Bertelsmann Stiftung

Chemnitz - "Kind & Ko"

Demographie-Profil:

Bundesland

Sachsen

Bevölkerung (31.12.2009)

243.089

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-3,8

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-10,6

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Kernstädte

Demographietyp

Schrumpfende und alternde ostdeutsche Großstädte

Ausgangslage:

  • Kinder- und familienfreundliche Belange hatten schon immer einen hohen Stellenwert in der Stadt Chemnitz. 2004 bewarb sich die Stadt deshalb für das von der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung initiierte Projekt „Kind & Ko(munne)“.
  • Damit verfolgte die Stadt das Anliegen, Politik, Verwaltung und Verbände zu ermutigen, sich noch stärker gemeinsam für die frühe Förderung und Bildung von Kindern zu engagieren. Es gab eine Vielzahl an Prozessen, die es galt in der Stadt bekannter zu machen und mit einem erweiterten Kreis an Beteiligten weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sollten neue Prozesse initiiert werden und neue Strukturen entstehen.
  • So wurde „Kind & Ko“ als Modellprojekt von 2004 bis 2007 von der Bertelsmann Stiftung, der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stadt Chemnitz gemeinsam mit einer weiteren Modellkommune, der Stadt Paderborn, entwickelt. Seit 2008 führen beide Städten die Aktivitäten in eigener Regie weiter.

Ziele:

  • Mit Kind & Ko gehen die Projektpartner der Frage nach, wie die frühe Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern durch kommunale Vernetzung verbessert werden kann. Das Projekt will den Blick aller Akteure der Kommune für die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes schärfen.
  • Ziel ist es, einen stärkenorientierter Haltung gegenüber Kindern zu etablieren, eine Abstimmung von Angeboten aller Akteure im Bildungs-, Jugendhilfe und Gesundheitsbereich zu  forcieren und eine gesamtkommunale Verantwortung für frühkindliche Bildungsprozesse zu entwickeln.
  • Für die Stadt Chemnitz steht im Vordergrund, dauerhafte und zuverlässige Strukturen für die Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung aufzubauen und die unterschiedlichen Bereiche und Initiativen in der Stadt zu bündeln.
  • Ein weiterer Schwerpunkt liegt darauf, eine neue Qualität in der Beteiligung von Eltern und Kindern und der Verwirklichung ihrer Mitwirkungs- und Mitspracherechte zu erreichen und auch dadurch zu einer integrierten Angebotsstruktur für Kinder und Eltern beizutragen. Das Projekt vereint Professionelle, Eltern und Ehrenamtliche in der Arbeit an gemeinsamen Themen „rund um das Kind“.

Umsetzung:

  •  „Kind & Ko“ fördert den Ansatz der „Regionalen Steuerung“. Das bedeutet, Eltern als auch möglichst viele politische und professionelle Akteure an der Etablierung eines kommunalen Netzwerkes zur Förderung der Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern beteiligen.
  • Steuernde und koordinierende Gremien bewirken die Zusammenführung dieser Akteure und gewährleisten die kommunalpolitische Verankerung der Aktivitäten.

Quelle: Bertelsmann Stiftung (2007): „Kind & Ko“. Ein kommunales Modellprojekt zur Verbesserung der Bildungs- und Entwicklungschancen für Kinder. Abrufbar unter: » www.kinder-frueher-foerdern.de (Stand 01.04.2009), S. 11.

Bedarfe erkennen

  • Im Projekt „Kind & Ko“ stehen drei Handlungsfelder im Vordergrund:                 
    • Die Stärkung von Kindertagesstätten als Bildungsorte
    • Die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Professionellen
    • Die Entwicklung aufeinander abgestimmter Bildungsangebote durch professions- und Institutionen übergreifende Kooperation „rund ums Kind“
  • Die Handlungsbedarfe werden im so genannten „Forum Frühkindliche Bildung“  diskutiert, das Basis und Ausgangspunkt für das Projekt Kind & Ko darstellte. Hier treffen sich möglichst viele Akteure von Eltern über Vereine, Politik und Fachleute bis zur Grundschullehrerin (ca. 60 Personen). Sie entwickelten zunächst in einer Zukunftswerkstatt Projektideen. Seitdem Sie tauschen sie sich regelmäßig über ihre Erfahrungen aus und beraten über neue Schwerpunkte. Grundlagen für solche Diskussionsprozesse bildeten zunächst zwei im Jahr 2005 durchgeführte Elternbefragungen. Seitdem folgten weitere Befragungen, (z. B. Fragebögen für Väter), die immer wieder zu neuen Aktivitäten führten und somit Antworten auf den konkreten Handlungsbedarf suchen.

