Bertelsmann Stiftung

Stuttgart - Familienförderung sichert Einwohner

Damit städtisches Wohnen für Familien wieder attraktiver wird, bietet Stuttgart eine besonders breite Palette von Serviceleistungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Beschäftigte der Stadtverwaltung testeten die Angebote, bevor sie in den Leistungskatalog der Stadt aufgenommen wurden.

Demographie-Profil:

Bundesland

Baden-Württemberg

Bevölkerung (31.12.2009)

601.646

Entwicklung 2002-2009 (in %)

2,2

Entwicklung 2009-2030 (in %)

2,8

Räumliche Einordnung

Agglomerationsraum/Kernstadt

Demographietyp

Prosperierende Wirtschaftszentren

Ausgangslage/Problemstellung:

  • In der baden-württembergischen Landeshauptstadt vollziehen sich die für Kernstädte typischen Umschichtungen in der Bevölkerungsstruktur: Bedingt durch die Abwanderung von deutschen Familien ins Umland wächst der Anteil an alten Menschen, Auszubildenden, Studenten, Alleinerziehenden, Ausländern und sozial schwachen Menschen in der Stadt.
  • Auch ein großes Engagement im Wohnungsbau hat nicht zur Abnahme der Suburbanisierungstendenzen geführt.
  • Darum muss die Stadt andere Anreize schaffen, um die Familien in der Stadt zu halten bzw. Familien zum Zuzug nach Stuttgart zu bewegen.

Ziel:

  • Stuttgart will junge Familien in der Stadt halten bzw. neue Familien hinzugewinnen.

Strategie:

  • Analyse der Probleme von Familien am Beispiel der Beschäftigten der Stadtverwaltung.
  • Entwicklung von flankierenden Serviceleistungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung.
  • Anschließend werden die Leistungen, die sich intern bewährt haben, auf das Serviceangebot für alle Familien der Stadt übertragen.
  • Parallele Erhebung der Bedarfe der Beschäftigten und der personalpolitischen Angebote regionaler Unternehmen.

Meilensteine:

  • Eine systematische Erhebung und Auswertung von personalwirtschaftlichen Daten in der Stadtverwaltung zeigt, dass Mitarbeiterinnen häufiger höhere Fehlzeiten sowie höhere Fluktuationen aufweisen als ihre männlichen Kollegen. Eine Mitarbeiterbefragung bestätigt den Befund der erschwerten Vereinbarkeit von Familie und Beruf und formuliert den Wunsch nach flankierenden Serviceleistungen.
  • Nachdem die Stadt als Arbeitgeber familienpolitische Maßnahmen entwickelt hat, sind auch die kommunalen Dienstleistungen für Familien in Stuttgart überprüft worden (Fragebogenaktion). Dabei wurde deutlich, dass die bestehenden Betreuungsangebote der Stadt Stuttgart kaum auf den gestiegenen Bedarf nach flexibleren Betreuungszeiten eingehen.
  • Gründung des Kuratoriums „Kinderfreundliches Stuttgart“ bestehend aus über 50 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Wissenschaft.

Akteure:

  • Stadtverwaltung
  • Kuratorium „Kinderfreundliches Stuttgart“
  • Netzwerk familienfreundlicher Unternehmen

Umsetzung:

