Bertelsmann Stiftung

Cuxhaven - Demographische Entwicklung annehmen: Ganzheitlich denken - strategisch agieren

Randlagen und Wirtschaftsstrukturprobleme machen auch vielen Kommunen in Westdeutschland zu schaffen. Cuxhaven, traditionsreicher Badeort im baulichen Gewand einer Industriestadt, ist von starker Abwanderung der mittleren und jüngeren Generation betroffen. Ältere Menschen finden hier ihre Wahlheimat. Aktuell bestehen Entwicklungsperspektiven im Segment der Offshore-Wirtschaft. Der ehemalige Standort von Marine und Fischindustrie hat vor wenigen Jahren einen gesamtstrategischen Perspektivenwechsel eingeleitet, dessen Erfolge jetzt schon auf vielen Ebenen sichtbar werden.

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Niedersachsen, Cuxhaven

Bevölkerung (31.12.2009)

50.846

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-4,2

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-9,4

Räumliche Einordnung

Ländliche Kreise_Verstädterte Räume

Demographietyp

Stabile Mittelstädte und regionale Zentren mit geringem Familienanteil

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Die Einwohnerzahl der Stadt Cuxhaven ist in den letzten 4 Dekaden um mehr als ein Sechstel zurückgegangen. Durch Ausbildungs-, Erwerbstätigen- und Umlandwanderungen verliert die Stadt kontinuierlich an Bevölkerung, durch Ruhestandswanderung gewinnt sie neue Einwohner dazu. Zusammen mit der natürlichen Bevölkerungsentwicklung haben diese Trends bewirkt, dass die Alterung der Stadtbevölkerung der Entwicklung in der Bundesrepublik bereits heute um eine Generation voraus ist. 
  • Unter Status quo Bedingungen ist nach stadteigener Vorausschätzung und den Prognosen des Niedersaächsischen Landesamtes für Statistik auch in den kommenden Jahren von einer Fortsetzung der Bevölkerungsverluste auszugehen.
  • Die demographischen Veränderungen wirken sich grundlegend auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und kommunalen Handelns aus.

Ziel:

  • Die demographische Entwicklung annehmen und konstruktiv damit umgehen
  • Den Bevölkerungsrückgang abmildern und die Stadt lebenswert erhalten

Strategie:

  • Sensibilisieren: Die Herausforderungen des demographischen Wandels in Politik, Verwaltungshandeln und Öffentlichkeit zum Stadtthema machen und ein gemeinsames Verständnis entwickeln
  • Erforschen: Zusammenhänge, Handlungserfordernisse und Steuerungsmöglichkeiten aufspüren
  • Ganzheitlich angehen:
    • Strategisches Gesamtkonzept erarbeiten.
    • Standortqualitäten sowie Identitäten erkennen, erhalten und zielgerichtet weiterentwickeln; Infrastrukturen entsprechend der zukünftigen Nachfrage und finanziellen Leistungsfähigkeit anpassen.
    • Schlüsselprojekte zur Familien- und Seniorenfreundlichkeit frühzeitig umsetzen.
    • Gemeinsame Verantwortung von Entscheidungsträgern und Bürgern entwickeln und Umsetzungspartnerschaften bilden.

Meilensteine:

