|
Bundesland |
Schleswig-Holstein |
Bevölkerung (31.12.2009) |
88.502 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
4,5 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
6,1 |
Räumliche Einordnung |
Ländlicher Raum - Ländlicher Kreis höherer Dichte |
Demographieprofil |
Stabile Mittelstädte und regionale Zentren mit geringem Familienanteil |
Nach dem Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) sowie des Jugendförderungsgesetzes und dem damit verbundenen Anspruch, Kinder und Jugendliche an sie betreffenden Entscheidungen teilhaben zu lassen, wurden in Schleswig-Holstein viele Projekte initiiert. Die ganzheitliche Planung und Umsetzung von Kinderspielplätzen, Bolzplätzen, naturnahen Spielflächen, Jugendaktivitätsflächen und dem öffentlichen Raum steht im Mittelpunkt des in Flensburg entwickelten Verfahrens für die Planungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen beim Neu- oder Umbau von solchen Plätzen. An zwei bis drei Nachmittagen werden die Kinder zu Spielforschern. Sie erkunden ihren Stadtteil nach vorhandenen Spielräumen und überlegen gemeinsam, welche Spielmöglichkeiten auf dem neuen oder umzubauenden Spielplatz vorhanden sein sollen. Am Ende dieses Abwägungs- und Entscheidungsprozesses wird ein Modell gestaltet, so dass alle den neuen Platz vor Augen haben. Kinder und deren Interessen stehen also an erster Stelle. Die Identifikation mit den Plätzen wächst und die Akzeptanz der Gestaltung ist gewährleistet. Darüber hinaus erstellt das Spielmobilteam für jeden Stadtteil Spielraumanalysen. Darin wird nicht nur die Spielplatzsituation erfasst und bewertet, sondern alle Orte des Spiels werden kritisch beleuchtet. Mögliche Konsequenzen und Veränderungsvorschläge werden dem Jugendhilfeausschuss der Ratsversammlung zur Bewertung vorgelegt.
Das Spielmobilteam, als Teil der Kinder- und Jugendförderung, hat mit seinem spiel-pädagogischen Ansatz ein Verfahren entwickelt, das versucht, dem Anspruch von Partizipation treu zu bleiben und dennoch eine Alltagsorientierung zu bieten, Partizipation ohne all zu großen Aufwand durchzuführen.
Das „Standard-Ruck-Zuck-Verfahren“ umfasst die folgenden sechs Teilschritte, die hier modellartig beschrieben sind, um das Grundanliegen eines solchen Planungs- und Beteiligungsprozesses anschaulich zu machen: Februar/März: Vorbereitende Gespräche werden mit den Investoren, dem Landschaftsarchitekten und den Vertretern des Tiefbauamtes geführt, um ein genaues Zeitraster zu erstellen. Zum Teil musste diesen Mitstreitern natürlich auch die Idee der Partizipation und ihr Nutzen näher gebracht werden. Bei Neubaugebieten wird gewartet, bis ca. 2/3 der Häuser bezogen sind. Bei Umgestaltungen von städtischen Plätzen entfallen diese Gespräche, da alle Entscheidungen in der Verantwortung der Kinder - und Jugendförderung liegen. April: Alle Anwohner werden an einem Montagnachmittag (17.00 Uhr) auf die Fläche des Spielplatzes eingeladen. Briefe wurden eine Woche vorher in die Briefkästen verteilt, erste Gespräche wurden dabei schon geführt. Das Spielmobilteam stellt sich vor, erläutert anhand von Plänen das folgende dreitägige Projekt und fragt in erster Linie die Erwachsenen nach ihren Vorstellungen für den neuen Spielplatz. So entsteht ein erstes Bild vom nachbarschaftlichen Umfeld, dem Miteinander und von den Ansprüchen der Anwohner. Dieser Termin richtet sich in erster Linie an die Erwachsenen, auch wenn die Kinder mit eingeladen und anwesend sind. Dieser niedrigschwellige Einstieg macht es allen Beteiligten