Bertelsmann Stiftung

Frankfurt am Main - Nicht nur Mama lernt Deutsch

Demographie-Profil:

Bundesland

Hessen

Bevölkerung (31.12.2009)

671.927

Entwicklung 2002-2009 (in %)

4,4

Entwicklung 2009-2030 (in %)

7,3

Ausländeranteil (in %)

20,8

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Demographietyp

Prosperierende Wirtschaftszentren

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Frankfurt am Main blickt als internationaler Verkehrsknotenpunkt und Handelsplatz auf eine sehr lange Tradition der Zuwanderung und Integration zurück.
  • 1989 wurde mit der Gründung des Amts für multikulturelle Angelegenheiten und der Verankerung des Themas Integration in einem Dezernat der Grundstein für die heutige Integrationspolitik der Stadt gelegt. Seitdem wird diese in einem kontinuierlichen Prozess innovativ weiterentwickelt und als Querschnittsaufgabe weiter verankert.
  • Die Internationalität Frankfurts – hier leben Menschen aus 170 Ländern und mit einem Migrationshintergrund von geschätzten 38 bis 40 Prozent an der Gesamtpolitik - wird von Stadtpolitik und Bevölkerung als imagefördernd angesehen.

Ziel:

  • Ein Ziel der Frankfurter Integrationspolitik ist es Sorge zu tragen, dass Zuwanderer so schnell wie möglich gleichberechtigt am gesellschaftlichen und sozialen Leben teilhaben können. Ein bedeutende Grundlage hierfür sind ausreichende deutsche Sprachkenntnisse.

Strategie:

  • Die Stadt entwickelte über die Jahre Bildungs- und Erziehungsprojekte rund um den Komplex Sprachvermittlung, die auf Hilfe zur Selbsthilfe statt Fürsorge setzen.
  • Dabei engagiert sich Frankfurt besonders in der Förderung von Deutschkenntnissen und „Strukturkenntnissen“. Dabei werden auch neue Wege der Ansprache erprobt und ein Trägernetzwerk zur Durchführung der Kurse aufgebaut. 

Meilensteine:

  • 1973: Gründung des bundesweit ersten Fachbereichs „Sprach- und Fortbildungskurse für Ausländer“
  • 1989: Gründung des Amtes für multikulturelle Angelegenheiten sowie des Dezernats multikulturelle Angelegenheiten (heute Dezernat für Integration)
  • 2003: verabschiedet Frankfurt als erste deutsche Stadt eine Antidiskriminierungsrichtlinie für die Stadtverwaltung.

Akteure:

  • Amt für multikulturelle Angelegenheiten AMKA
  • Freie Träger
  • Bildungseinrichtungen
  • VHS Frankfurt
  • Staatliches Schulamt
  • Schulen
  • Vereine, Migrantenselbstorganisationen

Umsetzung:

