Bertelsmann Stiftung

Bielefeld - Das Oberstufenkolleg an der Universität Bielefeld

Demographie-Profil:

Bundesland

Nordrhein-Westfalen

Bevölkerung (31.12.2009)

323.084

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-0,5

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-5,8

Räumliche Einordnung

Agglomerationsräume - Hochverdichtete Kreise

Demographietyp

Städte und Gemeinden im ländlichen Raum mit geringer Dynamik

Ausgangslage:

  • Das Oberstufen-Kolleg liegt im Bielefelder Westen, in direkter Nachbarschaft zu Universität und Fachhochschule. Es wurde 1974 von Hartmut von Hentig als Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet und 2001 vom College, das Sekundarstufe II und Grundstudium vereinte, auf eine Reformoberstufe umgestellt.
  • Das Einzugsgebiet des Kollegs geht weit über Bielefeld hinaus. Zwar stammt die Mehrzahl der Kollegiat/innen aus der Stadt Bielefeld und der Region Ostwestfalen-Lippe, doch jedes Jahr bewerben sich zahlreiche Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet um einen Ausbildungsplatz.
  • Eine Besonderheit des Oberstufen-Kollegs ist, dass es bis zu 50% seiner Lernenden ohne Qualifikationsvermerk für den Besuch der gymnasialen Oberstufe aufnimmt und zu einem überwiegenden Anteil erfolgreich zum Abitur führt. Zusätzlich bietet es sich als Zweiter Bildungsweg für Berufstätige und Arbeitslose unter 25 Jahren an. Schüler/innen mit besonderen Bildungsbiographien können so das Ziel der allgemeinen Studierfähigkeit erreichen.
  • Das Oberstufen-Kolleg bemüht sich außerdem um Lerngruppen, die in ihrer kulturellen Vielfalt die Entwicklung unserer Gesellschaft spiegeln und interkulturelles Lernen fördern. Studierende aus Migrantenfamilien sind deshalb ausdrücklich willkommen und machen auch etwa ein Drittel der Kollegiatenschaft aus.
  • Das Schulgebäude ist in seiner architektonischen Gestaltung auf die Bedürfnisse der Versuchsschule abgestimmt. Offene Lernbereiche im Großraum und Arbeitsplätze im ganzen Haus für Kollegiat/innen und Lehrende prägen das Gebäude. Zwischen Bereichen für Lehrer/innen und Kollegiat/innen gibt es keine räumliche Trennung.
  • Schulnahe Wohnmöglichkeiten stehen in den Wohnheimen des Bielefelder Studentenwerkes zur Verfügung. Auch die Infrastruktur der Universität mit Mensa, Bibliothek und Sporteinrichtungen kann von den Kollegiat/innen genutzt werden.

Ziel:

  • Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld ist zugleich Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen und Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung der Universität Bielefeld. Es hat den Auftrag, Kollegiat/innen unterschiedlicher Vorbildung zur allgemeinen  Hochschulreife zu führen. Als Versuchsschule entwickelt und erprobt das Oberstufen-Kolleg neue Unterrichtsinhalte, Lehrverfahren, Verfahren der Evaluation von Unterricht, Verfahren der Lernstandserhebung und Leistungsbeurteilung und der Unterrichtsorganisation. Im Lehrer-Forscher-Modell verbinden sich pädagogische Praxis und Wissenschaft: Lehrer/innen der Versuchsschule sind gleichzeitig Forscher/innen, die ihren eigenen Unterricht reflektieren und zum Gegenstand von Forschung, Evaluation und Entwicklung machen.
  • Im laufenden Ausbildungsjahr 2010/11 besuchen ca. 630 Kollegiat/innen das Oberstufen-Kolleg. Die Vielfalt der Schülerschaft in sozialer, kultureller, weltanschaulicher, religiöser, alters-, geschlechts- und interessenbezogener Hinsicht ist zunehmend Realität in der gymnasialen Oberstufe und gehört am Oberstufen-Kolleg seit langem zum Alltag.  Dementsprechend lautet das Schulmotto: „Heterogenität – Vielfalt nutzen, Kompetenzen entwickeln, andere Wege zum Abitur gehen, auf Studium und Beruf vorbereiten.“

Umsetzung:

