Bertelsmann Stiftung

Bayreuth - Konzept der Vorschulischen Förderung – die „Schulhüpfer“

Demographie-Profil:

Bundesland

Bayern

Bevölkerung (31.12.2009)

72.576

Entwicklung 2002-2009 (in %)

-2,7

Entwicklung 2009-2030 (in %)

-8,0

Räumliche Einordnung

Ländliche Räume - Ländliche Kreise höherer Dichte

Demographietyp

Stabile Mittelstädte und regionale Zentren mit geringem Familienanteil

Ausgangslage:

  • Die bisher durchgeführten ganzjährigen Vorkurse nach Sismiktest (Test zur Sprachbeherrschung) durch die Kindergärten reichen zur vorschulischen Förderung nicht mehr aus.
  • Bei der im Januar durchgeführten Schuluntersuchung durch das Gesundheitsamt wurden zahlreiche Defizite bei den Kindern diagnostiziert, die durch den Sismiktest nicht erfasst werden.
  • Außer der sprachlichen Problematik zeichnen sich große Defizite in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Konzentration, Zahl- und Mengenerfassung, räumliches Denken und soziale Entwicklung ab. Diese Defizite sind auf die mangelnde Förderung im Elternhaus zurück zu führen und können in den üblichen Kindergartengruppen bzw. dem Vorkurs nicht behoben werden.
  • Nicht alle Kinder mit Defiziten weisen jedoch gleichzeitig sonder-pädagogischen Förderbedarf auf, was durch den K-ABC-Test (Test zur differenzierten Intelligenz- und Fähigkeitsdiagnostik) eindeutig nachgewiesen wurde. Sie können deshalb weder in einer Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) noch in einer künftigen Kooperationsklasse (KOOP-Klasse) betreut und gefördert werden.
  • Die doppelte Halbsprachigkeit vieler Kinder (im Durchschnitt 60% aller Kinder unserer Schule) verhindert, dass die Schüler dem Unterricht angemessen folgen können.
  • Ca 45% der vorgestellten schulpflichtigen Kinder des Geburtsjahrgangs 2004 (geboren bis Ende September 2004) sind nur eingeschränkt schulfähig.
  • Rückstellungen mit anschließendem Besuch eines normalen Kindergartens gewährleisten keine ausreichende Förderung.

Die Jean-Paul-Volksschule, Grundschule, und der beteiligte Kindergarten „Grashüpfer“

  • Im Einzugsgebiet der Grundschule leben zahlreiche Aussiedler- und Ausländerfamilien deren sprachliche und kulturelle Integration immer wesentlicher wird. Die Kinder bringen ihre Muttersprache als Ressource mit, verfügen darin aber häufig nur über einen sehr beschränkten Wortschatz.
  • In der Zweitsprache Deutsch sind individuell unterschiedliche Kompetenzen vorhanden. In den Elternhäusern wird in aller Regel die Muttersprache gesprochen, der Erwerb der Zweitsprache geschieht lediglich im Kindergarten.
  • Seit Einführung des Stunden-Buchungssystems in den Kindergärten nutzen vor allem arbeitslose und wenig integrierte Eltern nur das Minimum an Aufenthaltszeit (8:00 Uhr bis 12:00 Uhr) in der Kita. Dort werden die Kinder in altersgemischten Gruppen ( 3 – 6-jährige), manchmal auch altersspezifisch betreut und gefördert.

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Ziel:

  • Gezielte individuelle Förderung in den Bereichen Sprache, Muttersprache, Zahlen, basale Fähigkeiten und soziales Lernen unter Einbeziehung aller Sinne und kontinuierliche Elternarbeit sollen helfen,
    • frühzeitige Stigmatisierung zu vermeiden
    • den Übergang vom Kindergarten in die Schule fließend zu gestalten
    • Zugänge zur Bildung zu erleichtern
    • präventive Maßnahmen gegen Gewalt, Ausgrenzung, psychische Gefährdung, Schulversagen, Schulverweigerung durchzuführen
    • personale Kompetenzen der zukünftigen Schüler zu stärken
    • Erziehungs- und Förderkompetenzen der Eltern auszubauen
    • Integration zu fördern

Umsetzung:

  • Das Projekt Vorschulische Förderung läuft seit September 2008 und wird in der Pilotphase aus organisatorischen Gründen mit dem im Einzugsgebiet liegenden Kindergarten (Kindertagesstätte Grashüpfer) durchgeführt. Außerdem bietet sich dadurch die Möglichkeit, die Wirksamkeit der Maßnahme durch Vergleich mit anders geführten Gruppen zu überprüfen.
  • Eine Ausweitung auf weitere Kindergärten ist wegen der Bezuschussung der Kitas nicht möglich.
  • Neben der Fördergruppe muss für Kinder, die ausschließlich Sprachförderung benötigen, weiterhin ein ganzjähriger Vorkurs stattfinden.
  • Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden weiterhin an die entsprechenden SVE`s (Schulvorbereitenden Einrichtungen) verwiesen.