  • Um eine erfolgreiche Integration in das deutsche Schulsystem zu ermöglichen und den Schülern eine berufliche Perspektive zu verschaffen, ist nicht zuletzt eine Zusammenarbeit mit den Eltern notwendig. Im Bereich Schule und Bildung ist es daher ein Hauptziel, den Kontakt zwischen Schule und den Eltern ausländischer Schüler zu ermöglichen.
  • Die Stadt Frankfurt widmete daher einen Schwerpunkt ihrer Konzepte im Integrationsbereich der Arbeit mit Eltern und Kindern. Im folgenden sollen drei der erfolgreichen Frankfurter Programme vorgestellt werden:
    • Mama lernt Deutsch – Papa auch
    • mitSprache
    • HIPPY
  • Das Programm „Mama lernt Deutsch“ entstand in Kooperation mit der Volkshochschule Frankfurt und ging 1997 in einem Frankfurter Stadtteil an insgesamt acht Grundschulen als Modell an den Start. Inzwischen ist es nicht nur ein Erfolg in der Stadt, sondern hat bundesweit Nachfolger gefunden.
  • Kern des Projekts ist es, Mütter von Zuwandererkindern in Grundschulen und Kindergärten an zwei Vormittagen in der Woche in einem ihnen bekannten institutionellen Umfeld Deutsch lernen, parallel zum Unterricht der Kinder. Notwendig ist dabei auch eine parallele Kleinkinderbetreuung während der Unterrichtszeit. Die Mütter bzw. Väter werden von geschulten Pädagogen an die deutsche Sprache herangeführt
  • Die Inhalte der Sprachkurse sind praktisch orientiert, sie konzentrieren sich inhaltlich ganz auf die Alltagsrealität der Mütter – im Bedarfsfall Väter – und vermitteln erweiterte Kenntnisse der deutschen Institutionen (besonders des Schulsystems) und den selbstbewussten und vorurteilsfreien Umgang mit ihnen. Damit leisten sie wesentlich mehr als Sprachkurse im üblichen Sinn.
  • Dem Projekt mitSprache waren Berichte und Untersuchungen vorausgegangen, dass zu viele Kinder aus Migrantenfamilien zu Beginn der Schullaufbahn nicht über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen. Daneben haben Fördermaßnahmen nicht zu einer befriedigenden Bildungsbeteiligung der Kinder geführt.
  • Ansatz und Ziel des Projekts mitSprache ist es daher, nach Möglichkeiten zu suchen, die bisher bestehenden pädagogischen Ansätze und Erfahrungen in den Bereichen Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Mehrsprachigkeit, Elternarbeit und Lehrerfortbildung zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Dies erfolgt in Kooperation mit dem staatlichen Schulamt und sechs Frankfurter Grundschulen.
  • Durch das Modellprojekt konnten nicht nur zahlreiche Potentiale an in den Schulen sichtbar gemacht werden. Es leistet auch einen wichtigen Beitrag zur schulischen Organisationsentwicklung und zur Entwicklung eines individuellen Schulprofils. Daneben wurden wichtige Ideen und Vorschläge für DaZ, Mehrsprachigkeit, Elternarbeit und Lehrerfortbildung entwickelt, die derzeit dokumentiert werden.
  • Inzwischen geht mitSprache konsolidiert und erweitert in die zweite Projektphase. Seit September sind zwei weiterführende Schulen, sozusagen als Tandempartner der bereits erfahrenen Grundschulen, im Projekt. Gegen Jahresende wird eine Evaluation des Projekts fertig gestellt sein.
  • Das Programm HIPPY – Home Instruction Program for Preschool Youngsters an Parents wurde in Israel als Hausbesuchsprogramm für Vorschulkinder und deren Eltern mit Migrationshintergrund entwickelt und wird inzwischen auch in einigen deutschen Städten durchgeführt.
  • Alle teilnehmenden Städte berichten in ihren Projektauswertungen von einem großen Gewinn für die Kinder und ihre Mütter. Das Programm richtet sich dabei an Mütter von Vorschulkindern ab dem vierten Lebensjahr. Sie werden dabei unterstützt, die kognitiven und bilingualen Kompetenzen ihrer Kinder spielerisch zu erweitern und somit die schulische und soziale Integration der Kinder zu erleichtern.
  • Zu diesem Zweck werden die Mütter einmal pro Woche von einer Trainerin, die auch ihre Muttersprache spricht, besucht und zum Umgang mit den HIPPY Spiel- und Lernmaterialen beraten. Die Mütter beschäftigen die Kinder täglich ca. 15 Minuten mit den Materialien. Daneben finden auch regelmäßig Gruppentreffen statt, bei denen Erfahrungen anhand von Themen wie Gesundheit oder Ernährung ausgetauscht werden.
  • Neben den genannten Programmen hat sich Frankfurt auch stark in der Entwicklung und Umsetzung von Sprach- und Orientierungskursen für neu Zugewanderte engagiert. Sie sind eines der umfangreichsten Projekte des AMKA und flossen richtungweisend in die Entwicklung der nun bundesweit durchgeführten Sprachkurse für neu Zugewanderte ein.

Bürgerbeteiligung:

  • Eine projektbezogene Ansprache von Bürgern findet in Frankfurt regelmäßig statt und hat sich als selbstverständlich etabliert.
  • Daneben nutzt die Stadt systematisch und regelmäßig die Qualifikationen von intermediären Akteuren und Brückenbauern, um die Migranten zu erreichen.

Finanzierung:

  • Im jährlichen Integrationsbericht des Magistrats werden die Aufwendungen für spezielle Integrationsmaßnahmen der einzelnen Dezernate und Ämter aufgeführt.
  • Für das Haushaltsjahr 2004 flossen 800.000 € in die Sprach- und Orientierungskurse, hinzu kamen Transferleistung des Bundes im Umfang von 350.000 € und des Landes von 150.000 €.
  • Für das Programm Mama lernt Deutsch wurden aus städtischen Mitteln 144.000 € aufgewendet, weitere 144.000 € kamen vom Land Hessen.
  • Das Land finanzierte auch die Hälfte der Gesamtkosten des Projekts mitSprache, für das die Stadt jährlich 135.000 € an Mitteln zur Verfügung stellt.

Erfolge:

  • Die Erfolge der Frankfurter Sprach- und Bildungsprogramme zeigen sich nicht nur in Frankfurt selbst. Die „Mama lernt Deutsch – Papa auch“ sowie die anderen Sprachprogramme werden inzwischen von zahlreichen anderen deutschen Kommunen durchgeführt.
  • Die Internationalität der Bevölkerung wird nicht als Problem, sondern als Standortvorteil und Plus der Stadt angesehen.

Kontakt:

Helga Nagel
Amtsleiterin

Tel: 069 - 21 23 87 65

› Mail

 

 

Weitere Informationen:

  • Über die Website des » Amts für multikulturelle Angelegenheiten können zahlreiche Publikationen zu den genannten Projekten bestellt werden.
  • Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Gütersloh 2005. S. 22 und 84

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: September 2006

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KONTAKT

Helga Nagel
Amtsleiterin

Stadt Frankfurt

Amt für multikulturelle Angelegenheiten

Walter-Kolb-Str. 9-11

60594 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 21 23 87 65

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