Bertelsmann Stiftung

Erlangen - Die Begleiter

Demographie-Profil:

Bundesland

Bayern

Bevölkerung (31.12.2009)

105.554

Entwicklung 2002-2009 (in %)

3,3

Entwicklung 2009-2030 (in %)

2,7

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Demographietyp

Prosperierende Wirtschaftszentren

Ausgangslage:

  • In Deutschland verlassen jedes Schuljahr 80.000 Kinder die Schule ohne jeglichen Abschluss. Dabei ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund an Hauptschulen überdurchschnittlich hoch. Im Hinblick auf die demographische Entwicklung ist deshalb eine bessere Qualifizierung der Schulabgänger zwingend geboten, um einerseits dem bevorstehenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken und andererseits die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund nachhaltig zu verbessern.
  • Des Weiteren haben viele Schüler mit Hauptschulabschluss enorme Probleme, eine Lehrstelle zu finden. Die Übergänge in Ausbildung und Beruf haben sich stark verändert; sie sind heute unübersichtlicher, risikoreicher und weniger standardisiert als in der Vergangenheit. Zugleich wachsen seitens der Betriebe die Anforderungen an Auszubildende stetig. Die Jugendlichen müssen sich heute angesichts vieler Unvorhersehbarkeiten und Unübersichtlichkeiten sehr viel intensiver orientieren. Hierzu bedarf es gerade bei benachteiligten Jugendlichen oftmals Unterstützung in einem Maß, das seitens der Eltern sowie der Schule und der Berufsberatung nicht geleistet werden kann. Deshalb sind ergänzende Angebote bzw. Ansätze gefragt, die insbesondere eine individuelle Förderung der Jugendlichen ermöglichen.
  • Auch wenn die Situation in Erlangen weniger dramatisch ist als in vielen deutschen Großstädten, so sind die Grundzüge der aktuellen Lage vergleichbar mit der gesamtdeutschen Entwicklung. Schulstudien zeigen, dass auch in Erlangen gemessen am Bevölkerungsanteil Kinder mit Migrationshintergrund an Hauptschulen überdurchschnittlich stark vertreten sind und bei den Schulabschlüssen sowie beim Übergang in Ausbildung meist schlechter abschneiden als ihre „einheimischen“ Mitschüler.
  • Initial zündend für den Start des kommunalen Integrationsprogramms war das Auslaufen des Integrationsprojektes SPUTNIK für deutsche Spätaussiedler aus Russland, in dem bereits sehr gute Erfolge auf dem Gebiet der schulischen und beruflichen Integration erzielt wurden. Die bis dahin geleistete wertvolle Arbeit des Projektes sollte künftig interkulturell geöffnet und massiv ausgebaut werden. Deshalb beschloss der Erlanger Stadtrat im Februar 2010 das kommunale Integrationsprogramm „die begleiter.“, dessen Angebote nun allen Jugendlichen unabhängig der Herkunft offen stehen.

Ziele:

  • Das Integrationsprogramm orientiert sich in seiner Ausrichtung an den zentralen Zielen des Erlanger Leitbildes für Integration und gleichzeitig an den Zielen der Erlanger Bildungsoffensive.
  • Ziel ist es, die Chancengleichheit von Jugendlichen in Schule und auf dem Ausbildungsmarkt deutlich zu erhöhen. Angestrebt wird eine Verbesserung der schulischen Leistungen und somit eine bessere Integration in das hiesige Schulsystem sowie eine bessere Integration in Ausbildung und Beruf.

