Bertelsmann Stiftung

Essen - Zentrale Steuerung mit Netzwerkpartnern

Demographie-Profil:

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Bevölkerung (31.12.2009)

576.259

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-1,6

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-5,7

Ausländeranteil (in %)

11,9

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Die Stadt Essen verzeichnete in den letzten 30 Jahren einen Bevölkerungsverlust von über 120.000 Einwohnern. In den nächsten 20 Jahren wird die Bevölkerungsentwicklung durch einen großen Rückgang des einheimischen Bevölkerungsanteils von gegenwärtig 80 Prozent auf unter 70 Prozent geprägt, in einigen Stadtteilen sogar noch mehr.
  • Mitte der 90er Jahre ließen Problem mit nicht integrierten Menschen libanesischer Herkunft mit ihren deutschen Vermietern, Nachbarn und städtischen Ämtern die die Grenzen der traditionellen Verwaltungssteuerung offenkundig werden. Daraufhin wurde eine erste Projektgruppe eingerichtet, um die Arbeit der verschiedenen Ämter, Institutionen und Organisationen zentral und dezentral in den Stadtteilen zu koordinieren, Ressourcen zu bündeln und bürgerschaftliches Engagement zu fördern.
  • Dieses Modell legte die Grundlagen für die jetzige Organisationsstruktur Integrationspolitik der Stadt Essen, bei der nichtstädtische Netzwerkpartner an zentralen Steuerungsfunktionen auf oberster Verwaltungsebene beteiligt werden.

Ziel:

  • Die Stadt Essen hat Essen hat den „Ausbau der Interkulturellen Orientierung“ als einen ihrer acht strategischen Schwerpunkte des Gesamtkonzerns definiert. Damit sollen folgende Ziele verfolgt werden:
  • Ermöglichung eines gemeinsamen Lebens und Lernens von Deutschen und Nichtdeutschen
  • Austausch statt Anpassung an die jeweiligen Strukturen stärken.
  • Abbau von Benachteiligungen und Voraussetzungen für eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen und sozialen Leben schaffen.

Strategie:

  • Die Umsetzung dieser Schwerpunkts liegt vor allem bei der Stabsstelle RAA/Büro für interkulturelle Arbeit, welche sich folgende Amtsziele gesetzt hat:
  • Umsetzung des Gesamtkonzepts Sprachförderung
  • Steigerung der politischen Partizipation von Migranten und deren
  • Organisationen
  • Förderung der gleichberechtigten Teilhabe von Migranten am Bildungssystem
  • Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit durch Festigung der Aufbauorganisation
  • differenzierte Anpassung der Geschäftsführung und Ablauforganisation an zukünftige Aufgabenschwerpunkte und Projektmanagementerfordernisse.

Meilensteine:

  • 1975 tagt der erste Ausländerbeirat der Stadt Essen, inzwischen unbenannt in Integrationsbeirat.
  • 1999 beschließt der Rat der Stadt das „Konzept für die interkulturelle Arbeit“ in Essen.
  • Ebenso wurden 1999 die organisatorisch die RAA als Abteilung des Schulverwaltungsamtes und die Geschäftsstelle Ausländerbeirat zur neuen Organisationseinheit „RAA / Büro für interkulturelle Arbeit“ als Stabsstelle im Geschäftsbereich Jugend und Soziales zusammengefasst.
  • 2005 wurde ein Ausschuss für Zuwanderer und Integration eingerichtet.

Akteure:

  • An der Steuerungsgruppe der Stadt sind Vertreter folgender Institutionen beteiligt: Ratsfraktionen, Ausländerbeirat, Geschäftsbereiche Jugend und Soziales sowie Schule und Kultur, Büro Stadtentwicklung, verschiedene Ämter, Schulaufsicht und Jugendverbände.
  • Darüber hinaus sind in den Fach- und Entwicklungsgruppen beteiligt: Wohlfahrtsverbände, Träger, Vereine, Kammern, wissenschaftliche Institute, Migrantenvereine.
  • Weitere Akteure wie Kitas oder Schulen sind im Rahmen der Maßnahmeplanung beteiligt.