  • Partizipativer Leitbildprozess (2002 – 2003)
    In einem breit angelegten und offenen demokratischen Prozess formuliert eine Vielzahl von Mitwirkenden aus Bürgerschaft, Verwaltung und Politik gemeinsame Ziele und Visionen für ihre Stadt und fasst diese in einem Leitbild zusammen. Das Leitbild wird einstimmig vom Rat als Grundorientierung für die Stadtkonzeption beschlossen.
  • Einrichtung des Ratsausschusses „Demographischer Wandel“ (2004)
    Neueinrichtung eines Demographie-Ausschusses trotz kommunaler Sparzwänge: Umverteilung und Konzentration von Ressourcen auf dringende Handlungsbereiche. Die Bildung des Ausschusses ist ein deutliches Signal des Rates, sich dem gravierenden Veränderungsdruck zukunftsorientiert zu stellen. Seit dem Herbst 2006 tagt der Ausschuss demographischer Wandel als öffentliches Gremium.
  • „Demographiebericht Cuxhaven 2030“ (2004):
    Der von der Stadtverwaltung erstellte umfassende Demographiebericht wird in den politischen Ausschüssen intensiv beraten. Es wird einstimmig beschlossen, die Stadtentwicklung auf eine rückläufige Einwohnerzahl auszurichten und die in der Schrumpfung begründeten Chancen im Sinne einer Qualitätsverbesserung für die Stadt zu nutzen. Gleichzeitig wird die Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes beschlossen, um darauf aufbauend den notwendigen Stadtumbau organisieren zu können.
  • Zusammenarbeit im Arbeitskreis Wohnungswirtschaft (2005):
    Im Rahmen des Arbeitskreises Wohnungswirtschaft werden die Geschossbauquartiere ins Blickfeld der Stadtentwicklung gerückt. In einer ergebnisorientierten partnerschaftlichen Zusammenarbeit, die als Modell für künftige Beteiligung von Akteuren dienen kann, verständigen sich die Vertreter der Wohnungswirtschaft, der Verwaltung und der Politik auf eine gemeinsame Sichtweise und vorrangige Handlungsbedarfe.
  • Beschluss über Teilziele zur Stadtentwicklung (2008, 2009)
    Mit dem Beschluss von Teilzielen zur Stadtentwicklung wurde ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Perforierte Stadtstrukturen sollen möglichst vermieden werden. Im Vordergrund steht die qualitative Aufwertung und Stützung innerer, identitätsbestimmender Stadtbereiche und die Sicherung ihrer Funktionsfähigkeit (Nahversorgung, Infrastruktur).
    Der Stadtrat hat dementsprechend eine an der Nachfrage orientierte, schrittweise umzusetzende Neubauflächenausweisung beschlossen (Empfehlungen zur Wohnbauflächenentwicklung) und auch die Pflege und Entwicklung der Gewerbebestandsgebiete fokussiert (Untersuchung Binnenstädtischer Gewerbegebiete, Bausteine zum Stadtentwicklungskonzept StEP).

Akteure:

  • Bürger
  • Institutionen
  • Politik
  • Verwaltung

Umsetzung:

„Stadtentwicklungskonzept”

  • Die Auswirkungen des demographischen Wandels werden für alle Bereiche der Stadtentwicklung (d. h. Wohnen, Arbeitsmarkt und Wirtschaft, soziale und technische Infrastruktur, Mobilität, Versorgung, Kommunalfinanzen) thematisiert. Mit den Entscheidungsträgern wird ein fortlaufender fachlicher Diskussionsprozess geführt. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten innerhalb und außerhalb der Verwaltung, themenbezogene Beteiligung weiterer Akteure sowie eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Ausstellungen, Internet) bleibt der demographische Wandel weiterhin Stadtgespräch. Es werden somit Akzeptanzen und Umsetzungen gefördert.