Umsetzung:

Folgende konkrete Maßnahmen wurden umgesetzt um die gesetzten Ziele zu erreichen: 

1. Förderunterricht an Schulen

  • In Absprache mit den jeweiligen Schulleitern wird an zwei Erlanger Mittel- und Realschulen an jeweils zwei Nachmittagen kostenlos eine mehrsprachige Hausaufgabenbetreuung und Vertiefung des Lernstoffes im Sinne des ergänzenden Lernens und Übens angeboten. In jeder Förderunterrichtsgruppe kann der Schulstoff ergänzend auf Türkisch und Russisch erklärt werden. Dies kommt insbesondere den Schülern zu Gute, deren schwache schulische Leistungen auf Sprachschwierigkeiten zurückzuführen sind.
  • Die zweisprachigen Lehrkräfte nehmen in Zusammenarbeit mit der Teamleitung auch Kontakt zu den Eltern auf, um gezielte Förderpläne für die Jugendlichen zu erarbeiten.
  • Der Unterricht wird vor Ort an der Schule praktiziert und in Zusammenarbeit mit Schulleitung und Kollegium durch Feedbackprozesse laufend optimiert. Aktuell besuchen rund 90 Schüler die Förderunterrichtsgruppen.

2. Vermittlung ehrenamtlicher Bildungspaten

  • Der zweite Schwerpunkt des Programms liegt auf der Vermittlung ehrenamtlich tätiger Bildungspaten an Schüler, die sich in der Übergangsphase zwischen Schule und Ausbildung befinden.
  • Bildungspaten unterstützen Jugendliche auf ihrem Weg in Ausbildung auf vielfältige Art und Weise: sie strukturieren den Bewerbungsprozess, helfen bei der Berufsorientierung sowie bei der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche, leisten Beistand in schulischen und persönlichen Problemlagen und motivieren zur aktiven Zukunftsplanung. Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, betreuen die Paten die Jugendlichen auch während der Ausbildung weiter.
  • Durch den Eins-zu-eins-Betreuungsschlüssel der Bildungspaten sowie deren inhaltliche und zeitliche Flexibilität lässt sich eine individuelle, bedarfsgerechte Unterstützung ermöglichen. Bildungspaten sind intensive Wegbegleiter und Vertrauenspersonen und leisten sehr viel mehr als reine Wissensvermittlung. Durch die langjährig angelegte Struktur der Patenschaften entstehen nicht selten echte Freundschaften zwischen den Beteiligten. Bildungspatenschaften sind somit gerade für Jugendliche in schwierigen persönlichen Problemlagen ein sehr geeignetes Instrument zur Stabilisierung und besonders zur Chancenverbesserung in der Schule und auf dem Ausbildungsmarkt.
  • Um einer Überforderung der Ehrenamtlichen entgegenzuwirken, sind diese eingebunden in ein umfangreiches Rahmenprogramm. Neben einem Einführungsseminar finden kontinuierlich angeleitete Treffen zum Erfahrungsaustausch und zur Supervision statt. Des Weiteren besteht die Möglichkeit der Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit. Die hauptamtlichen Koordinatorinnen sind darüber hinaus stets Ansprechpartnerinnen bei Fragen oder in Konfliktsituationen.

Erfolge:

  • Der Förderunterricht wird von den Schülern so zahlreich angenommen, dass die Gruppen an den Schulen bereits erweitert werden mussten. Zudem zeichnet sich nicht nur eine Verbesserung der schulischen Leistungen ab, auch das Sozialverhalten innerhalb des Klassenverbandes verbessert sich deutlich. Durch die zweisprachigen Honorarkräfte des Programms kann leicht Kontakt zu den Eltern aufgenommen werden und diese zur Mitarbeit gewonnen werden.
    • Seit Beginn des kommunalen Integrationsprogramms konnten viele neue Bildungspaten gewonnen werden. Die Abbruchquote der Patenschaften ist bislang außerordentlich gering; ein Großteil der Jugendlichen wird über einen langen Zeitraum kontinuierlich betreut. Während der intensiven Arbeit mit den Paten eignen sich viele Schüler wichtige Softskills und Umgangsformen an, die für den Eintritt ins Berufsleben notwendig sind. Fast alle der in Patenschaften befindlichen Jugendlichen konnten direkt nach dem Schulabschluss in den ersten Ausbildungsmarkt integriert worden.

Kontakt:

Till Fichtner
Geschäftsführer

Telefon: 09131 - 86 14 09

 

Tanja Stark-Kantar und Swetlana Villemsoo
Bildunsgpaten

Telefon: 09131 - 86 14 21

 

Weitere Informationen:

» Stadt Erlangen

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

 

Stand: Dezember 2010

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