Bertelsmann Stiftung

Basel - Erfolgreich durch Fördern und Fordern!

Demographie-Profil:

Land

Schweiz

Bundesland

Basel-Stadt

Verwaltungseinheit

Großstadt

Bevölkerung (31.12.2006)

185.000

Ausländeranteil (in %)

30

Ausgangslage/Problemstellung:

  • Die Schweiz gehört zu den westeuropäischen Staaten, die im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die höchste Zahl an Ausländerinnen und Ausländern (rund 20 %) aufweisen. Rund die Hälfte aller Personen mit ausländischem Pass lebt seit Geburt in der Schweiz, ein Drittel sogar seit mindestens 30 Jahren.
  • In der Stadt Basel beträgt der Anteil der Zugezogenen an der Bevölkerung rund 30 %. Rund ein Drittel der Erwerbstätigen in den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt sind ausländischer Herkunft: zum Beispiel 34 % der Angestellten im Gastgewerbe und 26 % im Baugewerbe. Sie leisten einen bedeutenden Beitrag zum Erfolg von Wirtschaft und Industrie.
  • Die Basler Integrationspolitik ist offensiv konzipiert und basiert auf dem Prinzip „Fördern und Fordern“: Sie will Defizite aus der Vergangenheit, als Zuwanderer noch nicht ab dem ersten Tag begrüßt, informiert und motiviert wurden, aufarbeiten und die Chancen der wandelnden Migration aktiv nutzen. Dabei versucht sie die Bedürfnisse aller Bevölkerungsteile aktiv einzubinden.

Ziel:

  • Für die Integrationspolitik in Basel Stadt ist der Paradigmenwechsel vom Defizit- zum Potenzialansatz zentral. Entsprechend wurden drei Leitideen formuliert:
      1. Das Fundament, auf das die zukünftige Integrationspolitik aufbaut, wird vom vorhandenen Potenzial, also den Errungenschaften, Erfahrungen, Fähigkeiten und Kompetenzen der Beteiligten gebildet.
      2. Integration wird als gesamtgesellschaftliches und gesamtstädtisches Anliegen verstanden, d.h., die Gesamtheit aller Gesellschaftsmitglieder (Einheimische und Zugezogene) wird in den Prozess eingebunden.
      3. Die Integrationspolitik garantiert einen bewussten und respektvollen Umgang mit Differenz. Sozial oder strukturell bedingte Probleme dürfen nicht oberflächlich kulturalisiert und ethnisiert, geschlechterspezifische Aspekte nicht ignoriert oder neutralisiert werden.

Strategie:

  • Auf diesen Leitideen fundierend wurden die Grundsätze und somit die strategische Grundlage für die politische Praxis abgeleitet:
    • Basel-Stadt verfolgt eine umfassende Sozialpolitik. Als Grundprinzip gilt der Gleichheitsgedanke – die Integrationspolitik achtet und fördert die im Kanton lebenden Menschen als Individuen. In der Bekämpfung sozialer Benachteiligung gelten sozio-ökonomische Kriterien für die Bestimmung der Zielgruppen, und nicht die ethnische Herkunft.
    • Die vorhandenen Ressourcen werden genutzt und der individuelle Aufstieg gefördert. Soziale Mobilität und Leistungswille werden durch den Abbau struktureller Schranken unterstützt. Die neue Integrationspolitik ist vornehmlich leistungs- und aufstiegsorientiert.
    • Informationslücken werden geschlossen und Vorurteile auf allen Seiten abgebaut.
  • Das Interdepartementale Netzwerk Integration formuliert im Aktionsplan 2004-2007 für spezifische Zielgruppen konkrete Schwerpunkte, welche die Leistungen in den Regelstrukturen (Schule, Sozialhilfe, etc.) ergänzen und damit Defiziten entgegenwirken.
  • Alle neu Hinzuziehenden profitieren ab Ankunft in Basel von einem umfassenden Informations- und mehrsprachigen Beratungsangebot, flächendeckenden Sprachkursangeboten und vielfältigen Begegnungsanlässen, die von der Stadt und ihren Partnern angeboten werden. Dem Angebot gegenüber steht die Forderung an die Migrantinnen und Migranten, „sich in ihrem Gastland für ein gedeihliches Zusammenleben mit den Einheimischen zu engagieren, sich mit den Lebensbedingungen im Gastland auseinanderzusetzen und sich notwendige Sprachkenntnisse anzueignen“.

Meilensteine:

  • Der Basler Regierungsrat hat 1999 von der Ethnologin Rebekka Ehret das Integrationsleitbild und Handlungskonzept für Basel-Stadt erarbeiten lassen. 2001 wurde es vom Grossen Rat des Kantons Basel als „Leitbild und Handlungskonzept“ für Basel-Stadt verabschiedet.
  • Das Handlungskonzept wurde 2004 vom Interdepartementalen Netzwerk Integration (INI) mit dem Aktionsplan 2004-2007 ergänzt.
  • Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben 2005 gemeinsam den Entwurf eines bikantonalen Integrationsgesetzes erarbeitet, der derzeit in den zuständigen Gremien beraten und als Integrationsgesetz wahrscheinlich in Kraft treten wird.

