In Frankfurt (Oder) sorgen umfangreiche arbeitsmarktbedingte Abwanderungen, niedrige Geburtenraten bei hohen Sterbeüberschüssen und Wohneigentumsbildung im Umland dafür, dass von 2002 bis 2020 insgesamt ca. 10.350 Wohnungen abgerissen werden. An ihrer Stelle entstehen teilweise Grün- und Freiflächen sowie nachfrageorientierte Wohnformen.
Bundesland, Landkreis |
Brandenburg, kreisfreie Stadt |
Bevölkerung (31.12.2009) |
60.625 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
-11,3 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
-16,8 |
Räumliche Einordnung |
Oberzentrum im peripheren Raum |
Demographietyp |
Schrumpfende und alternde Städte und Gemeinden mit hoher Abwanderung |
Die direkt an der Grenze zu Polen liegende Stadt, schrumpft stark. Zwischen 1990 und 2009 verlor sie etwa 27.000 Einwohner und bis 2020 rechnet man laut aktueller Prognose mit einem weiteren Schrumpfen um 6.000 Einwohner.
Damit werden in der Stadt, bezogen auf einen Gesamtwohnungsbestand von ca. 40.500 WE im Jahre 2000, ca. 37 % der Wohnungen zukünftig nicht mehr benötigt. Um dieser Entwicklung entgegen zu steuern und um bis zum Jahr 2020 eine wohnungswirtschaftlich vertretbare Leerstandsquote von < 10 % zu erreichen ist es erforderlich, den Wohnungsbestand erheblich zu reduzieren.
Der gesamtstädtische Leerstand betrug am 31.12.2009 ca. 3.800 WE (bei einem Wohnungsbestand von ca. 35.000). Besonders stark die überwiegend durch Plattenbauten geprägten Gebiete Neuberesinchen, Nord und Süd.
Vorrangige Ziele sind die Konsolidierung des Wohnungsmarktes und die Stärkung der Innenstadt.
Außerdem soll die Attraktivität Frankfurts gesteigert und so weitere Abwanderung der Einwohner verhindert werden.
Der Wohnungsbestand soll deutlich reduziert und die verbleibenden Wohnungen sowie das Wohnumfeld aufgewertet werden.
Durch eine konsequente, offene Kommunikation werden die Bürger aktiv in den Stadtumbauprozess eingebunden, ihre Interessen aufgenommen und für die Umsetzung gewonnen.
Das Gesamtkonzept der Stadt legt langfristig Ziele fest und betont die Chancen des Stadtumbaus für eine nachhaltige Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen.
2002: Verabschiedung des Stadtumbaukonzept, das gesamtstädtische Leitlinien sowie differenzierte Entwicklungsziele und Maßnahmen für die einzelnen Wohngebiete festgelegt
2004: Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes
2006/2007: zweite Fortschreibung des Stadtumbaukonzepts und Erstellung teilräumlicher Konzepte für die Stadtumbaugebiete
Stadtverwaltung Frankfurt (Oder)
Wohnungsunternehmen
Ver- und Entsorgungsunternehmen
Mieterverein
weitere Akteure aus der Wohnungspolitik und Stadtentwicklung
Stadtteilkonferenzen
Engagierte Bürger/Mieter
Zur Koordination des Umsetzungsprozesses ist das Amt des Stadtumbaumanagers geschaffen worden.
Zunächst sind die Wohngebiete Frankfurts bewertet und in drei Handlungsbedarfskategorien eingeteilt worden:
Gebiete ohne Handlungsbedarf (konsolidierte Gebiete)
Gebiete mit Umstrukturierungsbedarf
Gebiete mit dringendem Umstrukturierungsbedarf (vor allem die Plattenbaugebiete)
Abriss: von 2002 bis 2010 ist der Abriss von 10.350 Wohnungen geplant, bis Ende September 2010 sind bereits 7.644 Wohneinheiten zurückgebaut. Im Stadtumbaukonzept sind die Abrissobjekte für diesen Zeitraum konkret benannt. Darüber hinaus werden konkrete Abrissmaßnahmen für die Zeitkategorie 2011 - 2015 genannt. Im Zeitraum 2016 - 2020 sind einige Wohngebäude als Beobachtungspotenzial gekennzeichnet, über deren Entwicklung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird. Alle nicht in diesen Kategorien aufgeführten Wohngebäude gelten als „sichere Bereiche“.
