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Randlagen und Wirtschaftsstrukturprobleme machen auch vielen Kommunen in Westdeutschland zu schaffen. Cuxhaven, traditionsreicher Badeort im baulichen Gewand einer Industriestadt, ist von starker Abwanderung der mittleren und jüngeren Generation betroffen. Ältere Menschen finden hier ihre Wahlheimat. Aktuell bestehen Entwicklungsperspektiven im Segment der Offshore-Wirtschaft. Der ehemalige Standort von Marine und Fischindustrie hat vor wenigen Jahren einen gesamtstrategischen Perspektivenwechsel eingeleitet, dessen Erfolge jetzt schon auf vielen Ebenen sichtbar werden.
Bundesland, Landkreis |
Niedersachsen, Cuxhaven |
Bevölkerung (31.12.2009) |
50.846 |
Entwicklung 2002-2009 (in %) |
-4,2 |
Entwicklung 2009-2030 (in %) |
-9,4 |
Räumliche Einordnung |
Ländliche Kreise_Verstädterte Räume |
Demographietyp |
Stabile Mittelstädte und regionale Zentren mit geringem Familienanteil |
Die Einwohnerzahl der Stadt Cuxhaven ist in den letzten 4 Dekaden um mehr als ein Sechstel zurückgegangen. Durch Ausbildungs-, Erwerbstätigen- und Umlandwanderungen verliert die Stadt kontinuierlich an Bevölkerung, durch Ruhestandswanderung gewinnt sie neue Einwohner dazu. Zusammen mit der natürlichen Bevölkerungsentwicklung haben diese Trends bewirkt, dass die Alterung der Stadtbevölkerung der Entwicklung in der Bundesrepublik bereits heute um eine Generation voraus ist. - Unter Status quo Bedingungen ist nach stadteigener Vorausschätzung und den Prognosen des Niedersaächsischen Landesamtes für Statistik auch in den kommenden Jahren von einer Fortsetzung der Bevölkerungsverluste auszugehen.
- Die demographischen Veränderungen wirken sich grundlegend auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und kommunalen Handelns aus.
Sensibilisieren: Die Herausforderungen des demographischen Wandels in Politik, Verwaltungshandeln und Öffentlichkeit zum Stadtthema machen und ein gemeinsames Verständnis entwickeln Erforschen: Zusammenhänge, Handlungserfordernisse und Steuerungsmöglichkeiten aufspüren Ganzheitlich angehen: Strategisches Gesamtkonzept erarbeiten. Standortqualitäten sowie Identitäten erkennen, erhalten und zielgerichtet weiterentwickeln; Infrastrukturen entsprechend der zukünftigen Nachfrage und finanziellen Leistungsfähigkeit anpassen. Schlüsselprojekte zur Familien- und Seniorenfreundlichkeit frühzeitig umsetzen. Gemeinsame Verantwortung von Entscheidungsträgern und Bürgern entwickeln und Umsetzungspartnerschaften bilden.
Partizipativer Leitbildprozess (2002 – 2003) In einem breit angelegten und offenen demokratischen Prozess formuliert eine Vielzahl von Mitwirkenden aus Bürgerschaft, Verwaltung und Politik gemeinsame Ziele und Visionen für ihre Stadt und fasst diese in einem Leitbild zusammen. Das Leitbild wird einstimmig vom Rat als Grundorientierung für die Stadtkonzeption beschlossen. Einrichtung des Ratsausschusses „Demographischer Wandel“ (2004) Neueinrichtung eines Demographie-Ausschusses trotz kommunaler Sparzwänge: Umverteilung und Konzentration von Ressourcen auf dringende Handlungsbereiche. Die Bildung des Ausschusses ist ein deutliches Signal des Rates, sich dem gravierenden Veränderungsdruck zukunftsorientiert zu stellen. Seit dem Herbst 2006 tagt der Ausschuss demographischer Wandel als öffentliches Gremium. „Demographiebericht Cuxhaven 2030“ (2004): Der von der Stadtverwaltung erstellte umfassende Demographiebericht wird in den politischen Ausschüssen intensiv beraten. Es wird einstimmig beschlossen, die Stadtentwicklung auf eine rückläufige Einwohnerzahl auszurichten und die in der Schrumpfung begründeten Chancen im Sinne einer Qualitätsverbesserung für die Stadt zu nutzen. Gleichzeitig wird die Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes beschlossen, um darauf aufbauend den notwendigen Stadtumbau organisieren zu können. Zusammenarbeit im Arbeitskreis Wohnungswirtschaft (2005): Im Rahmen des Arbeitskreises Wohnungswirtschaft werden die Geschossbauquartiere ins Blickfeld der Stadtentwicklung gerückt. In einer ergebnisorientierten partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die als Modell für künftige Beteiligung von Akteuren dienen kann, verständigen sich die Vertreter der Wohnungswirtschaft, der Verwaltung und der Politik auf eine gemeinsame Sichtweise und vorrangige Handlungsbedarfe. Beschluss über Teilziele zur Stadtentwicklung (2008, 2009) Mit dem Beschluss von Teilzielen zur Stadtentwicklung wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Perforierte Stadtstrukturen sollen möglichst vermieden werden. Im Vordergrund steht die qualitative Aufwertung und Stützung innerer, identitätsbestimmender Stadtbereiche und die Sicherung ihrer Funktionsfähigkeit (Nahversorgung, Infrastruktur). Der Stadtrat hat dementsprechend eine an der Nachfrage orientierte, schrittweise umzusetzende Neubauflächenausweisung beschlossen (Empfehlungen zur Wohnbauflächenentwicklung) und auch die Pflege und Entwicklung der Gewerbebestandsgebiete fokussiert (Untersuchung Binnenstädtischer Gewerbegebiete, Bausteine zum Stadtentwicklungskonzept StEP).