  • VoVor dem Hintergrund der anhaltenden rückläufigen demographischen Entwicklungen, der Siedlungsgeschichte sowie den beschlossenen Entwicklungszielen wird im Themenfeld „Wohnen“ in vier Handlungsfeldern an der Umsetzung gearbeitet:
    • Konsolidierung des Geschosswohnungsbestandes
      Durch Zusammenlegungen von Wohnungen, Umnutzungen, eigentumsbildende Maßnahmen und durch den Abriss von Substandardwohnungen wird der Mietwohnungsbestand in der Stadt sukzessive reduziert. Die kommunale Wohnungsgesellschaft ist im Rahmen ihrer Modernisierungsoffensive Vorreiter, modellhaft werden abgeräumte Flächen als Quartiersfreiräume bzw. mit Reihen- und Einfamilienhäusern nachfragegerecht entwickelt.
    • Moderate Neubauflächenentwicklung
      Angesichts rückläufiger Wohnraumnachfrage wird die Neubauflächenausweisung für Einfamilienhäuser moderat betrieben. Nur noch qualitativ hochwertige Flächenentwicklungen haben eine realistische Vermarktungsaussicht. Aus Sicht der Kommune sind dies Flächen, die kosteneffizient sind, sich am örtlichen Bedarf orientieren, naturschutzfachlich vertretbar sind, gute Qualitäten hinsichtlich der Infrastrukturnähe, Naherholung sowie Wohnattraktivität bieten und sich städtebaulich in die jeweilige Ortslage einfügen.
    • Aktivierung von Potenzialen im Bestand 
      (Projekt „Cuxhavener Wohnlotsen“)
      Ein neues Handlungsfeld für die Stadtentwicklung stellt die Nachnutzung bestehender Einfamilienhausquartiere dar. Bedingt durch die rückläufige und alternde Bevölkerung werden in diesen flächenhaft verbreiteten Stadtquartieren zukünftig vermehrt Häuser freigesetzt werden. Um die gewachsenen Stadtstrukturen zu erhalten und Leerstände zu vermeiden, ist zielgerichtetes Gegensteuern gefragt. Auf Initiative der Stadt Cuxhaven haben sich verschiedene Akteure rund um die Bestandsimmobilie (Architekten, Makler, Kreditwirtschaft, Energieversorgung, Handwerk) zusammengeschlossen und die Projektgemeinschaft „Cuxhavener Wohnlotsen“ gegründet. Gemeinsam möchten sie Bestandsimmobilien für neue Nutzergruppen attraktiv machen. Kern des Wohnlotsen-Angebotes ist eine Internet-Serviceplattform, auf der Informationen rund um das Wohnen im Bestand gebündelt bereitgestellt werden. Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesforschungsprogramms ExWoSt gefördert.
    • Altersgerechter Umbau von Wohngebäuden
      (Projekt „CuxViTA – Häuser für’s ganze Leben“)
      Die wachsende Zahl älterer Menschen führt zu einem steigenden Bedarf an altersgerechten, weitgehend barrierefreien Wohnungen, dem das bestehende Wohn- und Versorgungsangebot bisher nur unzureichend gerecht wird. Im Rahmen eines  Bundes-Modellprojektes haben sich verschiedene lokale Akteure (Kreishandwerkerschaft, Wohnungswirtschaft, Wohlfahrtsverbände, Stadt und Landkreis) unter der Federführung der Stadtsparkasse zusammengeschlossen, um für das Thema zu sensibilisieren und mit guten Beispielen sowie Beratungsangeboten unterstützend bei Planung und Umsetzung zur Seite zu stehen.
    • Handlungskonzept für die seniorengerechte Stadt
      Vor dem Hintergrund überproportionaler Zuwächse in der Altersklasse der Senioren, insbesondere bei den Hochbetagten, ergibt sich die Frage- und Aufgabenstellung, wie sich Cuxhaven als seniorenfreundliche Stadt profilieren kann. Um die vorhandenen Angebote und die Bedarfe für Senioren zu erfassen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten, ist im Auftrage der Kommune ein Handlungskonzept für eine seniorengerechte Stadt erarbeitet worden, welches mit verschiedenen Projekten schrittweise umgesetzt wird.

