eigenen Kulturentwicklung. Hausaufgaben bleiben überwiegend Schul-Aufgaben und werden vollständig oder größtenteils in Übungszeiten erledigt. Kinder, deren Lernentwicklung dies erforderlich macht, erhalten individuelle Förderpläne. Für alle gelten die gleichen Arbeitsformen, die gleichen Regeln und Rituale. Der persönliche Lernfortschritt wird in Beziehung zum individuellen Leistungsvermögen gesetzt. Kinder und Eltern erhalten dazu regelmäßig Rückmeldungen der Lehrkräfte. Ausführliche Lernentwicklungsberichte dokumentieren die Leistungsentwicklung jedes Kindes und ersetzen ein Notenzeugnis. Die Schule kooperiert mit einer benachbarten therapeutischen Praxis, so dass therapeutische Maßnahmen im Einklang mit dem Schulleben möglich sind. Das Einzugsgebiet der Schule reicht über den Landkreis Gießen hinaus. Die Schule ist bei Eltern äußerst beliebt und hat von Anfang an dreimal so viele Anmeldungen wie Plätze für neue Erstklässler/innen. Erfolge:Weiterführende Schulen attestieren den Schülerinnen und Schülern besondere Selbstständigkeit im Lernprozess und eine herausragende soziale Kompetenz. Kollegen aus anderen Schulen (regional, überregional, europäisches Ausland) lassen sich in der Sophie-Scholl-Schule erläutern, wie inklusives Lernen funktionieren kann. Die Schule ist im gesellschaftlichen Umfeld sehr gut vernetzt. Die Trommelgruppen und Schulbands sind z.B. regelmäßig für Auftritte in der Universitätsklinik gefragt, zudem ist die Sophie-Scholl-Schule an vielen Straßenfesten, Kunst- und Wissenschaftsprojekten sowie am Gießener "Kulturspektakel" beteiligt. 2009 erhielt die Schule den Jakob Muth-Preis. Kontakt:Invield Helmer-Leemhuis Telefon: 0641 - 94 43 00
Michael Plappert Telefon: 0641 - 48 01 07 70
Weitere Informationen:» Projekt Sophie-Scholl-inklusiv… macht Schule
Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
Stand: Oktober 2011 |
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