Aufwertungsmaßnahmen: Frankfurt (Oder) verfügt über einen Gesamtkatalog „Aufwertung“ mit konkreten Einzelmaßnahmen, der permanent fortgeschrieben wird. Bisher wurden ca. 11 Mio. € Städtebaufördermittel für Aufwertungsmaßnahmen ausgegeben. Davon waren ca. 4 Mio. € Eigenmittel der Stadt. Unter anderem geht es um die Nachnutzung von Abrissflächen, die zu einem großen Teil nicht mehr bebaut werden sollen, sondern als Grün- bzw. Freifläche geplant werden. Auch bereits vorhandene Freiräume und die soziale Infrastruktur sollen aufgewertet werden (Sanierung von Gebäuden, Wohnhof-, Spielplatzgestaltung, Schulhofsanierung).
Eigenheimbau: Im Stadtgebiet bestehen bis 2020 Flächenangebote unterschiedlicher Art für die Errichtung von über 2.000 Wohneinheiten. Ein nicht kleiner Teil davon steht auf Abrissflächen zur Verfügung. Durch kostengünstige Bauflächen für Eigenheim- bzw. Reihenhausbau soll Frankfurt (Oder) zu einem attraktiven Wohnstandort in der Region entwickelt und so weitere Suburbanisierung verhindert werden.
Wichtig im Stadtumbauprozess ist eine breite Information der Bürger. In Frankfurt (Oder) werden dabei vor allem die Chancen des Stadtumbaus kommuniziert.
Auf zentralen Veranstaltungen sind die Bürger über die Ziele und die Maßnahmen informiert worden, in besonders betroffenen Gebieten finden zudem Einwohnerversammlungen des Oberbürgermeisters statt.
Während der Erstellung der zweiten Fortschreibung des Stadtumbaukonzeptes sowie der teilräumlichen Konzepte für die Stadtumbaugebiete lagen die Entwürfe der Konzepte öffentlich aus. Die im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit eingegangenen Stellungnahmen wurden in einem gemäß BauGB durchgeführten Verfahren abgewogen.
Insbesondere konfliktträchtige Maßnahmen werden frühzeitig von Stadt und Wohnungsunternehmen begleitet. So erhalten die von Abriss betroffenen Mieter frühzeitig detaillierte Informationen, Ersatzwohnungen und Hilfe beim Umzug.
Weitere Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit sind der Aufbau spezieller Internetseiten, die enge Zusammenarbeit mit den Medien und regelmäßige Publikationen zum Thema „Stadtumbau“, wie z.B. die regelmäßig erscheinende Stadtumbauzeitung „Stadtumbau aktuell“.
Das schlüssige Gesamtkonzept der Stadt legt langfristig Ziele fest. Es baut auf offene Kommunikation und betont die Chancen des Stadtumbaus für eine nachhaltige Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen.
Bis zum 30.09.2010 wurden insgesamt 7.644 Wohneinheiten zurückgebaut. Dafür wurden Stadtumbaumittel von insgesamt ca. 24 Millionen Euro eingesetzt. Dies führte in vielen Gebieten zu einer Auflockerung bzw. Aufweitung vorhandener Baustrukturen.
Durch Abstimmungsrunden mit den Wohnungs- und Versorgungsunternehmen konnte eine gemeinsame Ausrichtung der Stadtumbaustrategie erreicht werden.
Über das Fördermittelprogramm „Stadtumbau Ost“, Teilprogramm Aufwertung konnten bereits einige gesamtstädtisch raumwirksame Aufwertungsmaßnahmen durchgeführt werden (z.B. nördliche Oderpromenade – Weiterführung der Oderpromenade mit öffentlichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten; Umfeldgestaltung des gymnasialen Standortes Karl-Liebknecht-Gymnasium und Brenner-Gymnasium).
Gesamtstädtisch zeigt der Stadtumbau positive Wirkungen – trotz weiterer Einwohnerverluste geht der gesamtstädtisch zu beobachtende Leerstand zurück.
Michael Annuß
Amtsleiter
Telefon: 0335 - 55 26 100
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Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
Stand: September 2010