Bertelsmann Stiftung

Bremerhaven - Neuordnung des Schulbestandes

Demographie-Profil:

Bundesland, Landkreis

Bremen

Bevölkerung (31.12.2009)

114.031

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-4,3

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-3,2

Räumliche Einordnung

Verstädterte Räume - Kernstädte

Demographietyp

Schrumpfende Großstädte im postindustriellen Strukturwandel

Ausgangslage:

  • Die Stadt Bremerhaven musste in den letzten 10 Jahren hohe Einwohnerverluste verkraften. Grund hierfür ist eine wirtschaftliche Strukturkrise. Betroffen sind vor allem die Großwohnsiedlungen am Stadtrand und Gründerzeitquartiere – zum Beispiel im Stadtteil Lehe.
  • Der Ortsteil hat knapp 7.400 Einwohner und ist geprägt durch eine gründerzeitliche Blockrandbebauung. Gesamtstädtisch gesehen weist der Stadtteil die höchste Bebauungsdichte auf.
  • Außerdem wird Lehe charakterisiert durch einen hohen Anteil Arbeitsloser und Transfergeldempfänger. Viele Migranten leben ebenfalls im Stadtteil.
  • Die Investitionsbereitschaft der Hauseigentümer ist gering. Vor diesem Hintergrund konzentrierte sich die Bremerhavener Umbaustrategie auf die Verbesserung der Freiraumsituation und der sozialen Infrastruktur.

Ziel:

  • Übergeordnete Zielsetzung ist die Anpassung sozialer Infrastrukturen aufgrund rückläufiger Nachfrage. Im Ortsteil Lehe betrifft es die Neuordnung des Schulbestandes. Dazu wurden weitere Einzelziele festgelegt
    • Stärkung der Wohnqualität im Quartier
    • Anpassung der Schulinfrastruktur an eine nachlassende Nachfrage
    • Verbesserung des Bildungsangebotes im Quartier
    • Steigerung der baulichen Qualität der Schulgebäude
    • Senkung der Kosten für Schulgebäude
    • Schaffung neuer Freiflächen

Umsetzung:

  • Die Umsetzung erfolgte auf Grundlage des „Masterplans Lehe“ und mit Hilfe des ExWost-Forschungsfeldes Stadtumbau West.

Folgende Maßnahmen konnten umgesetzt werden:

    • Rückbau eines Schulgebäudes
    • Anlage eines Quartiersplatzes mit Bewohnerbeteiligung
    • Umbau einer Schule zu einem soziokulturellem Zentrum
    • Vollständige Modernisierung und Erweiterung einer Schule und Neugründung als gebundene Ganztags-Grundschule mit neuen pädagogischen Konzept
    • Zusammenführung einer Grundschule von zwei Standorten an einen Standort, Um- und Anbau des Schulgebäudes
    • Umgestaltung eines Schulhofes zur kooperativen Zusammenarbeit von Grundschule und benachbarter Gesamtschule
  • Das Projekt, das bereits abgeschlossen ist, wurde 2002 gestartet und konnte bis zum Jahr 2007 erfolgreich umgesetzt werden.
  • Der „Masterplan Lehe“ wurde von 1999 – 2001 in einem mehrstufigen Verfahren auf allen Ebenen einer intensiven Diskussion unterzogen. Von den betroffenen Schulen über die Bürger-Stadtteilgremien bis zu den politischen Ausschüssen fand ein konstruktiver Diskurs statt, der eine breite Zustimmung zur vorgeschlagenen Umgestaltung der Schullandschaft erbrachte. Die Entwicklung von Nachnutzungen der frei werdenden Schulstandorte wurde als Aufgabe definiert.

Erfolge:

Zeitlicher Ablauf:

  • 1999 Start der Diskussion „Masterplan Lehe“
  • 2002 Aufnahme von Bremerhaven in das ExWoSt-Forschungsfeld Stadtumbau West
  •  2003 Start der Planungen für eine Nachnutzung der Schulen in Lehe
  • 2005 Leerzug der Grundschulen Deichschule und Theodor-Storm-Schule, Aufnahme Schulbetrieb Astrid-Lindgren-Schule
  • 2006 Rückbau der Deichschule, Beteiligungsverfahren für den Quartiersplatz, Fertigstellung des Anbaus der Zwingli-Schule am verbleibenden Standort
  • 2007 Fertigstellung des Quartiersplatzes, Fertigstellung des Schulhofs Zwingli-Schule, Fertigstellung des Hauses für Arbeit, Familie und Kultur (die theo).

Im Einzelnen:

  • Die Deichschule wurde aufgegeben und abgerissen. Auf der Fläche entstand ein Quartiersplatz, dessen Gestaltung mit Hilfe der jungen und alten Bewohner des Viertels erarbeitet wurde.
  • In den ehemaligen Räumen der Theodor-Storm-Schule entstand das „Haus für Familie, Arbeit und Kultur“ (die theo). Es beherbergt soziale Einrichtungen aber auch Kulturschaffende, Existenzgründer und Gastronomie.
  • Die Standorte der „Zwinglischule“ sind nun auf ein Schulgelände konzentriert. Das leistet einen erheblichen Beitrag zur Qualifizierung des Schulstandortes Lehe. Die Grundschule kooperiert mit der benachbarten Gesamtschule, es werden nun beide Schulen als Ganztagsschulen geführt und profitieren von einer gemeinsam genutzten Küche und Mensa.
  • Die Neuordnung des Schulbestandes wirkt als erfolgreiche kommunale Strategie zur Aufwertung eines Gründerzeitwohngebietes, das von Einwohnerrückgang und abnehmenden Geburtenzahlen geprägt ist.
  • Die Schulen reagieren mit ihren pädagogischen Konzepten auf die besonderen Problemlagen im Stadtteil.
  • Die umgesetzten Maßnahmen leisten einen Beitrag zur Steigerung der Wohnqualität im Quartier. Dadurch bleiben Bewohner im Viertel und neue können gewonnen werden.

Kontakt:

Norbert Friedrich

Telefon: 0471 - 59 03 225

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Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Oktober 2010

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