Umsetzung:

  • Die politische Verantwortlichkeit für die Umsetzung das „Konzepts für die interkulturelle Arbeit in der Stadt Essen“ mit dem Ziel, interkulturelle Orientierung als Querschnittsaufgabe auszubauen, liegt bei der Sozialdezernentin.
  • Die Sozialdezernentin verantwortet als Mitglied im Verwaltungsvorstand die gesamtstädtische strategische Zielerreichung gegenüber dem Oberbürgermeister, dem Verwaltungsvorstand und der Politik.
  • Mit die Prozessteuerung und die Koordinierung des Ziels „Ausbau der interkulturellen Orientierung“ ist die Steuerungsgruppe unter dem Vorsitz der Sozialdezernentin verantwortlich. (Zusammensetzung siehe Akteure).
  • Zentrale Einheit zur Durchführung strategischer und operativer Aufgaben ist die Stabstelle RAA/Büro für Interkulturelle Arbeit, die im Geschäftsbereich Jugend und Soziales angesiedelt ist. Sie ist Anlaufstelle für Institutionen und Multiplikatoren sowie Stabstelle zur Prozessbegleitung.
  • Die Fach- und Entwicklungsgruppen (Akteure s.o.) arbeiten sozialraumorientiert zusammen mit anderen Netzwerken an der Maßnahmenplanung. Sie liefern den Input für die Steuerungsgruppe und die Stabstelle.
  • Durch die breite Beteiligung unterschiedlicher Fachbereiche und Akteure in den Netzwerken, trägt das Essener Steuerungsmodell nicht nur zur Effizienz und Effektivität bei, sondern stärkt auch die gesamtstädtische Identifikation.

Bürgerbeteiligung:

  • Es findet eine direkte Ansprache von Bürgern und insbesondere von Zuwanderern für ein projektbezogenes Engagement statt. Daneben arbeitet die Stadt mit zahlreichen intermediären Akteuren zusammen, die z.B. eine Mittlerfunktion mit den islamischen Gemeinden übernehmen.
  • Die Selbstorganisationen der Zuwanderer werden zum Teil finanziell und organisatorisch gefördert, ebenso findet eine logistische Unterstützung wie z.B. bei öffentlichen Veranstaltungen statt.

Finanzierung:

  • Das Budget der Stabsstelle RAA/Büro für interkulturelle Arbeit betrug im Jahr 2003 2,3 Mio. €. Derzeit liegt der Schwerpunkt des Budgets mit 1,5 Mio. € auf der Umsetzung von Maßnahmen des interkulturellen Konzepts, aktuell im Bereich der Sprachförderung. In geringem Maße werden auch die Ressourcen anderer Fachbereiche wie z.B. das Budget des Schulbereichs genutzt.

Erfolge:

  • Integration ist inzwischen eine stadtpolitische Gesamtaufgabe in Essen. Getragen von einer konstanten parteienübergreifenden Kommunalpolitik, werden Handlungsansätze langfristig umgesetzt.
  • Über die Jahre konnten verlässliche Netzwerke unter Beteiligung unterschiedlicher Fachbereiche und Akteure etabliert werden und ein Wandel von der klassischen „Ausländerpolitik“ hin zu einer integrativen Stadtpolitik vollzogen werden.
  • Das „Essener Modell“ kommunaler Integrationspolitik gilt inzwischen als wegweisend für die Entwicklung dieses Politikfelds und wird von vielen Kommunen, auch kleinerer Größe, implementiert.

Kontakt:

Dr. Helmuth Schweitzer

Telefon: 0201 -  83 28 400

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Weitere Informationen:

  • » Stadt Essen
  • Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Gütersloh 2005. S. 21
  • Dr. Alfred Reichwein (KGST), Stephanie Vogel: „Integrationsarbeit – effektiv organisiert. Ein Handbuch für Kommunen“. Erstellt im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familien des Landes Nordrhein-Westfalen. Siehe S. 81 ff.

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: September 2006

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KONTAKT

Dr. Helmuth Schweitzer
RAA / Büro für interkulturelle Arbeit

Stadt Essen

Tiegelstr. 27

45141 Essen

Telefon: 0201 - 83 28 400

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