Rahmenbedingungen

  • Durch den Wegfall der Teilhauptschule I standen ab dem Schuljahr 2008/2009 genügend Räume und Fachräume zur Verfügung.
  • Die Schule verfügt über eine Lernlandschaft, die von der Fördergruppe mit genutzt werden kann.
  • An der Schule gibt es Elterntalk in verschiedenen Sprachen
  • Sowohl Lehrpersonal, Erzieher als auch Lehrkräfte für muttersprachlichen Unterricht in Russisch und Türkisch stehen zur Verfügung (Russisch durch das Amt für Integration, Türkisch durch Patenschaften mit dem türkischen Konsulat)
  • Kindergartenpersonal steht zur Verfügung, da die Eltern wie bisher die benötigten Betreuungsstunden im Kindergarten (mindestens von 8:00 bis 12:00 Uhr) buchen.
  • Erzieherinnen aus der Kita nehmen seit 7 Jahren regelmäßig an den in der Schule stattfindenden Vorkursen teil und gestalten diese auch aktiv mit. So ist eine Vertiefung der Arbeit im Kindergarten sehr effizient gewährleistet.
  • Alle Eltern stimmten nachweislich zu, dass Schule und Kindergarten über ihre Kinder Gespräche führen dürfen. Somit kann von einer äußerst engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit ausgegangen werden. Gemeinsame Veranstaltungen unterstützen die gegenseitige Offenheit.
  • Die Gruppenstärke beträgt 12 bis 15 Kinder.

Zielgruppen

  • Kinder, die vom Schulbesuch wegen Entwicklungsverzögerungen zurück gestellt werden müssen
  • Kinder, die im Folgejahr schulpflichtig werden, mit Entwicklungsverzögerungen, aber ohne sonderpädagogischen Förderbedarf
  • Eltern der betroffenen Kinder
  • Zusammenarbeit mit der Mobilen sonderpädagogischen Hilfe (MSH)
  • Zusammenarbeit mit Kinderärzten, Frühförderung, Logopäden und Ergotherapeuten

Arbeitsinhalte

  • Eine Vorschulische Förderung soll Entwicklungsrückstände gezielt aufholen: Auf der Basis der (schul-)ärztlichen Untersuchungen und der Testauswertung zu den Grundfähigkeiten und -fertigkeiten durch die Mobile sonderpädagogische Hilfe (MSH) bzw. den Mobilen sonderpädagogischen Dienst (MSD) oder den Beratungslehrer werden Förderpläne für die Kinder entwickelt.
  • Das Curriculum der Vorschulischen Förderung ergibt sich in Anlehnung an die Inhalte des Vorkurses, des Bildungsplans der Kindergärten, der Lehrpläne der SVE, aus dem in der Schule eingeführten Sozialzielekatalog nach Weidner und dem Konzept „Bewegungspausen“ nach Ina Thieme, Institut für Sportwissenschaft, Universität Bayreuth.
    • Sprachförderung
    • Muttersprachlicher Unterricht
    • Mathematische Fähigkeiten
    • Basale Fähigkeiten
    • Sozialtraining
    • Hinzu kommen Elternarbeit, Netzwerkarbeit, Förderpläne und Dokumentation

Stundentafel, Tagesstruktur

  • 7:45 – 9:30: Unterricht in der Schule durch Lehrer, Erzieher, Muttersprachler
  • 9:30 – 12:00 oder länger: Spielzeit im Kindergarten, Zusatzförderung oder Nachbereitung durch Erzieher

Wie erfährt die Schule von den Kindern?