Ordnung der Schullandschaft – Schulplanung Cuxhaven

  • Aus dem demographischen Wandel ergeben sich mittelbar Veränderungen der Nachfrage und daraus resultierend Notwendigkeiten zur Anpassung von Infrastrukturen hinsichtlich ihrer Art, Lage sowie ihres Umfangs. In der Stadt Cuxhaven sind diese Auswirkungen bei der Schulplanung fokussiert worden. Erste Anpassungsmaßnahmen werden umgesetzt. In einem gemeinsamen Prozess aller rund um die Schulen beteiligten Akteure ist im Jahr 2008 ein Diskurs zur Neuordnung der Cuxhavener Schullandschaft auf fachlicher Basis geführt worden. Ziel war es, im Schnittfeld der gesamtstädtischen und ortsteilsbezogenen Interessen eine notwendige Auslastungsoptimierung, eine am Schüleraufkommen ausgerichtete Sanierungseffizienz und nicht zuletzt pädagogisch sinnvolle Konzepte in ein zukunftsfähiges Profil des Cuxhavener Schul- und Bildungsangebotes einmünden zu lassen.

Komplexes Maßnahmenpaket für Familienfreundlichkeit

  • Zur Abmilderung des Bevölkerungsrückgangs, zur Verbesserung der Lebensqualität sowie zur Sicherung der Funktion als Mittelzentrum wird ein komplexes Maßnahmenpaket umgesetzt.
    • Lokales Bündnis für Familien
      Als Stadt in einer strukturschwachen Region mit einem bevorstehenden deutlichen Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung stellt die Stärkung des Wirtschaftsstandortes ein zentrales kommunalpolitisches Ziel dar, in welches die Familienfreundlichkeit inbegriffen ist. Weiche Standortfaktoren wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wohnsituation und Wohnumfeld, Bildung und Ausbildung sowie Freizeit und Kulturangebote gewinnen zunehmend an Bedeutung.
      In Gemeinschaftsinitiative von IHK, Kreishandwerkerschaft, DGB, Arbeitsagentur und der Stadt ist im Jahre 2005 in Cuxhaven ein lokales Bündnis für Familie gegründet worden, welches die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Familien in den Mittelpunkt des kommunalpolitischen Handelns und öffentlichen Interesses rückt. Das Bündnis verfolgt das Ziel, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vor Ort zu steigern.
    • Audit „Beruf und Familie“
      Mit dem Audit „Beruf und Familie“ wird Unternehmen angeboten, Organisationsentwicklungsprozesse zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu initiieren und zu begleiten. Effekte liegen in der Steigerung der Arbeitsmotivation und -kraft und der Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt als Wohn- und Arbeitsort.
      Mit der erfolgten Zertifizierung audit berufundfamilie® hat die Stadt Cuxhaven eine Vorreiterrolle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingenommen und möchte damit eine Signalwirkung für andere Unternehmen und Institutionen vor Ort erzeugen.
    • Ausbau und Flexibilisierung der Kindertagespflege Volkshochschule und Jugendamt bieten kooperativ Ausbildungslehrgänge für Tagesmutter/-väter an. Effekte liegen in der Verbesserung der Betreuungsqualität und der Arbeitsplatzsicherung sowohl für Mütter/Väter als auch für Erzieher/-innen. Mit der Gründung des „Flohzirkus“, d. h. eines Pools qualifizierter Tagesmütter und -väter wird eine flexible Kinderbetreuung ermöglicht.  Entsprechend der individuellen Absprachen und Wünsche der Eltern werden flexible Betreuungsangebote für alle Altersklassen angeboten.
    • Wahlverwandtschaften
      Im Projekt „Wahlverwandtschaften“ werden verschiedene nachbarschaftliche Dienste vermittelt. Das von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt initiierte und begleitete Projekt bietet beispielsweise Familienanschluss für Senioren bzw. „Ersatzgroßeltern für Kinder“ an. Babysitter werden ausgebildet, nach persönlichen Qualifikationen in einer Kartei geführt und bedarfsgerecht vermittelt. Eine Fortführung der angebotenen Qualifizierungskurse (Babysittingkurs, Großelternkurs) findet in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule im Mehrgenerationenhaus statt.
    • Stetiger Ausbau der Kindertagesstätten
      Um die Erziehung und Bildung in den Familien zu ergänzen und zu unterstützen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familien zu verbessern, hält die Stadt Cuxhaven ein umfangreiches Angebot an Plätzen in Kindertagesstätten vor. Dabei wird großer Wert auf Öffnungszeiten gelegt, die sich den Arbeitzeiten der örtlichen Betriebe anpassen. Im Bereich der drei- bis sechsjährigen Kinder besteht nahezu eine Vollversorgung. Die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren und für Schulkinder wird ständig vergrößert.
    • Beteiligungsprozess auf Stadtteilebene: „Wir für uns in Altenwalde“
      Ziel dieses landesweit anerkannten Beteiligungs- und Präventionsprojektes ist es, im Ortsteil Altenwalde die junge Generation zu aktivem und verantwortlichem Mittun zu ermutigen, um die Sozialisationsbedingungen in ihrem Stadtteil zu verbessern. Leistungen des zu diesem Zweck gegründeten Vereines sind: Erstellung einer Sozialraumanalyse sowie eines Maßnahmenkataloges zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit, Durchführung einer Stadtteilkonferenz. Das erfolgreich initiierte und etablierte Netzwerk wird weiterentwickelt.
    • Stadtteilarbeit im Geschosswohnungsbauquartier Lehfeld
      Die heute im Stadtteil Lehfeld bereits erfolgreich angebotene Stadtteilarbeit des Vereins „Ritzebüttel aktiv e.V.“ in Zusammenarbeit mit der Siedlungsgesellschaft Cuxhaven soll als Gemeinwesenarbeit langfristig stabilisiert werden. Der Verein engagiert sich für eine Steigerung der Attraktivität des Wohngebietes. Ziel ist es, nachhaltige und tragende Angebote zur Verbesserung der Lebensverhältnisse zu schaffen, die sich nach dem Bedarf der Bewohner richten.