  • Der Arbeitgeber Landeshauptstadt Stuttgart hat inzwischen eine Vielzahl flankierender Serviceleistungen eingeführt, z. B. Notfallplätze im Betriebskindergarten, die Möglichkeit Kantinenessen mit nach Hause zu nehmen, eine niederschwellige Anlaufstelle für alle Probleme beim familienbedingten Aus- und Wiedereinstieg, Internetauftritt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Elternzeit, Einrichtung eines Stellenpools, d. h. zusätzlicher Personalstellen, deren Anteile flexibel für den raschen Wiedereinstieg genutzt werden können, Gesundheitsvorsorgemaßnahmen bei Doppelbelastung durch angebotene Weiterbildungsmaßnahmen, die insbesondere für Frauen mit Doppelbelastung geeignet sind.
  • Flexiblere Betreuungsangebote sind in Kooperation mit der Musikschule und den Kindertagesstätten geschaffen worden. Ein Förderverein ermöglicht Erzieherinnen durch einen Minijob im Bedarfsfall abends eine Betreuung im eigenen Kindergarten oder im Krankheitsfall bei dem Kind zu Hause anzubieten. Dieses Angebot entstand aus der Erfahrung, dass Eltern ihre Kinder ungern in Einrichtungen unterbringen, die sie nicht kennen. In konkreter Planung sind ein Kinderhotel und ein „Kinder-statt Damenprogramm“ für Managerinnen. Durch die Auspreisung „Innovativer Kitas“, werden stadtteilorientierte Konzepte öffentlich gemacht und den Trägern Änderungsbedarfe vermittelt.
  • Mit dem Portal » www.stuttgart.de/kits ist eine gezielte Suche nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten und freien Plätzen eingerichtet worden.
  • Das Kuratorium „Familienfreundliches Stuttgart“ arbeitet in 15 interdisziplinären Arbeitsgruppen an konkreten Umsetzungsprojekten. Dazu sind bereits Erfolgs- und Messkriterien entwickelt und verbindlich verabschiedet worden. Ein erstes Ergebnis ist ein Netzwerk von Unternehmen, das anhand einer Checkliste zur familienfreundlichen Personalpolitik konkrete best-practice Module darstellen und Ansprechpartner vermitteln wird.
  • Die Internetseite » www.familienfreundlicher-wirtschaftsstandort.de (ab April 2008) ist das Ergebnis der Zusammenarbeit verschiedener überregionaler Netzwerke zum Thema Familienfreundlichkeit unter der Leitung der Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Seite bietet ein geschlossenes Webforum sowie öffentliche Informationen zu unterschiedlichen familienfreundlichen Handlungsfeldern. Dabei wird auch die Schnittstellenproblematik zwischen den Unternehmen, Kommunen und Verbänden etc. beachtet. Es ist möglich in einer Datenbank nach verschiedenen Maßnahmen familienfreundlicher Unternehmens- und Kommunalpolitik zu suchen. Als Suchergebnisse tauchen die Kontaktdaten von Expertinnen und Experten zu den Themen auf sowie aufbereitete Inhalte (Präsentationen, Protokolle, Veranstaltungs- und Literaturhinweise etc.) der Netzwerkarbeit. Zielgruppen sind Kommunen, Unternehmen, Verbände Organisationen und Familien, für die das Thema Familienfreundlichkeit zukunftsweisend ist.

Bürgerbeteiligung:

  • Explorative Bedarfsbefragungen
  • Hotline zum Thema „Vereinbarkeit Familie und Beruf“
  • Stadtteiltreffen
  • Entwicklung von Messgrößen zur Evaluation „Kinderfreundliches Stuttgart“ unter Einbeziehung von Eltern

Finanzierung:

  • Pilotprojekte werden im Rahmen der Budgets der städtischen Referate finanziert.
  • Ca. 200.000 € wurden für fünf Stellen (Stellenpool) zur Verbesserung des Wiedereinstiegs als Piloterprobung 2005-2006 zur Verfügung gestellt.
  • Mischfinanzierung der Zusatzkosten zur flexiblen Kinderbetreuung durch Trägerkooperationen zwischen Stadt und Wirtschaft.
  • durch Trägerkooperationen zwischen Stadt und Wirtschaft
  • Finanzierung von Pilotprojekten durch Förderverein „Kinderfreundliches Stuttgart“
  • Für ein Pilotprojekt „Landesweites Promotorennetzwerk zur familienfreundlichen Unternehmenspolitik“ wurden über das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg 80.000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds akquiriert.

Erfolge:

  • Verbesserung des raschen Wiedereinstiegs von Beschäftigten nach Elternzeit unter einem Jahr
  • Jobsharing von Führungskräften in Elternzeit, Führung in Teilzeit
  • Durch die Gründung des Kuratoriums ist Familienfreundlichkeit nicht nur die Aufgabe der Stadtverwaltung geblieben, sondern eine gemeinsame Aufgabe der Stadtgesellschaft.
  • Sensibilisierung und Kooperation zwischen Kommunalpolitik und Wirtschaft: Familienfreundlichkeit als Wirtschafts- und Standortfaktor.
  • Abstimmung von realem Bedarf, kommunaler Bedarfsplanung, und Angeboten an Betreuungsdienstleistungen.
  • Pilotmodelle (flexible Öffnungszeiten, Trägerkooperationen etc.) werden in den Regelbetrieb der Träger übernommen.
  • Einrichtung einer Internetseite für städtische Beschäftigte in Elternzeit mit Informationen zum Wiedereinstieg, zur Kinderbetreuung, zu gesetzlichen Regelungen etc., online seit September 2006.

Kontakt:

Dr. Ursula Matschke

Telefon: 0711 - 21 63 338

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Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Januar 2008

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KONTAKT

Dr. Ursula Matschke

Landeshauptstadt Stuttgart

Stabstelle für individuelle Chancengleichheit von Frauen und Männern

Eberhardstraße 61

70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 21 63 338

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