Bertelsmann Stiftung

Landkreis Düren - Unternehmer mit Migrationshintergrund

Demographie-Profil:

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Bevölkerung (31.12.2009)

268.637

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-1,4

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-5,1

Ausländeranteil (in %)

1,2

Räumliche Einordnung

Agglomerationsraum - Verdichtete Kreise

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Der Kreis Düren hatte im Jahr 2006 9,7% ausländische Einwohner, die Erwerbslosenquote lag bei Deutschen bei 10,1% und bei den Ausländern mit 28,0% um fast das Dreifache höher.
  • Im Jahr 2007 wurde ein Integrationskonzept für den Kreis Düren im Kreistag beschlossen, in dem auch ein Kapitel mögliche Potentiale von Migrantenunternehmen beschreibt und Handlungsbedarf aufzeigt. Dabei wurde deutlich, dass es keinerlei konkrete Zahlen und Erkenntnisse zu dieser Zielgruppe für den Kreis Düren gab. Für das Integrationskonzept war man deshalb auf allgemeine Aussagen und überregionale Studien beschränkt.
  • Ein Projekt der Handwerkskammer in den Jahren 2005 und 2006, das Ausbildungsplätze in Migrantenunternehmen gewinnen wollte, machte im Projektverlauf deutlich, dass grundlegende Kenntnisse über Migrantenunternehmen im Kreis Düren fehlen und dass es einer Bestandsanalyse der Unternehmen mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren bedarf. Daraus resultierte ein großes Interesse der Handwerkskammer Aachen, zusätzliche Erkenntnisse über die Situation von Unternehmer/innen mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren zu gewinnen und neue Strategien der Ansprache dieser Unternehmen zu entwickeln.
  • Migrationsbeauftragte des Kreises und der Gesellschaft für Wirtschafts- und Strukturförderung im Kreis Düren sahen daraufhin Handlungsbedarf, die Situation der Unternehmerinnen und Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren zu analysieren und ihre Potentiale im Hinblick auf Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum zu erkennen. Mit Mitteln aus dem KOMM-IN Programm des Landes NRW war es möglich, eine Studie zur Situation von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Zuwanderungsgeschichte zu erstellen.

Ziel:

Förderung von Wirtschaftsunternehmen mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren                              

  • Erstellung eines aussagefähigen statistischen Datenbestandes über die Aktivitäten von Wirtschaftsunternehmen mit Zuwanderungsgeschichte.
  • Qualitative Erkenntnisse zur Situation von Wirtschaftsunternehmen mit Zuwanderungsgeschichte sollten wichtige Hinweise für gezielte Unterstützungs- und Aktivierungspotentiale liefern.
  • Besondere Formen der Ansprache und Unterstützung sollten ausprobiert und verschiedene Formen eines umfangreichen Beratungs-, Seminar- und Begleitangebotes für die Zielgruppe exemplarisch erprobt werden. Bewährte Ansätze sollten in die Regelangebote der Wirtschaftsförderung auf kommunaler und regionaler Ebene aufgenommen werden.
  • Durch den innovativen Ansatz des Projektes sollten Wirtschaftsunternehmen mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren von Wirtschaftsverbänden und Kammern im Kontext einer zunehmenden Globalisierung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen als wichtige Ansprechpartner/innen und Brückenbauer/innen erkannt werden.

Umsetzung:

Das Projekt setzte sich aus verschiedenen Elementen zusammen, die sich gegenseitig ergänzten:

  • Bildung eines Projektbeirates, bestehend aus Institutionen der Wirtschaftsförderung, wie z.B. Handwerkskammer, Gesellschaft für Wirtschafts- und Strukturentwicklung, Verwaltung, einem Stadtteilprojekt aus Düren und Unternehmer/innen mit Zuwanderungsgeschichte.
  • Zwei Impulsworkshops in zwei Teilregionen des Kreises sollten gezielt Unternehmer/innen mit Zuwanderungsgeschichte ansprechen und ihre Bedarfslagen erfassen.
  • Eine qualitative Untersuchung durch 50 Interviews sollte helfen, die Erkenntnisse über Potentiale und Bedarfe zu liefern.
  • Eine quantitative empirische Untersuchung sollte Aufschluss geben über die vorhandene Unternehmerstruktur, ihren Umfang und ihre Potentiale im Hinblick auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft von Migrantenunternehmen im Kreis Düren.
  • Ein Impulsworkshop sollte erste Kontaktmöglichkeiten zwischen Migrantenunternehmen und Institutionen eröffnen.
  • Ein Abschlussworkshop sollte die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren.