  • Die Neuausrichtung des Oberstufen-Kollegs im Jahre 2001 bot Anlass, Bildungskonzept und Institutionsziele neu zu überdenken. Ein Peer-Review-Verfahren (2004/05) trug dazu bei, den Schulentwicklungsprozess voranzubringen. Eine Kommission „kritischer Freunde“ aus den Bereichen Wissenschaft, Schule und Bildungspolitik empfahl dem Oberstufen-Kolleg, die Auseinandersetzung mit dem Problem der Heterogenität als Entwicklungs- und Forschungsthema in den Mittelpunkt der weiteren Arbeit zu stellen.
  • Den vielfältigen (Lern-) Ausgangslagen der Kollegiat/innen begegnet das Oberstufen-Kolleg mit einem breitgefächerten Angebot an Unterrichtsarten und Lerngelegenheiten, an Förder- und Beratungsangeboten.
  • Das Kursangebot integriert fachbezogene Spezialisierung und wissenschaftspropädeutische Allgemeinbildung. Die Ausbildung in den Studienfächern (Leistungskursen vergleichbar) zielt auf eine studienorientierte Spezialisierung, die erste Erfahrungen mit wissenschaftlichem Arbeiten ermöglicht und so auf das Hochschulstudium vorbereitet. Zurzeit werden 18 Studienfächer angeboten. Bei entsprechender Eignung und Leistung können Kollegiat/innen im fünften Ausbildungssemester in einigen Fächern bereits Universitätskurse besuchen. Neben den Studienfächern bilden fächerübergreifende Grundkurse und Profile den Schwerpunkt der Ausbildung. Sie sind themenbezogen, d. h. sie greifen komplexe Probleme auf, die die disziplinären Grenzen überschreiten. In Basiskursen werden grundlegende Kompetenzen in den Bereichen Deutsch, Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften und informatischer Bildung vermittelt, die für die allgemeine Studierfähigkeit erforderlich sind.  Besondere Lerngelegenheiten sind die zweiwöchigen Projekte, die jeweils am Ende eines Ausbildungssemesters stattfinden. Sie sind problem- und praxisorientiert und finden oft in Kooperation mit außerschulischen Partnern statt.           
  • Neben besonderen Lernformen erprobt das Oberstufen-Kolleg alternative Formen der Leistungsbewertung, die das Gespräch und die Reflexion über das eigene Lernen fördern. Die Eingangsphase ist notenfrei, in der Qualifikationsphase werden Kursnoten durch die Benotung einzelner Leistungsnachweise ersetzt. Zentrales Instrument der Dokumentation, Reflexion und Beurteilung von Leistung ist das Ausbildungsportfolio.
  • Das Ausbildungssystem wird ergänzt durch ein breites, auf pädagogischer Diagnose basierendes Angebot individueller Förderung. Bereits vor Beginn ihrer Ausbildung durchlaufen die Bewerber/innen ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren, zu dem ein Aufnahmegespräch sowie Diagnosetests in Deutsch, Mathematik und Englisch gehören. Sofern ein besonderer Förderbedarf festgestellt wird, erfolgt die Zuordnung zu Brückenkursen in der Einführungsphase. Für Kollegiat/innen, die ein entsprechendes Kompetenzniveau bereits erreicht haben, gibt es im Einzelfall Dispensregelungen. Eine Verkürzung der Ausbildung (Quereinstieg) ist im Rahmen von Feststellungsprüfungen möglich. Förderangebote für die Jahrgangsstufen 12 und 13 sind insbesondere Lernbüros in den Bereichen Deutsch, Mathematik und neueinsetzende Fremdsprache. Auf die persönlichen Ressourcen abgestimmte Förderpläne erstellt bei Bedarf der Koordinator für individuelle Förderung.
  • Ein wesentlicher Teil der individuellen Förderung am Oberstufen-Kolleg ist das differenzierte Beratungsangebot mit Tutorensystem, Laufbahnberatung, Schulsozialarbeit und schulpsychologischer Beratung. In pädagogischen Konferenzen werden die Förder- und Beratungsangebote zusammengeführt und schwierige Ausbildungsverläufe in den Blick genommen. Die Vernetzung und konzeptionelle Weiterentwicklung der verschiedenen Beratungsbereiche erfolgt durch regelmäßige Teamsitzungen in der Verantwortung der Pädagogischen Leitung.

Erfolge:

  • Der größte Teil der so heterogen zusammengesetzten Schülerschaft schließt seine Ausbildung mit dem Abitur erfolgreich ab. Seit 2008 nimmt das Oberstufen-Kolleg am Zentralabitur des Landes Nordrhein-Westfalen im Bereich der Leistungskurse teil. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kollegiat/innen gut mit den Leistungen der Schüler/innen der gymnasialen Oberstufen mithalten können und in einigen Fächern sogar deutlich besser abschneiden. Indem das Oberstufen-Kolleg auch Leistungsschwächeren und Schüler/innen aus bildungsfernen Familien den Weg zu höherwertigen Bildungsabschlüssen eröffnet, trägt es nachhaltig zu einer größeren Bildungsgerechtigkeit bei.
  • In einem zweiten Peer-Review-Verfahren, das im Oktober 2010 stattfand, bestätigten die Gutachter/innen, dass der Weg des Oberstufen-Kollegs vom College zu einer Versuchsschule mit gymnasialer Oberstufe gelungen sei und dass die Aspekte Heterogenität und Migration als Arbeitsschwerpunkte weiter im Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit stehen sollen.

Im Juni 2010 wurde dem Oberstufen-Kolleg der Deutsche Schulpreis in der Kategorie „Leistung“ verliehen. In der Laudatio der Jury heißt es: „Das Bielefelder Oberstufen-Kolleg hat für den Übergang von der Schulstube zur ‚Gelehrtenrepublik‘ beispielgebende pädagogische Strukturen erfunden, in jahrzehntelanger Entwicklung erprobt und erneuert. Eigenständigkeit und Zusammenarbeit, selbstkritische Beurteilung des eigenen Leistungsvermögens und die Bereitschaft, für den eigenen Lernweg einzustehen – das sind Kompetenzen, die hier erworben werden müssen. Das Oberstufen-Kolleg setzt auf den Bildungswillen und die Eigenverantwortung seiner Kollegiaten (…) Diese Oberstufe hält ihre Türen bewusst und gezielt offen – nicht nur für ‚Quereinsteiger‘ aus der Berufswelt, sondern ebenso für ‚Queraussteiger‘, die gegebenenfalls erkennen, dass ihr individueller Weg zur Mündigkeit nicht in die akademische Ausbildung, sondern unmittelbar in die Berufswelt führt.“

Kontakt:

Dr. Michaele Geweke

Telefon: 0521 - 10 66 71 22

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Weitere Informationen:

» Oberstufen-Kolleg

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden, bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: November 2010

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KONTAKT

Dr. Michaele Geweke
Öffentlichkeitsreferentin

Oberstufen-Kolleg

Universitätsstr. 23

33615 Bielefeld

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