Bertelsmann Stiftung

Belm - Stadtteilarbeit im ländlichen Raum

Demographie-Profil:

Bundesland

Niedersachsen

Bevölkerung (31.12.2009)

13.717

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-3,0

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-5,7

Ausländeranteil (in %)

5,0

Räumliche Einordnung

Verstädtere Räume – Verdichtete Kreise

Ziel:

  • Die Entwicklung von Segregation, die seit Mitte der 90er Jahre durch einen sehr starken Zuzug von Aussiedlern und weiteren Migrantengruppen in einen Stadtteil entstanden war, soll verhindert und die Integration der betroffenen Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Dadurch soll der soziale Frieden in der Gemeinde erhalten bleiben.

Strategie:

  • Um dieses Ziel zu erreichen, setzte die Gemeinde Belm von Anfang an auf die starke Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements und die Entwicklung von Partizipationsprozessen. Daneben wurden in zahlreiche städtebauliche Maßnahmen, sowie die soziale Infrastruktur investiert.
  • Die Gemeinde Belm holte sich aktive Unterstützung der Integrationsmaßnahmen von außen in Form von Landes- und Bundesfördermitteln. Ein wesentlicher strategischer Wendepunkt war die Aufnahme der Gemeinde in das Bundesprogramm „Stadtteile mit Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“.

Meilensteine:

  • 1996: Gründung des Belmer Integrationsclubs e.V. (BIC) zur Unterstützung der Integration in Form von Veranstaltungen, Alltagshilfen und Begegegnungstreffen.
  • 1998 Gründung der Belmer Integrationswerkstatt (Jugendwerkstatt).
  • Ab Ende der 90er Jahre Beginn der aktiven Steuerung der Integrationspolitik durch die Gemeinde.
  • 2000 Entwicklung eines integrierten Handlungskonzeptes zur Verknüpfung von städtebaulichen und sozialen Maßnahmen im Rahmen des Bundesprogramms „Stadtteile mit Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“.

Akteure:

  • Politik
  • Verwaltung
  • Quartiersmanager
  • Vereine
  • Migrantenselbstorganisationen
  • Wohlfahrtsverbände
  • Universität Osnabrück

Umsetzung:

  • Das Hauptaugenmerk der Belmer Integrationspolitik liegt auf der Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der zweiten Zuwanderungsgeneration. So kümmern sich Ehrenamtliche im offenen Kindertreff der katholischen Kirche um die Nachmittagsbetreuung von Kindern, die Gemeinde hat die Einrichtung der Belmer Integrationswerkstatt zur beruflichen Integration von Jugendlichen angestoßen und eine russlanddeutsche Pädagogin kümmert sich als Streetworkerin um Jugendliche aus gefährdeten Gruppen. Russlanddeutsche Pädagogen kümmern sich als Streetworker und Schulsozialpädagogen um die jeweiligen Zielgruppen und sind dafür von der Gemeinde angestellt worden.
  • Im Rahmen des Bundesprogramms „Stadtteile mit Entwicklungsbedarf – die soziale Stadt“ wurde ein integriertes Handlungskonzept für die Gemeinde in einem partizipativen Prozess entwickelt. In den ersten Jahren lag der Schwerpunkt der Arbeit in der Vernetzung der Arbeit der sozialen Akteure, dem Aufbau von Beteiligungsstrukturen und der Verbesserung des Images des Sanierungsgebiets.
  • Die Steuerung des Prozesses liegt bei den eingestellten Quartiermanagern. Diese agieren auch als Mittler zwischen Politik und Verwaltung auf der einen sowie der Bevölkerung und den Vereinen auf der anderen Seite. Der Erfolg ihrer Arbeit wird begünstigt durch eine langjährige Tradition bürgerschaftlichen Engagements in Belm sowie die kleinstädtische Struktur.
  • Um die Beteiligung von Migranten an partizipativen Prozessen (z.B. Workshops) zu erhöhen und um Zugangsschranken zur Verwaltung abzubauen, wurden „Runde Tische“ abgehalten („Verwaltung kommt zu den Bürgern, nicht umgekehrt“).
  • Integration ist in Belm Chefsache. Sowohl Bürgermeister Bernhard Wellman als auch andere Akteure aus Politik und Verwaltung setzen sich für den Erfolg der Integrationsmaßnahmen persönlich ein. Dies geschieht durch die Mobilisierung des ehrenamtlichen Engagements vor Ort und eine erfolgreiche Akquise von Förderprogrammen von der EU, des Bundes und des Landes.
  • Die Evaluation der Maßnahmen und Projekte erfolgt in Kooperation mit der Universität Osnabrück.

Bürgerbeteiligung:

  • Bürgerschaftliches Engagement ist ein Hauptpfeiler sämtlicher Programme, Projekte und Maßnahmen in der Gemeinde. Der Bürgermeister sowie die gesamte Politik Belms unterstützten dies stark.
  • Daneben hat die Gemeinde Zuwanderer als Brückenbauer eingestellt (Bürgeramt, Jugendtreff, Schulsozialarbeit).
  • Zu Teilen macht die Gemeinde bei Anfragen nach finanzieller Förderung ehrenamtliches Engagement zu einer der Bedingungen für die Bewilligung von Zuschüssen oder unterstützt Vereine allein durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten.

Finanzierung:

  • Die Gemeinde Belm gibt rund zwei Drittel ihrer freiwilligen Aufgaben für Integrationsmaßnahmen aus.
  • Daneben konnte die Gemeinde Fördermittel aus Landes- und Bundesmitteln akquirieren. Zahlreiche Maßnahmen sowie das Quartiersmanagement werden durch das Bundesprogramm „Stadtteile mit Entwicklungsbedarf – Die Soziale Stadt“ finanziell unterstützt. Besonders haben die Maßnahmen durch die Auflage des Programms LOS Lokales Kapital für soziale Zwecke aus dem europäischen Sozialfonds profitiert.

Erfolge:

  • Die positiven Folgen des Engagements der Gemeinde im Integrationsbereich sind durch überprüfbare Erfolgsindikatoren zum Teil messbar. Die negativen Auswirkungen einer wachsenden Segregation des Stadtteils Belm-Powe konnten durch die Maßnahmen des Quartiersmanagements und das integrierte Handlungskonzept eingeschränkt und vermieden werden.
  • Auch zeigen die steigenden Teilnehmerzahlen an Qualifizierungsmaßnahmen sowie die Vermittlungsquote in Ausbildungs- und Beschäftigungsverhältnisse eine erfolgreiche Entwicklung an.
  • Ein weiterer erfreulicher Erfolg ist der Rückgang der Straftaten innerhalb des Gemeindegebiets.
  • Die Gemeinde Belm gewann in der Kategorie ländlicher Raum den Integrationspreis des Bundesministerium des Innern und der Bertelsmann Stiftung.

Kontakt:

Viktor Hermeler

Telefon: 05406 - 50 526

› Mail

 

 

Weitere Informationen:

» Stadt Belm

Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium des Innern: Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Gütersloh 2005, S. 50

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Juli 2006

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KONTAKT

Viktor Hermeler
Erster Gemeinderat

Gemeinde Belm

Marktring 13

49191 Belm

Telefon: 05406 - 50 526

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