Grundhaltungen und Strategien haben sich bei den Projektbeteiligten nachhaltig verändert:

  • Vom Defizit zum Potential – Die Aufmerksamkeit sowohl der beteiligten Akteure als auch der Öffentlichkeit wurde auf die Potentiale und ein lösungsorientiertes Handeln gelenkt.
  • Beteiligung ist die Basis – Der Projektbeirat entwickelte sich zu einem aktiven Beteiligungsinstrument. Die beteiligten Unternehmer/innen wurden darin gestärkt, sich als Partner im Projekt zu verstehen und zu engagieren. Sie wurden zu den zentralen Schlüsselpersonen für den Erfolg des gesamten Projektes. Dies war nur möglich, weil den Unternehmer/innen sowohl bei der Terminwahl als auch durch persönliche Ansprache ihre Teilnahme als erwünscht und notwendig deutlich gemacht wurde.
  • Offenheit bewahren für Kursänderungen – Der Projektverlauf musste einige Misserfolge und Rückschläge verkraften. Dies bot die Chance, das eigene Verhalten zu reflektieren, Fehler zu erkennen und neue Wege zu versuchen. Diese fragende und forschende Vorgehensweise war ein wesentlicher Erfolgsfaktor und ermöglichte den Mitgliedern des Projektbeirates
    • die Stärken und Bemühungen der verschiedenen Beratungsstellen anzuerkennen,
    • die Sorgen und Vorbehalte der Migrantenvertreter/innen zu erfahren,
    • gemeinsame Schlussfolgerungen aus Veranstaltungen zu ziehen und weiter Veranstaltungen entsprechend vorzubereiten.
  • Konkrete Ziele formulieren und gemeinsam umsetzen – In einem aktiven und partizipativen Prozess konnten die Integrationsleistungen der Zugewanderten wahrgenommen und gleichzeitig eine Veränderung bei den Vertreterinnen und Vertretern der Mehrheitsgesellschaft festgestellt werden.
  • Hauptamt – Ehrenamt beachten! – Es war wichtig, zu erkennen, dass die Mitwirkung der beteiligten Migranten außerhalb ihrer unternehmerischen Tätigkeit ehrenamtlich stattfand. Es entwickelte sich zunehmend ein sensibler Umgang mit den Zeitressourcen der Beteiligten. Gegenseitige zu hohe Erwartungen und dadurch Enttäuschungen und Distanzierungen konnten dadurch vermieden werden.
  • Interkulturelle Orientierung und heterogene Zusammensetzung der externen Begleitung - Durch das multikulturelle Team des Instituts für soziale Innovation wurden Migranten erreicht, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und eine große Skepsis und Distanz zu "offiziellen" Institutionen haben. Die Auswertung des Projektes profitierte sehr von den verschiedenen Sichtweisen und Interpretationen im Team.

Erfolge:

  • Die Strukturdatenanalyse machte die vielfältigen Potentiale der Unternehmerinnen und Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte sichtbar. Dies führte sowohl bei den Zugewanderten selbst als auch bei den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern dazu, diese Zielgruppe zukünftig in Planungen, Prozessen und Leitbildern zu berücksichtigen. Aktuell fließen die Ergebnisse der Studie in den Prozess der Entwicklung eines wirtschaftlichen Leitbildes für den Kreis Düren mit ein.
  • Die qualitativen Interviews machten Bedarfe transparent und deckten Missverständnisse auf. Wirtschaftsförderung und Kammern haben nun die Chance, auf diese Erkenntnisse einzugehen. In einigen Bereichen, z.B. muttersprachliche Beratung für türkische Unternehmer/innen und Existenzgründer im Stadtteil Düren-Nord, ist es bereits exemplarisch gelungen.
  • Es ist gelungen, Unternehmerinnen und Unternehmern mit Zuwanderungsgeschichte die Beratungs- und Serviceangebote im Kreis Düren nahe zu bringen und sie für die Teilnahme an Workshops und Abendveranstaltungen zu gewinnen. Der vormalige Projektbeirat besteht weiterhin, inzwischen als Arbeitskreis der Unternehmer/innen mit Zuwanderungsgeschichte; weitere gemeinsame Aktivitäten werden folgen.

Kontakt:

Sybille Haußmann

Telefon: 02421 - 22 20 75

Mobil: 0160 - 97 26 50 26

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Weitere Informationen:

» Kreis Düren

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Januar 2009

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KONTAKT

Sybille Haußmann
Migrationsbeauftragte

Kreis Düren

Bismarckstr. 16

52351 Düren

Telefon: 02421 - 22 20 75

Mobil: 0160 - 97 26 50 26

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