- Bürger
- Institutionen
- Politik
- Verwaltung
„Stadtentwicklungskonzept” - Die Auswirkungen des demographischen Wandels werden für alle Bereiche der Stadtentwicklung (d. h. Wohnen, Arbeitsmarkt und Wirtschaft, soziale und technische Infrastruktur, Mobilität, Versorgung, Kommunalfinanzen) thematisiert. Mit den Entscheidungsträgern wird ein fortlaufender fachlicher Diskussionsprozess geführt. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten innerhalb und außerhalb der Verwaltung, themenbezogene Beteiligung weiterer Akteure sowie eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Ausstellungen, Internet) bleibt der demographische Wandel weiterhin Stadtgespräch. Es werden somit Akzeptanzen und Umsetzungen gefördert.
- VoVor dem Hintergrund der anhaltenden rückläufigen demographischen Entwicklungen, der Siedlungsgeschichte sowie den beschlossenen Entwicklungszielen wird im Themenfeld „Wohnen“ in vier Handlungsfeldern an der Umsetzung gearbeitet:
- Konsolidierung des Geschosswohnungsbestandes
Durch Zusammenlegungen von Wohnungen, Umnutzungen, eigentumsbildende Maßnahmen und durch den Abriss von Substandardwohnungen wird der Mietwohnungsbestand in der Stadt sukzessive reduziert. Die kommunale Wohnungsgesellschaft ist im Rahmen ihrer Modernisierungsoffensive Vorreiter, modellhaft werden abgeräumte Flächen als Quartiersfreiräume bzw. mit Reihen- und Einfamilienhäusern nachfragegerecht entwickelt. Moderate Neubauflächenentwicklung Angesichts rückläufiger Wohnraumnachfrage wird die Neubauflächenausweisung für Einfamilienhäuser moderat betrieben. Nur noch qualitativ hochwertige Flächenentwicklungen haben eine realistische Vermarktungsaussicht. Aus Sicht der Kommune sind dies Flächen, die kosteneffizient sind, sich am örtlichen Bedarf orientieren, naturschutzfachlich vertretbar sind, gute Qualitäten hinsichtlich der Infrastrukturnähe, Naherholung sowie Wohnattraktivität bieten und sich städtebaulich in die jeweilige Ortslage einfügen. - Aktivierung von Potenzialen im Bestand
(Projekt „Cuxhavener Wohnlotsen“) Ein neues Handlungsfeld für die Stadtentwicklung stellt die Nachnutzung bestehender Einfamilienhausquartiere dar. Bedingt durch die rückläufige und alternde Bevölkerung werden in diesen flächenhaft verbreiteten Stadtquartieren zukünftig vermehrt Häuser freigesetzt werden. Um die gewachsenen Stadtstrukturen zu erhalten und Leerstände zu vermeiden, ist zielgerichtetes Gegensteuern gefragt. Auf Initiative der Stadt Cuxhaven haben sich verschiedene Akteure rund um die Bestandsimmobilie (Architekten, Makler, Kreditwirtschaft, Energieversorgung, Handwerk) zusammengeschlossen und die Projektgemeinschaft „Cuxhavener Wohnlotsen“ gegründet. Gemeinsam möchten sie Bestandsimmobilien für neue Nutzergruppen attraktiv machen. Kern des Wohnlotsen-Angebotes ist eine Internet-Serviceplattform, auf der Informationen rund um das Wohnen im Bestand gebündelt bereitgestellt werden. Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesforschungsprogramms ExWoSt gefördert. - Altersgerechter Umbau von Wohngebäuden
(Projekt „CuxViTA – Häuser für’s ganze Leben“) Die wachsende Zahl älterer Menschen führt zu einem steigenden Bedarf an altersgerechten, weitgehend barrierefreien Wohnungen, dem das bestehende Wohn- und Versorgungsangebot bisher nur unzureichend gerecht wird. Im Rahmen eines Bundes-Modellprojektes haben sich verschiedene lokale Akteure (Kreishandwerkerschaft, Wohnungswirtschaft, Wohlfahrtsverbände, Stadt und Landkreis) unter der Federführung der Stadtsparkasse zusammengeschlossen, um für das Thema zu sensibilisieren und mit guten Beispielen sowie Beratungsangeboten unterstützend bei Planung und Umsetzung zur Seite zu stehen. - Handlungskonzept für die seniorengerechte Stadt
Vor dem Hintergrund überproportionaler Zuwächse in der Altersklasse der Senioren, insbesondere bei den Hochbetagten, ergibt sich die Frage- und Aufgabenstellung, wie sich Cuxhaven als seniorenfreundliche Stadt profilieren kann. Um die vorhandenen Angebote und die Bedarfe für Senioren zu erfassen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten, ist im Auftrage der Kommune ein Handlungskonzept für eine seniorengerechte Stadt erarbeitet worden, welches mit verschiedenen Projekten schrittweise umgesetzt wird.