Akteure:

  • „Integration Basel“, Kantonale Integrationsstelle und Anlaufstelle Rassistische Diskriminierung
  • Die Basler Integrationsarbeit ist mehrschichtig regional, national und international vernetzt. Fest institutionalisiert ist die Partnerschaft mit dem Partnerkanton Basel-Landschaft.
  • Interdepartementales Netzwerk Integration
  • Kantonale Kommission für Migrations- und Integrationsfragen
  • Ethnologisches Seminar der Universität Basel
  • Stabsstelle für Integrations- und Migrationsfragen Basel-Landschaft
  • Eidgenössische Ausländerkommission (EKA)

Umsetzung:

  • Für den Zeitraum 2004 bis 2007 wurde mit einem Aktionsplan das Leitbild und Handlungskonzept von Basel-Stadt ergänzt. Darin formuliert sind Schwerpunkte, welche die Leistungen in den Regelstrukturen ergänzen und damit Defiziten entgegenwirken. Die folgenden Schwerpunkte und Projekte sind hierbei von besonderer Bedeutung:
  • PR/Kommunikation: „Integration Basel“ hat in den sieben letzten Jahren mit zahlreichen Projekten, Filmen und mit öffentlichen Anlässen auf das Thema Integration und die eigene innovative Politik aufmerksam gemacht. Daneben informiert die Website www.welcome-to-basel.bs.ch und die Broschüre aktuell und ausführlich. In Zusammenarbeit mit dem Kanton „Basel-Landschaft“ und zwei weiteren Kantonen wird die umfassende Kampagne » „Aller Anfang ist Begegnung“ durchgeführt, die aus der Migrationszeitung und Inseraten besteht;  Die darin erscheinende Migrationszeitung „MIX“ erscheint in einer Auflage von 400.000 Exemplaren, andere Medien werden ebenfalls genutzt, um die Bevölkerung zu erreichen. Die gezielte Schaltung von Inseraten dient der Bewerbung von aktuellen Anlässen.
  • Integrationsgesetz: Von den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft wurde ein bikantonales Integrationsgesetz erarbeitet, das derzeit in den Gremien beraten wird. In die Meinungsbildung zum Gesetz wurden die Zuwanderer-Communities aktiv eingebunden.
  • „Willkommen“ Das Begrüßungs- und Begegnungskonzept: Hierbei handelt es sich um ein aufeinander aufbauendes und modulartiges Konzept der Begrüßung und Begegnung für Neuzugezogene unter Einbezug der länger in Basel Wohnhaften sowie der Einheimischen. Dies beginnt bei der amtlichen Anmeldung, bei der auf alle Angebote der Sprachförderung und auf Integrationskurse hingewiesen wird. „Willkommen im Quartier“ begrüßt und informiert die Zuziehenden im jeweiligen Quartier und schafft Begegnungsmöglichkeiten zwischen Einheimischen und Zugezogenen, während „Willkommen in Basel“ gezielt nützliche Informationen in verschiedenen Sprachen zum Leben in Basel vermittelt. Diese Veranstaltungen werden ergänzt mit Themenveranstaltungen (z.B. Gesundheit, Straßenverkehr, Jugend).
  • Projektförderung: Durch ein breites Angebot an Integrationsprojekten wird die Chancengleichheit von allen Bewohnern Basels angestrebt. Wesentliches Element der gezielten Förderung und Steuerung der Projekte ist ein sowohl strategisches als auch operatives Controlling sowie durchgehendes Qualitätsmanagement. Die Förderschwerpunkte im Aktionsplan 2004-2007 sind: Begegnung, Öffnung der Institutionen, Information, Innovation und Kooperation.

Bürgerbeteiligung:

  • Die Projekte der Integrationsarbeit richten sich an die in Basel-Stadt wohnhafte Bevölkerung: Einheimische und Zugezogene. Die Integrationspolitik in Basel versucht hierzu alle Gesellschaftsmitglieder aktiv einzubinden. Dabei bieten „ ‚Integration Basel’, Kantonale Integrationsstelle und Anlaufstelle Rassistische Diskriminierung“ und ihre Partnerorganisationen Neuzuwanderern vielfältige Begegnungsanlässe, fordern aber auch von den Migranten ein Engagement für ein „gedeihliches Zusammenleben mit den Einheimischen“.

Finanzierung:

  • Die Finanzierung und Projektförderung basiert auf drei Säulen: Kanton (Basel-Stadt, Basel-Landschaft), Bund und Dritte. Alle Projekte werden einem regelmäßigen Qualitätsmanagement und Controlling unterzogen.

Erfolge:

  • Integration wird sowohl in der Verwaltung als auch in Bevölkerung immer mehr als Investition in die heutige und zukünftige Gesellschaft gesehen.
  • Im Rahmen einer Bevölkerungsbefragung der Stadt im Jahre 2005 zeigte sich im Vergleich zu früheren Jahren, dass sich hinsichtlich der Ausländerthematik eine Versachlichung in der Diskussion eingestellt hat.
  • Der Potenzialansatz – Grundlage der Basler Integrationsarbeit – wird inzwischen auch auf andere Bereiche wie Familienpolitik etc. übertragen. Integration und Chancengleichheit sind ein Schwerpunkt der Basler Regierungspolitik.
  • Das Basler Integrationskonzept dient inzwischen zahlreichen Städten in der Schweiz, aber auch im Ausland, als Vorbild.

Kontakt:

Thomas Kessler

Telefon: 0041 61 26 77 840

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Fleur Jaccard, lic.phil.

Telefon: 0041 61 26 74 454

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Weitere Informationen:

 

 

Um den Herausforderungen des demographischen Wandels gerecht zu werden bietet die Bertelsmann Stiftung » Workshops für Kommunen zu den Themen Demographie, Seniorenpolitik und Integration an.

 

Demographische Daten für Kommunen über 5.000 Einwohner finden Sie im » Wegweiser Kommune

 

 

Stand: Januar 2007

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Fleur Jaccard, lic.phil.

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CH-4051 Basel

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