einfach, miteinander ins Gespräch zu kommen. Eltern können ihre Gedanken äußern, Anwohner ihre Bedenken vortragen und den Kindern ist ein erstes Beschnuppern der Mitarbeiter möglich. Am nächsten Tag sind nur die Kinder eingeladen. Ziel des Tages ist es, mit den Kindern gemeinsam die Umgebung zu erkunden und die bereits vorhandenen Spielmöglichkeiten zu erforschen. Der dritte Tag dient dann der konkreten Ideenfindung für den Spielplatz. Wieder ist um 15.00 Uhr Treffpunkt der Spielplatz. Je nach Alter malen oder schreiben die Kinder ihre Wünsche für den Spielplatz auf. An diesem Tag ist ein Landschaftsarchitekt dabei. Seine Aufgabe ist es mit Tipps und Kompetenz den Prozess so zu begleiten, dass die Kinderwünsche ernst genommen werden ohne ins Uferlose abzudriften. Es entsteht so eine Wunschliste der Kinder, die dann per Abstimmung (jedes Kind hat je nach Menge der Wünsche und der finanziellen Ressourcen drei bis fünf Stimmen) nach Prioritäten sortiert wird. Im Laufe der Zeit wurden viele verschiedene Modelle der gängigen Spielgeräte im Maßstab 1:10 gebaut. Erst nachdem die ersten vier bis sechs Plätze feststehen, werden die Modelle hervorgeholt und im Sand des neuen und umgebauten Spielplatzes maßstabsgerecht aufgebaut. Bei der Überlegung und Entscheidung, wo welches Gerät positioniert wird, berät der Landschaftsarchitekt die Kinder. Am Ende dieses Tages haben die Kinder einen sinnlichen Eindruck, wie ihr Spielplatz einmal aussehen wird. Dieses Ergebnis wird anschließend interessierten Eltern von den Kindern vorgestellt. Mit diesen Eindrücken werden dann Pläne gezeichnet und Angebote von Spielgeräteherstellern eingeholt. Mai/Juni: Die Pläne werden allen Anwohnern und Kindern auf dem Spielplatz an einem Nachmittag präsentiert. „Ist er das?“ „Können mit dem Entwurf alle leben?“ werden die Fragen des Tages sein. Wenn dies dann der Fall ist, kommt es zur Auftragsvergabe und zur Umsetzung. August/September: Der Spielplatz wird mit einem kleinen Fest bei Saft, Kaffee und Keksen eröffnet. Den Kindern wird ihr Spielplatz übergeben.
In den letzten fünf Jahren sind mit dieser Methode zehn neue Spielplätze entstanden und acht umgebaut worden. Das einstige Modellprojekt ist Standard und funktioniert. Die pädagogisch ausgerichtete, kommunikative Art des Jugendamtes hat die technische, gärtnerische Sichtweise des Umwelt- und Grünamtes abgelöst und somit Schwerpunkte der Spielplätze verändert. Dies hat die Spielplätze in Flensburg positiv verändert, wie aus vielen Reaktionen zu schließen ist. Das „Standard-Ruck-Zuck-Verfahren“ wurde 2004 mit einem 2. Preis im Rahmen des „Dieter-Tiemann-Preises für Kinderfreundlichkeit und Alltagsdemokratie“ des Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet. Die Erfahrungen des Spielmobilteams und der anderen jeweils Beteiligten sind sehr positiv. Kinder, Eltern und Anwohner werden mit ihren Wünschen ernst genommen. Die Kinder sehen den Spielplatz als den ihren an („Die Wippe hab ich mir gewünscht.“). Beteiligung bleibt zeitlich in einem überschaubaren Rahmen, erweckt keine utopische Hoffnung und kommunales Handeln findet vor Ort und nicht im anonymen Rathaus statt.
Thomas Dau-Eckert Stadt Flensburg Kinder- und Jugendbüro Süderhofenden 40 24937 Flensburg Tel.: 0461 85-2337 Fax: 0461 85-2092 › E-Mail rnet: » www.flensburg.de
Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
Stand: Januar 2008 |
SUCHE
Thomas Dau-Eckert Kinder- und Jugendbüro
Stadt Flensburg
Süderhofenden 40
24937 Flensburg
Telefon: 0461 - 85 23 37
Mail |