Ordnung der Schullandschaft – Schulplanung Cuxhaven - Aus dem demographischen Wandel ergeben sich mittelbar Veränderungen der Nachfrage und daraus resultierend Notwendigkeiten zur Anpassung von Infrastrukturen hinsichtlich ihrer Art, Lage sowie ihres Umfangs. In der Stadt Cuxhaven sind diese Auswirkungen bei der Schulplanung fokussiert worden. Erste Anpassungsmaßnahmen werden umgesetzt. In einem gemeinsamen Prozess aller rund um die Schulen beteiligten Akteure ist im Jahr 2008 ein Diskurs zur Neuordnung der Cuxhavener Schullandschaft auf fachlicher Basis geführt worden. Ziel war es, im Schnittfeld der gesamtstädtischen und ortsteilsbezogenen Interessen eine notwendige Auslastungsoptimierung, eine am Schüleraufkommen ausgerichtete Sanierungseffizienz und nicht zuletzt pädagogisch sinnvolle Konzepte in ein zukunftsfähiges Profil des Cuxhavener Schul- und Bildungsangebotes einmünden zu lassen.
Komplexes Maßnahmenpaket für Familienfreundlichkeit Der demographische Wandel wird hinsichtlich Ausmaß, Wirkungen, Handlungsbedarfen und Maßnahmen fortlaufend offensiv über Presse, Internet, Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen thematisiert. Das städtische Leitbild und das Stadtentwicklungskonzept werden in partizipativ und interdisziplinär angelegten Prozessen erstellt. Themenspezifisch werden Bürger, Experten und Akteure aktiv in Foren, Workshops und Arbeitskreise eingebunden. - Leitbildnovelle 2010
Der Leitbildprozess ist erneut aufgenommen worden. In Podiumsveranstaltungen mit den Fraktionen im Rat der Stadt und Bürgern, in einer für jedermann offenen Kreativwerkstatt sowie in intensiver Arbeit einer aus der Bürgerschaft gebildeten Redaktionsgruppe ist eine Leitbildnovelle erarbeitet worden, die nach öffentlicher Auslegung derzeit modifiziert wird und anschließend in einen erneuten Ratsbeschluss münden soll. Im Entwurf der Leitbildnovelle wird der demographische Wandel als fundamentale Herausforderung explizit herausgestellt. - Entwicklung von Partnerschaften zur Erarbeitung und Umsetzung von Projekten
Förderung bürgerschaftlichen Engagements
Nutzung bestehender Ressourcen der Verwaltung Gezieltes Einwerben von Mitteln aus der Wirtschaft Nutzung von Fördermöglichkeiten
Einrichtung und Etablierung des Ausschusses demographischer Wandel, in dem demographische Zusammenhänge kontinuierlich diskutiert sowie Richtungsentscheidungen und strategische Ziele vorbereitet werden. Der Rückgang („Schrumpfung“) sowie die Alterung der Bevölkerung sind enttabuisiert und werden als Basis des täglichen Handelns akzeptiert. Die Familienfreundlichkeit Cuxhavens wurde durch die eine Vielzahl von Projekten verbessert. In einer Abfolge von Zielbeschlüssen zur Stadtentwicklung (step by step) fließt der demographische Wandel als faktische Rahmenbedingung stringent in die Entwicklungsplanungen der Stadt ein. Es erfolgt eine Besinnung auf die identitätsbildenden inneren Stadtbereiche, die in ihrer Funktionsfähigkeit gesichert werden müssen. Es gelingt, in verschiedenen Bereichen ehrenamtliches Engagement zu aktivieren und zu kanalisieren. Es gelingt, aufgabenbezogene Akteursbündnisse zu initiieren und mit diesen in den Themenfelder des demographischen Wandels zu agieren. In der Gesamtschau verbinden sich gesamtstrategische Aufarbeitungen mit einer Vielzahl von Einzelprojekten und Aktivitäten. Es geht davon das Signal aus, dass die aus dem demographischen Wandel resultierenden Gestaltungsaufgaben in Cuxhaven angenommen werden.
Tanja Gohrbandt
Telefon: 04721 - 70 04 01
Ulrich Lasius
Telefon: 04721 - 70 04 03
» Stadt Cuxhaven
Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.
Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune
Stand: November 2010 |
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Tanja Gohrbandt Bauleitplanung und Stadtentwicklung
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Ulrich Lasius Bauleitplanung und Stadtentwicklung
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