 

Steuern und Koordinieren

  • Steuerungsgruppe: Die Steuerungsgruppe trifft die Grundsatzbeschlüsse für das Projekt und stimmt alle Aktivitäten aufeinander ab. Das Gremium setzt sich aus politischen Entscheidern bzw. Vertreter/innen der Stadt, der Träger und wesentlicher Institutionen zusammen. In Chemnitz sind das die Bürgermeisterin, der stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und weitere Verantwortungsträger der Stadt. Diese Struktur gewährleistet, dass sowohl die Interessen der gesamten Kommune als auch die Interessen der verschiedenen Akteure berücksichtigt werden.
  • Projektbüro und Koordination: Als zentrale Ansprechpartnerin steuert eine Koordination in Chemnitz die Aktivitäten und Prozesse und ist für die konzeptionelle Arbeit zum Ausbau des Netzwerkes verantwortlich. Im Projektbüro bündelt sie die verschiedenen Aktivitäten, sichert verlässliche und dauerhafte Strukturen, gibt Impulse zur Weiterentwicklung und bezieht neue Partner/innen in das Netzwerk ein. Auch übernimmt die Projektkoordination die Öffentlichkeitsarbeit in der Stadt und im Land Sachsen.
  • Projektteam der Bertelsmann Stiftung: Die Bertelsmann Stiftung begleitete und unterstützte die Kommune in der Projektphase (2004 – 2007) bei der konzeptionellen und strategischen Ausrichtung.

 

Kooperieren

  • Die Förderung einer Vielzahl einzelner kleiner Projekte vor Ort ermöglicht spezifische Schwerpunkte und eine Kooperation von bisher isoliert arbeitenden Einrichtungen.
  • In den Arbeitsgruppen „Kind und Familie im Zentrum“ und „Übergang Kita-Grundschule“ erarbeiten Eltern, professionelle Akteure und Entscheidungsträger gemeinsam Empfehlungen und Maßnahmen zur Verbesserung der frühkindlichen Bildung in der gesamten Kommune. Legitimiert durch den Jugendhilfeausschuss werden diese Maßnahmen systematisch umgesetzt. So entstanden neue Formen der Kooperation, z. B. zum Übergang von der Kita in die Grundschule mit der Erarbeitung einer Informationsbroschüre als Chemnitzer Ratgeber für Eltern, mit einem jährliches Stadtteilforum in Bernsdorf und einer jährliche Fachtagung. Stadtweite Workshops zur Stärkung der Elternvertretungen in Kindertageseinrichtungen und Schulen, eine Reihe von Projekten zur Gestaltung einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern (z. B.jährlicher Vätertag, Seifenkistenbau mit anschließenden Rennen), Modellprojekte zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen haben sich etabliert und werden von Eltern eigenverantwortlich organisiert.

Partizipation entwickeln

  • Die Vorstellungen der einzelnen Netzwerkpartner/innen werden durch gezielte Erhebungen ermittelt.
  • In Chemnitz gibt es einen Grundsatzbeschluss der Stadt, Kinder überall dort zu beteiligen, wo ihre Belange tangiert werden. Die Beteiligten des Projekts Kind & Ko sehen in der Stadt einen besonderen Auftrag darin, Kinder phantasieren, mitreden, mitplanen und mitgestalten zu lassen. Das passiert in den Kindertageseinrichtungen und darüber hinaus.
  • In Forum und Arbeitsgruppen diskutieren Eltern gemeinsam mit den professionellen, ehrenamtlichen und politischen Akteuren die sich entwickelnde Tendenzen in der Stadt.
  • Um Kitas als Bildungsorte zu fördern und zu unterstützen, führte das Projekt „Kind & Ko“ in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut die Bildungs- und Lerngeschichten als ein neues stärkenorientiertes Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren in Kindertageseinrichtungen ein. Auch dieses Instrument trägt zur Partizipation von Kindern bei. Eine systematische Fortbildung der Mitarbeiter/innen unterstützte sie dabei, die Perspektive von Kindern in den Blick zu nehmen und die Gestaltung ihrer Bildungsprozesse unterstützenden Tätigkeiten daran auszurichten.