  • Kindergarten (Infoabende, Kontakt mit Erziehern, MSH, Frühförderung)
  • Kommune, Einwohnermeldeamt
  • Test durch Kollegen aus der Förderschule (MSH), Beratungslehrer
  • Ärzte

Aufnahmebedingungen

  • Der Aufnahme voraus geht in jedem Fall ein Beratungsgespräch. Evtl. werden von den Eltern Schweigepflichtsentbindungen zwischen Schule und Ärzten oder Fördereinrichtungen erbeten.
  • Die Aufnahme erfolgt mit Einverständnis der Erziehungs-berechtigten mit gleichzeitiger Verpflichtung zur regelmäßigen Teilnahme und Mitarbeit der Eltern an den stattfindenden Elternstunden.
  • Es gelten für die Kinder die Fehlzeitenregelungen der Bayrischen Schulordnung.
  • Der Nachweis der Defizite und Förderbedürftigkeit erfolgt durch Testverfahren (Beratungslehrer, MSH) und Empfehlung des Kindergartens.
  • Alle Eltern erklären sich mit dem Konzept in einer Vereinbarung einverstanden.

Personalbedarf

  • Lehrkraft, täglich 115 min Unterricht + 150 min Elternarbeit und Netzwerkpflege pro Woche à 15 Wochenstunden zu je 45 min
  • Erzieher, im Rahmen der normalen Arbeitszeit
  • Muttersprachler, wie Lehrkraft, weiterer Einsatz in den Eingangsklassen möglich (Muttersprachlicher Ergänzungsunterrichts - MEU, Hausaufgabenbetreuung)

Kosten

  • Personalkosten für Lehrkraft aus dem Stundenbudget der Schule abgedeckt
  • Keine zusätzlichen Kosten für Erzieher
  • Kosten für Muttersprachler durch Amt für Integration, Konsulat decken
  • Materialbeschaffung, Möblierung - Unterstützung durch Sponsoren
  • Unkostenbeiträge für Verbrauchsmaterial tragen die Eltern

Wer muss eingebunden werden?

  • Schule
  • Kindergarten
  • Gesundheitsamt
  • Mobile sonderpädagogischen Hilfe (MSH)
  • Ärzte, Logopäden, Ergotherapeuten
  • Schulamt (rechtlicher + fachlicher Bereich)
  • Amt für Integration
  • Türkisches Konsulat
  • Jugendamt
  • Oberbürgermeister
  • Regierung
  • Geldgeber
  • Elternbeirat

Wie wird die Wirksamkeit der Maßnahme überprüft?

  • Am Ende der Fördermaßnahme wird ein weiterer Test zu Grundfähigkeiten und –fertigkeiten durchgeführt und mit der Eingangstestung verglichen.
  • Die Schul- und Sozialkompetenzen in der ersten Klasse werden mit „normal“ eingeschulten bzw. mit Kindern aus dem Vorkurs  verglichen. (Test zu Kompetenzen der Schulanfänger in den ersten beiden Schulmonaten – an der Schule bereits im Rahmen der individuellen Förderung mittels Förderplänen eingeführt)
  • Regelmäßig geführte Beobachtungsbogen ermöglichen jederzeit einen Überblick über den Entwicklungsstand der Kinder.
  • Die Mitarbeit der Eltern wird durch Anwesenheitslisten bei den Veranstaltungen protokolliert.

Erfolge:

  • Eltern erweisen sich als ausgesprochen kooperativ, besuchen die Elternstunden und versuchen aktiv mitzuwirken, soweit ihre Möglichkeiten dies erlauben.
  • Bei etwa zwei Drittel der betreuten Kinder sind deutliche Lern- und Verhaltensfortschritte auszumachen, die eine problemlose Einschulung im kommenden Schuljahr erwarten lassen.
  • Der Rest der Kinder zeigt bereits gute Teamfähigkeit, sprachliche Defizite konnten noch nicht ausreichend behoben werden. In diesen Fällen wird gemeinsam mit den Eltern eine weitere Fördermöglichkeit gesucht (z. B. durch unser Projekt KÜKI – Kümmerer für Kinder).
  • Andere Schulen zeigen Interesse am Konzept. Für Interessierte werden Fortbildungen angeboten.

Kontakt:

Heidrun Weber, Ursula Merkel
Jean-Paul-Volksschule, Grundschule

Telefon: 0921 - 79 98 911

› Mail

 

Bedia Yusu
Kindertagesstätte Grashüpfer

Telefon: 0921 - 92 238

 

 

Weitere Informationen:

Unter den angegebenen Kontakten können das Curriculum sowie Beobachtungsbogen und Förderpläne angefordert werden.

» „Projekt Schulhüpfer“

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

 

Stand: Oktober 2010

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KONTAKT

Heidrun Weber, Ursula Merkel

Jean-Paul-Volksschule, Grundschule

Königsallee 19

95448 Bayreuth

Telefon: 0921 - 79 98 911

› Mail

 

Bedia Yusu

Kindertagesstätte Grashüpfer

Graserstraße 7

95448 Bayreuth

Telefon: 0921 - 92 238

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