    • Stadtteilarbeit im südlichen Bereich von Süderwisch
      Im südlichen Teil von Süderwisch wohnen viele Menschen mit Migrationhintergrund. Der Verein „Wir in Süderwisch“ leistet dort seit Jahren Gemeinwesenarbeit, die gemeinsam mit den Bürgern durchgeführt wird und sich an ihren Bedürfnissen orientiert. Ein besonderes Augenmerk wird auf Menschen mit russischer Herkunft gelegt.
    • Freiwilligenzentrum Cuxhaven
      Das auf privater Initiative fußende Projekt befasst sich im Schwerpunkt mit der Vermittlung Freiwilliger für soziale Aufgaben, für Hausaufgabenhilfen und als Anlaufstelle für Neubürger und Zugezogene. Es ist organisatorisch dem Verein ‚Wir in Süderwisch’ angegliedert.
    • Stadtumbauprojekt Lehfeld und Dobben
      Anhand der Ergebnisse des Arbeitskreises Wohnungswirtschaft wurde ein Stadtumbaukonzept erarbeitet und beschlossen. Inhalt ist ein behutsamer Umgang mit dem zum Teil aus den 30er Jahren („Backsteinexpressionismus“) stammenden Lehfeld-Quartier. Neben Modernisierungen und Grundrissanpassungen sowie städtebaulichen Aufwertungen im öffentlichen Raum wird mit der Zusammenlegung von Wohnungen und sukzessiven Abrissmaßnahmen das in der demographischen Entwicklung begründete gesamtstädtische Überangebot an Mietwohnungen im Geschosswohnungsbau reduziert. Innovativ ist u.a., dass ganze Hausscheiben aus großdimensionierten Geschossbauten herausgelöst werden.
    • Städtebauförderungsprojekt „Cuxhaven-Lehfeld“
      Das Wohngebiet Lehfeld in Cuxhaven wurde im August 2007 als förmliches Sanierungsgebiet festgelegt und in das Städtebauförderungsprogramm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt“ aufgenommen. Mit dem laufenden Sanierungsverfahren sollen die bestehenden baulichen und sozialen Missstände im Wohngebiet dauerhaft behoben und eine langfristige und nachhaltige Sicherung des Lehfeldes als innenstadtnahes Wohnquartier erreicht werden. Neben den damit verbundenen sozialen Maßnahmen ist eine geordnete städtebauliche Entwicklung als Grundlage der Sanierung von Gebäuden und Umfeld erforderlich, die über einen Städtebaulichen Rahmenplan gesichert wird. An diesem Plan orientiert sich die weitere Durchführung der Sanierung als Planungsleitlinie und er dient im Rahmen seiner Aufstellung und während der weiteren Zeit der Umsetzung als Diskussionsgrundlage mit den Betroffenen. Im Weiteren mündet er in ein integriertes Handlungskonzept, welches alle Maßnahmen und Projekte zur Erreichung der in dem städtebaulichen Rahmenplan formulierten Ziele darstellt. Die Finanzierung erfolgt sowohl über das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ als auch über die EU-Förderprogramme „ESF – Europäischer Sozialfonds“ (hier die Programmkomponente „STÄRKEN vor Ort“) sowie „EFRE – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung“. Die Stadt Cuxhaven beteiligt sich mit einem hohen Eigenanteil an den Gesamtkosten des Sanierungsverfahrens.
    • Betreutes Wohnen
      In stadtzentraler Position angrenzend an die Fußgängerzone ist das Projekt „Betreutes Wohnen in der Stadtmitte“ realisiert worden. Einerseits wird hierdurch dem besonderen Bedarf „Wohnen im Alter“ entsprochen, andererseits die Innenstadt belebt und gestärkt. Das Angebotsspektrum wurde im Jahre 2010 zusätzlich mit einer großen Tagesklinik erweitert.
    • Mehrgenerationenhaus
      Infolge des altersgruppenspezifischen Wanderungsverhaltens besteht ein besonderer Bedarf an generationsübergreifenden Angeboten. Mit der Einrichtung eines Mehrgenerationenhauses im traditionsreichen „Haus der Jugend“ (erstes öffentliches Nachkriegsgebäude) ist im Jahre 2008 mit Unterstützung der Fördermittel des BMFSFJ eine zentrale soziale und kulturelle Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger geschaffen worden, um dem zunehmenden Zerfall familiärer Strukturen entgegenzuwirken. Das Mehrgenerationenhaus ist ein Nachbarschaftstreff, in dem neue Trägermodelle erprobt und Angebote zahlreicher interessierter Vereine, Institutionen und weiterer Akteure vernetzt werden. Durch die bessere Auslastung und Neuausrichtung wird mit dem MGH eine etablierte Einrichtung dauerhaft abgesichert.
    • Teilnahme am Modellprojekt „Alter schafft Neues – Aktiv im Alter“
      Das Projekt hat zu einer weiteren Sensibilisierung des Themas „Demographischer Wandel“ und der Situation der Cuxhavener „Wie wollen wir morgen in Cuxhaven leben?“ beigetragen. In einer umfangreichen Befragung wurde festgestellt, inwieweit Menschen in der Lebensphase nach dem Berufsleben mit ihrer Situation zufrieden sind und welche Bedürfnisse in Cuxhaven unbeantwortet bleiben. Parallel dazu wurde eine Bestandsaufnahme aller Freizeitaktivitäten in einer nach Stadtteilen gegliederten Informationsbroschüre zusammengefasst.
      Zu resümieren ist, dass über die bestehenden Freizeitangebote hinaus kaum Interesse an zusätzlichen Initiativen in diesem Bereich gibt, da die Quote der ehrenamtlich Aktiven im Vergleich zu anderen Kommunen in Cuxhaven heute bereits relativ hoch ist.
      Durch die mit dem Projekt verbundene Öffentlichkeitsarbeit und die Beschäftigung mit dem Thema in der Cuxhavener Bevölkerung sind außerhalb des Modellprojektes von eigenständigen Gruppen Projekte ins Leben gerufen worden, wie z.B. „Du bist Sahlenburg“ (Nachbarschaftshilfe ganz allgemein).