 

In der Politik verankern

  • Im Januar 2008 ging das ehemalige Modellprojekt in die alleinige Verantwortlichkeit der Stadt Chemnitz über und wird unter der Federführung des Amtes für Jugend und Familie fortgesetzt.
  • Die Leitlinien des Projekts wurden zu Beginn und die zentralen Enscheidungen des Projektes werden regelmäßig durch den Jugendhilfeausschuss legitimiert.
  • Wichtige kommunalpolitische Akteure und „Brückenbauer“ sind in der Steuerungsgruppe vertreten und als unmittelbare Entscheider an den Aktivitäten des Netzwerkes beteiligt.
  • Das Netzwerk kann sich so der Unterstützung durch die Stadt sicher sein.

 

Rahmenbedingungen und Finanzierung sichern

  • Es wird eine Koordinationsstelle gesichert.
  • In Chemnitz wird durch die Stadt ein Jahresbudget für die Aktivitäten im Netzwerk zur Verfügung gestellt. Seine Höhe basiert auf Erfahrungswerten bezüglich benötigter Mittel. Im Jahr 2008 und 2009 beträgt es jeweils 30.000 Euro. 2010 und 2011 wird mit jeweils 20.000 Euro geplant.
  • Im Rahmen des Netzwerkes werden wiederholt Projekte ausgeschrieben und finanziert, um immer wieder neue Impulse aufzunehmen.

Erfolge:

  • Gabriele Aurich, Projektkoordinatorin in Chemnitz: „Durch die Gründung des Netzwerkes wird der Bereich der frühkindlichen Bildung in Chemnitz  als ein großes Ganzes mit einer Vielzahl an Akteuren gesehen. Viele einzelne Organisationen und Träger haben eine gemeinsame Plattform zum Austausch gefunden und kennen einander. Noch nicht immer wird schon netzwerkmäßig zusammengearbeitet, aber man weiß um die Aktivitäten des Einzelnen und gibt sich gegenseitig Anregungen, diese Aktivitäten auch für andere Prozesse zu nutzen. Besonders verändert für Kinder und Familien hat sich meines Erachtens:
    • Die Einstellung zum Kind basiert mehr auf einer auf die Stärken des Einzelnen ausgerichteten Sichtweise.
    • Das Beobachtungsinstrument der Bildungs- und Lerngeschichten gehören zum festen Bestandteil des Alltags der Kindertageseinrichtungen in der Stadt.
    • Kinder werden bei Entscheidungen in ihrem Alltag  bei denen ihre Sichtweise bedeutsam ist, beteiligt.
    • Eltern partizipieren stärker an den Entscheidungen der Kommune. Insbesondere auch Väter werden stärker einbezogen, um ihr Potential zu nutzen.
  • Für die Arbeitsweise der Ämter, Träger und Einrichtungen bedeutet all das, dass immer mehr Institutionen und Einrichtungen an einer Mitarbeit interessiert sind. Sie beteiligen sich nicht nur, sondern erkennen den Nutzen für sich und verstärken ihre Aktivitäten. Bürgermeisterin und politische Entscheider nehmen ihre Verantwortung für die frühkindliche Bildung umfassend wahr und eine Vielfalt von Aktivitäten etablieren sich in einer dauerhaften Form.“

Kontakt:

Gabriele Aurich
Stadt Chemnitz

Telefon: 0371 - 48 85 905

› Mail 

 

Kathrin Bock-Famulla
Bertelsmann Stiftung

Telefon: 05241 - 81 81 173

› Mail

 

Weitere Informationen:

» „Kinder früher fördern“

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Oktober 2010

Die Angaben entstammen einem Interview mit Gabriele Aurich, Amt für Jugend und Familie, Stadt Chemnitz und weiteren Informationsmaterialien der Bertelsmann Stiftung. Redaktion: Claus Stieve, Katrin Ackermann, Fachhochschule Köln.

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Gabriele Aurich
Projektkoordinatorin

Stadt Chemnitz

Bahnhofstr. 53

09111 Chemnitz

Telefon: 0371 - 48 85 905

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Kathrin Bock-Famulla

Ansprechpartnerin bei der Bertelsmann Stiftung

Carl-Bertelsmann-Str. 256

33311 Gütersloh

Telefon: 05241 - 81 81 173

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