       

Bürgerbeteiligung:

  • Der demographische Wandel wird hinsichtlich Ausmaß, Wirkungen, Handlungsbedarfen und Maßnahmen fortlaufend offensiv über Presse, Internet, Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen thematisiert.
  • Das städtische Leitbild und das Stadtentwicklungskonzept werden in partizipativ und interdisziplinär angelegten Prozessen erstellt. Themenspezifisch werden Bürger, Experten und Akteure aktiv in Foren, Workshops und Arbeitskreise eingebunden.
  • Leitbildnovelle 2010
    Der Leitbildprozess ist erneut aufgenommen worden. In Podiumsveranstaltungen mit den Fraktionen im Rat der Stadt und Bürgern, in einer für jedermann offenen Kreativwerkstatt sowie in intensiver Arbeit einer aus der Bürgerschaft gebildeten Redaktionsgruppe ist eine Leitbildnovelle erarbeitet worden, die nach öffentlicher Auslegung derzeit modifiziert wird und anschließend in einen erneuten Ratsbeschluss münden soll. Im Entwurf der Leitbildnovelle wird der demographische Wandel als fundamentale Herausforderung explizit herausgestellt.
  • Entwicklung von Partnerschaften zur Erarbeitung und Umsetzung von Projekten
  • Förderung bürgerschaftlichen Engagements

Finanzierung:

  • Nutzung bestehender Ressourcen der Verwaltung
  • Gezieltes Einwerben von Mitteln aus der Wirtschaft
  • Nutzung von Fördermöglichkeiten

Erfolge:

  • Einrichtung und Etablierung des Ausschusses demographischer Wandel, in dem demographische Zusammenhänge kontinuierlich diskutiert sowie Richtungsentscheidungen und strategische Ziele vorbereitet werden.
  • Der Rückgang („Schrumpfung“) sowie die Alterung der Bevölkerung sind enttabuisiert und werden als Basis des täglichen Handelns akzeptiert.
  • Die Familienfreundlichkeit Cuxhavens wurde durch die eine Vielzahl von Projekten verbessert.
  • In einer Abfolge von Zielbeschlüssen zur Stadtentwicklung (step by step) fließt der demographische Wandel als faktische Rahmenbedingung stringent in die Entwicklungsplanungen der Stadt ein. Es erfolgt eine Besinnung auf die identitätsbildenden inneren Stadtbereiche, die in ihrer Funktionsfähigkeit gesichert werden müssen.
  • Es gelingt, in verschiedenen Bereichen ehrenamtliches Engagement zu aktivieren und zu kanalisieren.
  • Es gelingt, aufgabenbezogene Akteursbündnisse zu initiieren und mit diesen in den Themenfelder des demographischen Wandels zu agieren.
  • In der Gesamtschau verbinden sich gesamtstrategische Aufarbeitungen mit einer Vielzahl von Einzelprojekten und Aktivitäten. Es geht davon das Signal aus, dass die aus dem demographischen Wandel resultierenden Gestaltungsaufgaben in Cuxhaven angenommen werden.

Kontakt:

Tanja Gohrbandt

Telefon: 04721 - 70 04 01

Ulrich Lasius

Telefon: 04721 - 70 04 03

 

Weitere Informationen:

» Stadt Cuxhaven

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

 

Stand: November 2010

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